Bäume in Wuppertal betroffen: Kranke Kastanien: "Es gibt kein Gegenmittel"

Bäume in Wuppertal betroffen : Kranke Kastanien: "Es gibt kein Gegenmittel"

Ist die Rosskastanie vom Aussterben bedroht? Zwei sich immer mehr ausbreitende Schädlinge setzen dem Bestand der Baumart derzeit auch in Wuppertal schwer zu. Welche Folgen das auf Dauer hat, lässt sich noch nicht wirklich abschätzen.

Umgeben von noch saftigem Grün anderer Bäume, bilden die welkenden Blätter der mächtigen Rosskastanie im Engelsgarten einen ungewöhnlichen Kontrast. Als sei schon längst Herbst. Doch die braunen, saftlosen, oft schon heruntergefallenen Blätter, die dort und unter vielen Bäumen der Gattung überall in der Stadt sowie im ganzen Land schon seit dem Sommer zu finden sind, haben nichts mit dem Wetter zu tun. Sie sind Indiz für eine Gefahr, die aktuell deutschlandweit den Bestand aller Rosskastanien gefährdet.

Michael Kaiser, Abteilungsleiter im Stadtressort Grünflächen und Forsten: "Da ist zum einen die Miniermotte, eine Kleinfalterart, die sich ab den 1990ern wegen des milden Klimas europaweit ausbreitet und die Photosynthese der Blätter unterbricht. Das führt zur vorzeitigen Verfärbung und zum Absterben. Diese Motte kann den Baum zwar schwächen, aber nicht ernsthaft bedrohen."

Viel schlimmer ist der Befall mit "Pesudomonas syringae", den die städtischen Gärtner seit einigen Jahren beobachten: "Das Bakterium, das sich in ganz Mitteleuropa ausgebreitet hat, zerstört die Rinde und schafft Platz für Pilze, die den Baum in wenigen Jahren sterben lassen", so Michael Kaiser. Folge: Es muss gefällt werden.

"Punktuell ist die Situation dramatisch. Am Kluser Platz zum Beispiel mussten wir einige Kastanien entfernen. Es gibt kein Gegenmittel", berichtet der städtische Gärtnermeister Wolf-Dieter Fochler. Steht also das Aussterben des Baumes bevor, der bis zu 30 Meter hoch und 300 Jahre alt werden kann und bereits in der Eiszeit zur europäischen Fauna gehörte?

Michael Kaiser: "Längst nicht alle Rosskastanien in der Stadt sind befallen. Auch wenn die Folgen der Kombination von Motte und Bakterium noch nicht wirklich abschätzbar sind, erleben wir immer wieder bei Bäumen Wellen von Schädlingsbefall, aus denen die überlebenden Stämme gestärkt hervorgehen. Da vertraue ich auf die Kraft der Natur."

Mehr von Wuppertaler Rundschau