Kneipenserie "Auf ein Bier...": Wo der Wuppertiger die Musik macht

Kneipenserie "Auf ein Bier..." : Wo der Wuppertiger die Musik macht

Das Leben verläuft nicht immer gerade. Und hinter mancher Abbiegung, die wir nehmen, steckt etwas wunderbar Eigenes. Rosi kennt das. Wie wäre sonst eine Rentnerin zu einer Kneipe gekommen?

Roswitha Lumetta-Kapp steht hinter dem zünftigen Tresen und lächelt ihr liebes Lächeln. "Rosi, machst du mir noch eins?" Und Rosi macht noch eins. Im hinteren Zimmer werden Töne lang gezogen. Ihr Freund, Stefan Thölen, sitzt hinter der Musikanlage, auf der Bühne stehen lokale Bands. Heute ist in der "Wuppertiger Instyle Showgaststätte" an der Langobardenstraße Karnevalsparty. Vor Rosi schunkelt ein Schmetterling verträumt mit.

Die 70-Jährige ist nicht so für Karneval, aber für Geselligkeit und deshalb macht ihr auch der Karneval irgendwie fast schon wieder Spaß. "Tja, wie bin ich hier her gekommen", fragt sie mehr sich selbst, wischt über den Tresen und beginnt. "Also, das war so ..."

Rosi war schon vieles. Verkäuferin, Kinderfrau, Kinderbuchautorin. Und Laienschauspielerin, hier in der Kneipe. Sie spielte und Stefan, der oben drüber wohnte, machte die Musik. Rosi liebt Musik. Und irgendwie liebte sie auch den viel jüngeren Stefan. Der musste allerdings erst eine Weile hartnäckig sein, dann erwärmte er Rosis Herz. Nacht acht Jahren Beziehung verließ sie ihre Wohnung am Robert-Daum-Platz, um auch über die Kneipe zu ziehen.

Symbolfoto. Foto: Redaktion

Und dann brauchte eben jene Kneipe einen neuen Inhaber. Das ist nun fünf Jahre her und Rosi ist statt zur Rentnerin zur Wirtin geworden.

"Wuppertiger Instyle Showgaststätte" nannten sie und Stefan ihren alten-neuen Schatz. Denn der Tiger ist Stefans Lieblingstier und an der Wupper ist er nun mal zu Hause. Und peppig sollte es auch klingen. Während der Wuppertiger nun auch die Kunstfigur ist, mit der Stefan auftritt und sich einen echten Fanclub aufgebaut hat, ist Rosi das Original hinter der Theke — berühmt für ihre warme Art, ihren Witz und die bunten Platten.

Rosi, in der übrigens italienisches Blut fließt, macht große Buffets — mit Eintopf, Antipasti, Heringshappen, gekochten Eiern und sauren Gürkchen. Ganz nach Gusto der Gäste, jede Kreation hat sie als Foto in ein Album geheftet.

Manchmal ist es ihr viel. Wenn sie am Morgen runter kommt, die Böden schrubbt statt sich auf dem Sofa zu erholen, dann fragt sie sich schon, wie eine 70-Jährige an eine Kneipe gekommen ist. "Rosi", sagen ihr dann ihre Freundinnen, "wenn ihr nicht seid, wo sollen wir sonst hin?" Und dass sie gebraucht wird, ist fast schon wieder schön.

Unter der Woche ist Stefan Busfahrer und im "Wuppertiger" geht es ruhiger zu. Am Wochenende wird die Anlage aufgedreht und lokale Musiker erobern wieder die kleine Bühne. Ein Elvis mit Beinen wie Gummi, ein singender Grieche, eine echte Kanone, verspricht Rosi. Das sind die Momente, für die sie lebt.

Und natürlich für Stefan, den Wuppertiger, für den sie um drei Uhr nachts schon den einen oder anderen Hit geschrieben hat. "Rosi, schreib mal was." Und Rosi schreibt was. Sie kann halt vieles — und im "Wuppertiger Instyle" ist alles möglich.

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