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Suchtmittel im Wandel der Zeit und der Gesetzgebung

Zeitreise : Suchtmittel im Wandel der Zeit und der Gesetzgebung

Der Konsum von Suchtmitteln ist keine Erfindung der Moderne. Bereits seit den Anfängen der Menschheit begleiten Drogen unsere Geschichte und waren stets präsent. Auch wenn sich die Gesetzeslage kontinuierlich geändert hat, ist der Konsum von Suchtmitteln zu jeder Epoche umstritten gewesen und wird es auch immer sein.

Mit der industriellen Herstellung von Wirkstoffen, welche nicht selten mit einem großen Profitgedanken verbunden war, wurden unverzichtbare Heilmittel als auch gesundheitsgefährdende Konsumgüter entwickelt.

Aber was hat sich geändert? Was war vielleicht früher erlaubt und ist heute verboten? Eines der meist diskutierten Themen der Menschheitsgeschichte birgt so einige Überraschungen.

Eine kurze Reise in die Vergangenheit

Die Veränderung der bekannten und neuartigen Suchtmittel, auch in der Gesetzgebung, sowie die Auswirkung auf die Gesellschaft sind ein spannendes Themengebiet. Zumal auch der Gesetzgeber stetig seine Vorgaben anpassen musste und neue Rechte sowie Pflichten in Umlauf brachte. Daher machen wir einen kleinen Ausflug in die letzten Jahrhunderte mit Blick auf die Verbreitung und Entdeckung auch jetzt noch bestehender Suchtmittel.

  • 1618–1648: Im 30-jährigen Krieg werden etliche Weinberge vernichtet. Daher wird Branntwein in größeren Mengen produziert und mausert sich zum beliebtesten alkoholischen Getränk bei Soldaten.
  • 1677: Holland erhält das Monopol für Opiumlieferungen nach China. Städte wie Macao, Hongkong und Shanghai werden als Handelsstützpunkte gegründet.
  • 1804: Morphium (Morphin) wird erstmals von dem deutschen Apothekergehilfen Friedrich Wilhelm Adam Sertürner in Paderborn aus Opium isoliert.
  • 1862: Die Firma Merck produziert Kokain als Medikament – u. a. gegen Husten, Depressionen und Syphilis.
  • 1926: Deutschland steht an der Spitze der Morphin-produzierenden Staaten und ist Exportweltmeister bei Heroin: 98 Prozent der Produktion gehen ins Ausland. Zwischen 1925 und 1930 werden 91 Tonnen Morphin hergestellt
  • 1967: Hippies in den USA berauschen sich an der ‚Liebesdroge‘ MDMA – einem Amphetaminabkömmling, der später als Ecstasy bekannt wird.

Neben diesen geschichtlichen Fakten lässt sich die Liste der Ereignisse, im Zusammenhang mit Suchtmittel, unendlich erweitern und zeigt deutlich auf, dass man hier durchaus von einem festen Bestandteil unseres Lebens sprechen kann. Für den Einen mehr, für den Anderen weniger.

Suchtmittel heute

Drogen und medikamentöse Wirkstoffe polarisieren wie kaum ein zweites Thema. Hier gibt es oftmals nur ein Schwarz-Weiß-Schema, und keine Grautöne. Daher wird prinzipiell versucht, Suchtmittel in zwei grundlegende Kategorien aufzuteilen.

Legale Suchtmittel

  • Alkohol
  • Tabak
  • Medikamente
  • Koffein

Illegale Suchtmittel

  • Cannabis
  • LSD
  • Ecstasy
  • Crystal
  • Heroin
  • Kokain
  • Crack
  • Opium
  • Amphetamin/Speed

Bereits hier wird deutlich, wie viele Arten von Drogen es gibt. Es fällt natürlich auch auf, dass die Anzahl der illegalen Güter, die der Legalen bei weitem übersteigt.

Das Bespiel Pervitin

Diese Substanz wurde Mitte der 1930er Jahre von einer Berliner Firma entwickelt, damals in Pillenform. Ender der 1930er Jahre gelang es dem Chemiker Fritz Hauschild, mittels eines neuartigen Verfahrens, das sogenannte “Wundermittel” zu erfinden. Die Herstellung von Metamphetamin wurde dann im Oktober 1937 patentiert. So viel zum geschichtlichen Hintergrund.

Die Wirkung von Pervitin, welche aus unterdrücktem Müdigkeits- und Hungergefühl sowie einem Euphorieschub bestand, machte schnell die deutsche Wehrmacht aufmerksam. So geschah es, dass Mitte 1940, als Frankreich in nur wenigen Wochen von Deutschland eingenommen wurde, in fast jedem Tornister der Soldaten Pervitin zu finden war.

Auch nach Beendigung des 2. Weltkrieges war dieses Suchtmittel noch legal und Salonfähig. Die Konsumentenliste reichte von Leistungssportler bis Manager. Aufgrund der gesundheitsgefährdenden Nebenwirkungen wurde der Wirkstoff dann Ender der achtziger Jahre verboten und als illegal eingestuft. Damit endete dann auch der Erfolgszug von Pervitin. Allerdings entstand daraus Jahre später, durch kontinuierliche Weiterentwicklung, die gefährliche und mittlerweile weit verbreitete Droge Crystal Meth. Dieser schnell abhängig machende Wirkstoff gehört ebenfalls zu den als illegal eingestuften Wirkstoffen.

Was sagt der Gesetzgeber?

Das deutsche Betäubungsmittelgesetz (BtMG) regelt eindeutig den generellen Umgang mit Betäubungsmitteln. Hierbei werden die entsprechenden Suchtmittel sowie Stoffe, welche für die Zubereitung notwendig sind, definiert.

Foto: pixabay.com/lechenie-narkomanii

Des Weiteren beinhaltet das BtMG die Erlaubnis sowie Erlaubnisverfahren, Pflichten im Betäubungsmittelverkehr, die Überwachung, Vorschriften für Behörden und den Umgang mit Straftaten und Ordnungswidrigkeiten.

Auch gibt es diverse Nebenabreden, wie zum Beispiel den Cannabis-Beschluss vom 09. März 1994. In diesem Beschluss wird geregelt, dass bei geringfügigen Verstößen gegen das BtMG durch etwa Einfuhr, den Erwerb oder Besitz von geringen Mengen Cannabis zum Eigenverbrauch eine Strafverfolgung oder ein Strafverfahren eingestellt werden kann.

Alles in allem wird die Thematik Suchtmittel in der heutigen Zeit äußerst kritisch vom Gesetzgeber betrachtet und unterliegt daher strengen Vorschriften und kann empfindliche Strafen mit sich ziehen, sofern Verstöße bekannt werden.

Im Wandel der Zeit

Vor allem das Beispiel Pervitin macht deutlich, wie sich der gesellschaftliche und rechtliche Blick auf Suchtmittel ändert und den Gegebenheiten anpasst. Der Konsum von bestimmten Wirkstoffen ist und bleibt umstritten. Was heut legal ist, kann morgen schon verboten sein. Umgedreht verhält es sich selbstverständlich genauso. Vor allem in Bezug auf Marihuana wird seit Jahren darum gekämpft, diese Droge vom Gesetzgeber als legal einstufen zu lassen. Wir können also gespannt sein, wie wir die existenten Suchtmittel verändern, oder wie diese uns verändern.