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Erheblicher Sanierungsbedarf bei Wuppertaler Brücken​

Erheblicher Sanierungsbedarf : Brücken: Über die Hälfte älter als 60 Jahre

Die Stadt Wuppertal muss viel Geld in die Hand nehmen, damit die Brücken, Viadukte, Stützmauern und Treppenbauwerke auch weiterhin ihren Dienst erfüllen.

Der Zustand der meisten Wuppertaler Brücken im städtischen Straßennetz, einschließlich der Tunnel, ist nicht gut. 66 Prozent der 194 Bauwerke haben einen erheblichen Sanierungsbedarf. Bei den 114 Straßenbrücken sieht es noch schlechter aus. Hier sind 72 Prozent erheblichen sanierungsbedürftig. Thorsten Warning von der Stadt-Abteilung Konstruktiver Ingenieurbau berichtete darüber in der Verkehrsausschusssitzung am Dienstag (5. Dezember 2023) im Barmer Rathaus.

Nach und nach wurden jetzt die Wuppertaler Brücken, Viadukte und Stützmauern einer routinemäßigen und umfangreichen Hauptprüfung unterzogen, die alle sechs Jahre stattfindet. „Das war ein Riesenaufwand und fand nachts statt“, so Warning. Wichtigstes Instrument der „handnahen Prüfung“ ist der Hammer. Die Fachleute klopften schwer zugängliche Bauwerksteile aus Stahl, Beton oder Stein ab.

Viele Schäden offenbarten sich, die durch Feuchtigkeit, Frosteinwirkung, Korrosion oder Ausspülungen entstehen. Mörtel zersetzt sich, Beton platzt ab, es entstehen Löcher und Risse. Bei Stahlkonstruktionen kommt es zu Rost und Lochfraß. Auch die im Beton befindlichen Stahlarmierungen rosten. Thorsten Warning zeigte den Ausschussmitgliedern eindrucksvolle Fotos, die er an eine Leinwand projizierte.

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  • Symbolbild.
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In Wuppertal gibt es insgesamt 194 Brückenbauwerke und Radwegtunnel. Davon sind 62 historische Bauwerke (Baujahr vor 1910), sieben Geh- und Radwegtunnel mit einer Gesamtlänge von 3,2 Kilometern und vier Viadukte mit insgesamt 47 Bögen sowie 36 Stahl- und Gewölbebrücken. 500 Stützmauern halten alles zusammen und 267 Treppen sowie 113 Treppenbauwerke machen die bergische Stadt mit ihren Höhenunterschieden begehbar.

Die Stützmauern, die in Wuppertal stehen, erschließen eine Fläche von 175.578,29 Quadratmetern. Das entspricht etwa 25 Fußballfeldern. 26 Prozent von ihnen sind in einem schlechten Zustand und bedürfen einer kurzfristigen Instandsetzung, so Thorsten Warning. 44 Prozent haben einen „eingeschränkten“ Zustand, sie brauchen eine mittelfristige Instandsetzung.

42 Prozent dieser 194 Brücken und Tunnel stammen aus den Baujahren 1946 bis 1984, 32 Prozent aus der Zeit bis 1910 sowie sieben Prozent aus den Jahren 1911 bis 1945. Das heißt, ein großer Anteil der Wuppertaler Brücken ist älter als 60 Jahre. Beton hat eine theoretische Nutzungsdauer von 70 Jahren, wobei es Qualitätsunterschiede gebe, weiß Warning. Stahl hält im Schnitt 100 Jahre, Gewölbe 130 Jahre.

Wegen ihres baulichen Zustandes sind aktuell mehrere Brücken verkehrseingeschränkt und gesperrt. Dazu gehören die Straßenbrücken Kirchhofstraße, Südbrücke, Eiland, und Höfen/Rauentaler Brücke sowie die Fußgängerbrücken Alte Zoobrücke, Schafbrücke und Gemarker Ufer.

Es gibt zahlreiche Brücken mit kurz- bis mittelfristig umfangreichem Handlungsbedarf. Ein Ersatzneubau ist erforderlich für die Brücke Höfen, die Brücke Fischertal, die Brücke Waldeckstraße und die Brücke Kirchhofstraße. Saniert werden müssen das Kuhler Viadukt, das Bartholomäus-Viadukt, das Wichlinghauser Viadukt, die Brücke Schönebecker Straße, die Loher Brücke, die Brücke Eiland, die Bemberg-Brücke, die nördliche Brücke Homannstraße, die Rampe Am Schwarzen Mann, die Brücke Gruitener Straße und Zur Langen Brücke. Aktuell werden die Kluser Brücke und das Westkotter Viadukt saniert. An Haushaltsmitteln wurde für 2023 ein Planwert für 12,47 Millionen Euro ermittelt. Zusätzlich aktuell rund zwei Millionen Euro für Unterhaltungsarbeiten, Bauwerksprüfungen und anderes.

Immerhin gibt die Entwicklung des Zustandes der Brücken in Wuppertal in den Jahren 2016 bis 2022 Anlass zu leichter Hoffnung. Die prozentualen Anteile der Brücken in sehr gutem Zustand sind gleich geblieben (ein Prozent), die in gutem (24 Prozent zu 17 Prozent im Jahr 2016) und die in befriedigendem Zustand (24 Prozent zu 17 Prozent ) sogar gestiegen. Die Situation der Brücken mit der Bewertung „ausreichend“, „nicht ausreichend“ und „ungenügend“ ist allerdings bis 2022 noch schlechter geworden.

Rainer Widmann (Grüne), Mitglied im Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauen und stellvertretendes Mitglied im Verkehrsausschuss, sagt dazu: „Der Bericht der Verwaltung (von Thorsten Warning) ist einerseits sehr erfreulich. Zum einen ist der aktuelle Personalmangel behoben und dadurch, dass 2022 nun über 12 Millionen Euro im Jahr Haushaltsmittel zur Verfügung standen, konnten eine Reihe von Brückenbaumaßnahmen auf den Weg gebracht werden. Wir sind also auf einem guten und richtigen Weg. Denn nur mit einer dauerhaften Erhaltung können später viel höhere Kosten vermieden und überraschend notwendige Sperrungen vermieden werden. Aber es ist trotzdem noch ein weiter Weg, bis für alle der 194 Brücken und Stückbauwerke in der Stadt und die 7 Tunnel der Nordbahntrasse ein guter bis wenigstens befriedigender Zustand erreicht ist.“ Dafür wären, so ergänzte Beigeordneter Frank Meyer, jährlich rund 23 Millionen Euro notwendig, um es in angemessener Zeit zu ermöglichen.