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Im Rundschau-Interview: Uni-Rektor Lambert T. Koch: "Insgesamt ist viel in Bewegung"

Im Rundschau-Interview: Uni-Rektor Lambert T. Koch : "Insgesamt ist viel in Bewegung"

Die Zahl der Studenten hat sich in den vergangenen zehn Jahren um 8.000 erhöht, die Drittmittel-Einnahmen wurden verdoppelt und auch gebäudetechnisch vergrößert sich die Bergische Uni stetig. Keine Frage, seit Lambert T. Koch 2008 Rektor wurde, ist die Uni im Aufwind.

Mit Rundschau-Redakteurin Nicole Bolz sprach der 51-Jährige über das Erreichte und Wünsche für die Zukunft.

Rundschau: Sie wurden 2008 zum Rektor der Bergischen Uni gewählt. Mit welchen Zielen sind Sie angetreten?

Koch: Ich wollte vor allem drei Dinge verändern: die Zufriedenheit der Studierenden und die der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigern sowie die Reputation der Uni verbessern.

Rundschau: Wenn man auf die Zahlen schaut, scheint das geglückt. Aktuell studieren 22.000 junge Menschen aus dem In- und Ausland hier, das sind 8.000 mehr als vor zehn Jahren.

Koch: Ja, das stimmt. Zusammen haben wir schon viel erreicht, wie auch die Statistik zeigt. Da ist der Zuwachs an Studierenden und eine wachsende Zahl hochkarätiger Drittmittelprojekte und — besonders wichtig — wir konnten viele exzellente neue Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hinzugewinnen — über alle Fächer hinweg. Doch bei aller Freude, es gibt immer noch viel zu tun, wir sind weiter unterwegs.

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Rundschau: Wie haben Sie das denn überhaupt geschafft, die Situation für Studenten zu verbessern?

Koch: Wir haben zum Beispiel die Studierbarkeit verbessert. Über das Netzwerk "Qualität, Studium, Lehre", in dem junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Austausch mit Studierenden und Lehrkräften pflegen, bekommen wir Rückmeldungen über Dinge, die nicht so gut laufen — etwa mit Blick auf die Prüfungsdichte oder die Reihenfolge von Lehrveranstaltungen. Solche Stimmen sammeln wir, werten sie aus und versuchen die Bedingungen kontinuierlich zu verbessern.

Rundschau: Man hat das Gefühl, dass sich parallel zu den wachsenden Studentenzahlen auch die Gebäude der Bergischen Uni vergrößern...

Koch: Ja, es wird sehr viel gebaut bei uns, das stimmt. Wir haben zusammen mit unserem Vermieter, dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, früh eine Bestandsaufnahme der Raumsituation gemacht und begonnen zu renovieren. Da dies aber bei vollem Lehrbetrieb geschieht und wir daher ein Gebäude nicht einfach ersatzlos für längere Zeit schließen können, benötigten wir Ausweichflächen. Diese entstehen in den Neubauten, wie etwa am Campus Haspel. Nach dem Umzug können dann die nächsten Altbauten renoviert werden und so weiter. Schon vorher wurde ein neues Hörsaalgebäude errichtet, die Bibliothek aufgestockt und am Freudenberg neuer Raum für unsere "School of Education" geschaffen. Als nächstes werden wir ein Gebäude für die Sportler kernsanieren, die Physik erhält einen Neubau, der Kindergarten an der Gaußstraße wird erweitert und wir beginnen mit den Arbeiten am Johannes-Rau-Zentrum. Also insgesamt ist richtig viel in Bewegung.

Rundschau: Nicht zu vergessen die neuen Studentenwohnheime. Zusätzlich zu den vorhandenen 1.085 Wohnplätzen in 16 Studentenwohnheimen plant das Hochschul-Sozialwerk am Campus Grifflenberg den Bau von fünf zusätzlichen Wohnheimen mit insgesamt 132 weiteren Wohnplätzen.

