1. Lokales

"Die Queen ist locker"

"Die Queen ist locker"

Wer Queen Elizabeth II. in diesem Tagen erleben wollte, musste nach Berlin fahren. Ingrid Kemna, die vor einem halben Jahr in ihre Heimatstadt Wuppertal zurückkehrte, erlebte "Her Majesty" beim 50-jährigem Thronjubiläum im St. James-Palace hautnah als geladener Gast.

"Als Mitglied der German-British-Association (GBA) durfte ich damals Elisabeth II. aus nächster Nähe erleben", erinnert sich Ingrid Kemna in diesen Tagen gerne an die damalige Begegnung. Und berichtet, wie es dazu gekommen ist.

Als 1956 ihr Job als Sachbearbeiterin in einem Wuppertaler Unternehmen sie nicht wirklich ausfüllt, entschließt sie sich, gerade 23 Jahre alt, ihr Englisch zu verbessern. Organisiert eine Stelle im Haushalt eines Richters in einem Dorf in der Nähe von London und geht mit einem Pfund (umgerechnet 12 Mark) in der Tasche auf die Reise.

Dem reizarmen Landleben entflieht Ingrid Kemna ein halbes Jahr später und heuert in London bei der Schauspielerin Maureen Swanson als Hausdame an. Lernt dort eine Menge interessanter Menschen kennen, gerät am Rande in den Strudel der Profumo-Affäre, trifft auf den Rechtsanwalt Dr. Imre Tarjan. Der wiederum sucht eine Sekretärin. "Daraus wurde eine wunderbare Love-Story, die 40 Jahre, bis zu seinem Tod, gehalten hat", verrät Ingrid Kemna.

Durch ihn wird sie Mitglied in der GBA, beide ziehen in den Stadtteil Kensington, wo seinerzeit auch Prinzessin Diana lebte: "Ihr bin ich einmal auf der Straße begegnet, wir haben uns angelächelt, das war ein toller Moment. Und als nach ihrem Tod 1997 der Sarg vom Kensington-Palace aus durch die Straßen gefahren wurde, war das ein so emotionales Erlebnis, wie ich es vorher noch nicht erlebt hatte. Tausende von weinenden Menschen, ein Meer der Traurigkeit, dessen Fluten nicht abebbten. Einfach unvergesslich!"

Dass sie später mal die Queen treffen würde, daran hat sie nie gedacht, umso überraschter war sie, als sie die Einladung zur Feier des 50-jährigen Thronjubiläums erhielt. Von ihrer Majestät The Queen und in Verbindung mit einem Verhaltenspapier, in dem Ablauf und Anordnung zur Kleidung vorgegeben waren. "Eine solche Ehre erfährt nicht jeder Sterbliche", lächelt sie. Wobei — das Aufeinandertreffen war recht kurz. "Sie kam im geblümten Kleid, schüttelte einigen aus unserer Association die Hand, nickte mir zu, dann war sie weg."

Was blieb, waren noch anregende Stunden im St. James's Palace bei Champagner und Fingerfood. "Allerdings, so wie Elizabeth sich in dem Augenblick gegeben hat, war beeindruckend, weil so normal wie jeder andere Mensch auch", meint Ingrid Kemna. "Das hat mir gefallen. Ebenso die lockere Atmosphäre, die überhaupt nicht so steif war, wie es gerade beim Aufenthalt der Queen oft rüber kommt." Es sind diese Bilder, die ihr ein Lächeln auf die Lippen zaubern: "Sie ist was Besonderes, aber aus Fleisch und Blut wie wir alle ..."