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Barmen: „Es war eine schöne Zeit“

Barmen : „Es war eine schöne Zeit“

Fußball ist von Schnelllebigkeit geprägt. Einiges bleibt jedoch unvergessen. So gab es vor über 40 Jahren eine große Phase des Fußballs in Barmen: 1970 haben sich die vier Barmer Vereine Viktoria 96, SSVg Barmen, VfB Wuppertal und Eintracht Wuppertal zusammengeschlossen — und sind zum ASV Wuppertal fusioniert.

Die Fußballabteilung des damaligen Großvereins mit 3.000 Mitgliedern entwickelte sich zum sportlichen Gegenpol des WSV. Ein Jahr spielten die beiden Vereine sogar zusammen in der Oberliga der höchsten Amateurklasse. Eines der Derbys gewann der ASV mit 2:0.

Auf Initiative von Manfred Brebeck gab es vor kurzem im Brauhaus ein Wiedersehenstreffen. Die sportlichen wie auch die privaten Wege der Kicker, die 1977 mit ihrem Trainer Kalli Hoffmann den Aufstieg in die Oberliga feierten, haben sich in alle Himmelsrichtungen entwickelt.

Vom Gelben Sprung machten den Sprung in den ganz großen Fußball zum Beispiel Torhüter Volker Diergardt mit Stationen bei Fortuna Düsseldorf, Arminia Bielefeld, Union Solingen und dem 1. FC Köln, bevor er beim WSV seine sportliche Laufbahn beendete.

Kurt Balewski gehörte zehn Jahre lang zu den Stützen des ehemaligen Zweitbundesligisten BV Lüttringhausen, Klaus Dieter Dieckmann war zehn Jahre lang in 200 Spielen Vorstopper bei Union Solingen in der 2. Bundesliga. Heute ist der immer noch aktive Großvater als städtischer Angestellter für die Grünpflege in Solingen tätig.

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Kurt Balewski bedauert manchmal, zwei Jahrzehnte zu früh geboren zu sein: Der Fußball hat ihn nicht bis ins Rentenalter versorgt, den Arbeitsplatz als Lackierer bei einem großen Wuppertaler Autohaus hat er nie aufgeben.

Volker Diergardt hat es nach Berlin verschlagen. Mit dem Profifußball ist der ehemalige Keeper als Geschäftsführer der DK Versicherungsgruppe und als Spielerberater verbunden: "Zusammen mit meinem Partner Marcus Korsten haben wir 900 Profis bei uns gegen Sportinvalidität und gegen Krankheit versichert." Prominentestes Versicherungsmitglied ist Liverpools erfolgreicher Trainer Jürgen Klopp. Als Spielerberater betreut Volker Diergardt den Hoffenheimer Mittelfeldspieler Leo Bittencourt: Dessen Vereinswechsel begleitete Diergardt erfolgreich von Cottbus über Borussia Dortmund, Hannover 96, 1. FC Köln zur TSG Hoffenheim.

Mit Wuppertal ist Holger Diergardt immer noch eng verbunden. Das Treffen mit den alten Mannschaftskameraden nutzte er zu einem Besuch bei Mutter Helga auf dem Rott, die im nächsten Jahr 90 Jahre alt wird.

Im Mittelpunkt des Wiedersehenstreffens im Brauhaus stand natürlich der Trainer: Karl Hoffmann, den sie alle nur Kalli nennen, inzwischen 83 Jahre alt, hat nichts von seinem rheinischen Charme und wenig von seiner Vitalität eingebüßt. Kalli Hoffmann hat als Bundesligaspieler, Amateur- und B-Nationalspieler sowie als Teilnehmer an den Olympischen Spielen in Melbourne die große Welt des Fußballs erlebt. Den ASV hat er zwei Mal in insgesamt sieben Jahren trainiert: "Es war eine schöne Zeit", so blickt er zurück.

Das große Geld konnte der einstige Außenläufer und Verteidiger mit dem Fußball nicht verdienen. Die DFB-Verträge in den obersten deutschen Spielklassen waren auf 320 Mark begrenzt. Mit der investigativen Journalistenfrage, wie viel Geld denn unter der Hand bezahlt wurde, war das rheinische Schlitzohr aber nicht zu überlisten: "Dat han isch verjesse" — so die Antwort. Dann kam die Erinnerung: "Hinterher waren es 480 Mark". Trinkgelder im Vergleich zu den Millionen, die heute in der Bundesliga bezahlt werden.

Bester Gesundheit erfreut sich auch Karl-Adolf Grünewald, der sich für den ASV auf allen Vorstandsposten 50 Jahre lang erfolgreich engagiert hat. Im kommenden Jahr wird der Senior stolze 90 Jahre alt.