Wuppertaler Ziel: Mehr Frauen in die Chefetagen

Gleichstellung : Wuppertaler Ziel: Mehr Frauen in die Chefetagen

Die Stadt Wuppertal will den Frauenanteil in Führungspositionen steigern: Jede zweite Leitungsposition soll in Zukunft mit einer Frau besetzt sein. Dafür soll der neue Gleichstellungsplan sorgen.

Die meisten Chefs in Deutschland tragen die Vornamen Thomas, Michael und Christian. Erst auf Platz 61 unter den meistvertretenen Vornamen in Führungsetagen rangiert mit Katja ein Frauenname. Auch wenn die Stadt im Vergleich zu vielen Wirtschaftsunternehmen mit 36 Prozent eine ganz passable Frauenquote unter den Ressort- und Amtsleitungen vorweisen kann, soll nun der Anteil an Frauen in Führungspositionen bei der Stadt weiter wachsen.

Auf 50 Prozent Frauen möchte die Stadt in den kommenden Jahren den weiblichen Anteil unter den Führungskräften steigern. Dazu sollen verschiedene Maßnahmen ergriffen werden. So ist geplant, frei werdende Stellen grundsätzlich mit Hilfe von kommunikativen Verfahren wie einem Assessment-Center zu besetzen. Dadurch kann geprüft werden, was wirklich in den Bewerberinnen und Bewerbern steckt. Da Frauen häufig mit ihren Kompetenzen hinter dem Berg halten, ist dies eine Möglichkeit, mehr über sie zu erfahren.

Außerdem soll berücksichtigt werden, dass Mütter (und auch immer mehr Väter) oft in Teilzeit arbeiten. Daher soll „Führen in Teilzeit“ ein besonderer Aspekt bei der Besetzung von leitenden Tätigkeiten sein. Auch „Führungstandems“, also geteilte Führungsaufgaben von Teilzeitkräften, sollen möglich gemacht werden.

„Frauen bekommen weniger Gehalt, arbeiten häufiger in Teilzeit, landen seltener in Führungspositionen – das ist leider der Status Quo. An dieser Situation möchten wir etwas ändern“, unterstreicht Oberbürgermeister Andreas Mucke. „Ohne Frauen lassen wir Potenziale ungenutzt, denn der demografische Wandel führt auch bei den Führungspositionen zu einer starken Fluktuation. Mit dem neuen Gleichstellungsplan bekommen wir wirkungsvolle Instrumente an die Hand, um Frauen besser fördern zu können.“

Stadtdirektor Dr. Johannes Slawig: „Dort, wo noch keine gleiche Verteilung von Männern und Frauen realisiert werden konnte, wird eine schrittweise Erhöhung angestrebt. Für die Umsetzung sollen konkrete Zielvorgaben formuliert und deren Einhaltung regelmäßig überprüft werden. Dabei soll die sogenannte ,gläserne Decke‘ durchbrochen werden, die Frauen häufig daran hindert, in die Führungsetagen aufzusteigen.“

Gleichstellungsbeauftragte Roswitha Bocklage: „Mit der großen Fluktuation bei den Führungskräften haben wir in den nächsten Jahren die einmalige Chance, noch mehr als bisher die Potenziale von Frauen zu nutzen und gleichzeitig der Gleichstellung von Frauen und Männern ein großes Stück näher zu kommen.“

Der Gleichstellungsplan sieht vor, die Aufstockung von Arbeitszeit zu vereinfachen, was Teilzeitkräften und Wiedereinsteigerinnen entgegen kommt. Arbeiten von zu Hause aus wird möglich gemacht, ebenso wie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie der einfache Wiedereinstieg nach der Elternzeit. Daneben sollen Coaching- und Mentoring-Programme Frauen (und auch Männer) auf dem Weg nach oben unterstützen.

Daneben möchte die Stadtverwaltung Vorbild sein für andere Unternehmen. Ehrgeizige Ziele bedeuten ein Umdenken in Unternehmen. Die Stadtverwaltung beginnt damit und würde sich freuen, wenn Unternehmen diesem Beispiel folgen. Hilfreich zur Seite stehen können dabei die Kolleginnen vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf Bergisches Städtedreieck, das als landesgefördertes Projekt bei der Gleichstellungsstelle angesiedelt ist. Mit Beratungs- und Infogesprächen, einem Mentoring-Programm und guten Beispielen können auch kleine und mittelständische Unternehmen bei ihren Bemühungen, den Frauenanteil in Führungspositionen zu steigern, Unterstützung erhalten.