Koch: Ja, da mittlerweile weniger Studierende pendeln, benötigen wir auch mehr Wohnraum in der Stadt, möglichst natürlich in der Nähe der Uni. Und um noch ein paar Zahlen zu nennen: 27 Prozent unserer Studierenden kommen derzeit aus dem Bergischen Städtedreieck — das heißt 63 Prozent sind aus dem weiteren NRW und aus ganz Deutschland. Der Anteil ausländischer Studierender liegt bei 11,5 Prozent.

Rundschau: Bleiben denn inzwischen mehr Absolventen in Wuppertal?

Koch: Wir versuchen natürlich, sie in der Stadt zu halten. Wuppertal hat nach schwierigen Zeiten des Strukturwandels die Talsohle durchschritten und ist attraktiver geworden, auch für Absolventinnen und Absolventen. Es gibt Unternehmensneuansiedlungen und mehr Gründer, die hochqualifizierte Arbeitskräfte benötigen. Ich sehe für die Zukunft gute Perspektiven. Außerdem helfen wir nach, indem wir bereits während des Studiums den persönlichen Kontakt zwischen Studierenden und Firmen herstellen, beispielsweise im Zuge der sogenannten Exkursionswochen.

Rundschau: Kontakt ist ein gutes Stichwort. Man hat das Gefühl, dass die Uni im übertragenen Sinne von ihrem Berg runter und unten in der Stadt angekommen ist. Sie hat sich geöffnet oder?

Koch: Wir gehen schon seit 2008 ganz offen auf die verschiedenen Akteure in der Stadt zu und kooperieren — zum Beispiel mit der Junior Uni, dem Wuppertal Institut, der IHK und vielen anderen Organisationen. Dabei entsteht ein wechselseitiger Benefit. Viele in der Stadt und der Region merken: Okay, da gibt es viel Know-how, das uns alle weiterbringt.

Rundschau: Ist das Thema Flüchtlinge eigentlich auch schon an der Uni angekommen?

Koch: Natürlich. Schon lange. Die Hilfsbereitschaft unter den Studierenden war und ist riesengroß, etwa wenn sie sich für Deutschkurse oder als persönliche Studienbegleiter anbieten. Zudem haben Flüchtlinge bei uns die Möglichkeit, unkompliziert in Fächer reinzuschnuppern. Zwar fehlen für ein reguläres Studium oft noch die formalen Voraussetzungen, doch bis die vorliegen, können Flüchtlinge seit einem Jahr ein eigens geschaffenes orientierendes Studienangebot wahrnehmen.

Rundschau: Zu Ihren Erfolgen gehört sicher auch, dass es Ihnen gelungen ist, die Forschungsmittel in acht Jahren mehr als zu verdoppeln. Wie haben Sie das geschafft?

Koch: Tatsächlich ist die Bergische Uni heute an sehr viel mehr Forschungsprojekten beteiligt. Eine große Rolle spielt dabei, dass mittlerweile viel mehr über Fächergrenzen hinweg kooperiert wird. Natürlich entstehen daraus dann auch gemeinsame Förderanträge.

Rundschau: Was wünschen Sie sich für die Uni in den kommenden Jahren?

Koch: Ich fände es schön, wenn Wuppertal noch mehr zu einer echten Studentenstadt mit jungem frischem Anstrich wird. Sie hat die Voraussetzung dafür, beim günstigen Wohnraum angefangen über die grüne Umgebung bis hin zu den tollen kulturellen Angeboten. Und ich hoffe, dass mehr Studierende nach ihrem Studium in der Stadt bleiben. Außerdem möchten wir, dass die Studierenden trotz ihres straffen Studienplans mehr ins Ausland gehen. Und schließlich streben wir an, die Kooperation mit benachbarten Universitäten wie Düsseldorf, Köln oder Hagen, auszubauen.