Syrische Zusammenkunft in Wuppertal: „Fast wie ein Traum“

Syrische Zusammenkunft in Wuppertal : „Fast wie ein Traum“

Auch das ist eine Geschichte, die zum Weltfrauentag passt: Vor einem Jahr besuchte die Rundschau im Uellendahl die (mittlerweile wieder verheiratete) Witwe Handrin Khalaf (42) aus Syrien. Vor dem Krieg war die Mutter von vier Söhnen Kindererzieherin, hat sich dann im stark zerstörten Damaskus als inoffizielle Taxifahrerin für Frauen durchgeschlagen – und floh 2015 nach Deutschland.

Den zweiten Sohn Mohamed musste sie in der Zwischenstation Türkei zurücklassen. Jetzt, am 7. Februar 2019 um 18 Uhr, als das Flugzeug in Düsseldorf landete, ist die Familienzusammenführung endlich perfekt.

Zahlreiche zähe und hohe bürokratische Hürden mussten überwunden werden, bis Handrin Khalaf und der heute bald 16-jährige Mohamed sich wieder in die Arme schließen konnten. Jetzt sagt Handrin Khalaf im Gespräch mit der Rundschau: „Es ist fast wie ein Traum. Ich bin so vielen Menschen, die uns geholfen haben, so dankbar!“

Dafür stark gemacht, dass die Zusammenführung der Familie möglich wurde, haben sich viele. Allen voran der Wuppertaler SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh, der die Geschichte der syrischen Mutter in den Mittelpunkt seiner damals ersten Bundestagsrede gestellt hatte – als personifiziertes Gegenbild zu den gesichtslosen und stets negativen Abschottungspositionen der AfD.

Lindh lässt allerdings keinen Zweifel daran, dass die Reise Mohameds von der Türkei nach Deutschland beispielsweise ohne die Internationale Organisation für Migration (IOM), die Wuppertaler Diakonie und das Wuppertaler Ausländer-Ressort sowie Wuppertaler Türken, die einen guten Kontakt zum Konsulat ihres Landes haben, überhaupt nicht möglich gewesen wäre.

Der Junge, der bei seiner Großmutter untergekommen war, hatte einen Pass, der ablief. Als die wesentlichen rechtlichen Hürden aus dem Weg geräumt waren, musste es schnell gehen. Schwierig dabei: Das Alleinreisen eines Minderjährigen wird in der Türkei sehr problematisch gesehen. Einverständniserklärungen, positive Ausländeramtsbescheide aus Wuppertal, die (syrische!) Sterbeurkunde des Vaters und viele Papiere mehr mussten beschafft, übersetzt und teilweise im Original in die Türkei geschickt werden. Dazu, dass am Ende doch Wirklichkeit wurde, dass Mutter und Sohn sich nach fast fünf Jahren auf sicherem deutschen Boden wiedersehen konnten, sagt Helge Lindh: „Man kann es schon ein halbes Wunder nennen. Aber im gegenteiligen Fall wäre es ein himmelschreiendes Unrecht gewesen.“

Für Mohamed geht es jetzt um die Einschulung in eine Wuppertaler Integrationsklasse – und ums möglichst schnelle Deutschlernen. Der junge Syrer liebt Mathematik – und kann sich gut vorstellen, einmal einen Beruf auszuüben, in dem es um Zahlen geht.

Zurzeit zählt allerdings, einen neuen Pass für Mohamed zu bekommen. Für ein zügig bearbeitetes Papier verlangt die syrische Botschaft in Berlin 800 Euro. Helge Lindh hat dafür bereits Spendengelder eingeworben. Unklar ist aber noch, ob die Botschaft überhaupt Überweisungen annimmt und Rechnungen ausstellt – oder nur persönliche Bargeldgeschäfte akzeptiert. Bis das geklärt ist, konnte der Wuppertaler Politiker jedenfalls mit Unterstützung der Ausländerbehörde die offizielle Ausstellung eines vorläufigen Passes auf den Weg bringen.

Der älteste Khalaf-Sohn Laith (21), der sehr gern Fotograf werden möchte, blickt auf seine Mutter: „Sie war oft sehr traurig wegen Mohamed, aber sie ist immer sehr tapfer gewesen.“

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