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Auf ein Wort: Superintendentin Ilka Federschmidt und Stadtdechant Bruno Kurth: Die Hoffnung lebt

Auf ein Wort: Superintendentin Ilka Federschmidt und Stadtdechant Bruno Kurth : Die Hoffnung lebt

Trauer und Gedenken haben die vergangenen Tage nach dem Flugzeugabsturz in den Alpen geprägt.

Trauer und Gedenken begegnen uns auch in der Ostergeschichte, nach dem bitteren Tod Jesu am Kreuz. Frauen aus seiner Anhängerschaft gehen zu seinem Grab. Sie versuchen zu begreifen. Die Frauen gehen in dem Gefühl, dass mit Jesus all ihre Hoffnung begraben wurde. Begraben die Hoffnung auf ein anderes Leben, wo den Sanftmütigen die Erde gehört, wie er es verkündigt hatte. Die Hoffnung darauf, dass die Leidtragenden wirklich getröstet werden. Dass der Durst nach Leben, nach Liebe, nach Vergebung gestillt wird. Die Erfahrung einer einzigartigen Nähe Gottes bei ihm: Begraben. Sie kommen, einem Toten die Ehre zu geben, mit dem all ihre Hoffnung gestorben ist.

"Was sucht ihr den lebenden Jesus bei den Toten?"

Was für eine Frage! Es sind zwei Gottesboten, die die Trauernden so anreden (Lukas-Evangelium, Kapitel 24): "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden." Er ist nicht hier. Er ist nicht ein Toter unter den Toten. Wie oft ist das die bittere Wahrheit: Unter den Toten des Flugzeugabsturzes sind viele aus Nordrhein-Westfalen. Unter den Toten sind auch Menschen, denen man nahe war.

Jesus war tot. Er war begraben. Aber dieser Eine ist dennoch nicht unter den Toten. Über diesen Einen hat der Tod nicht die letzte Macht. Bei diesem Einen kann der Tod dem Leben nicht widerstehen. Das ist größer als wir begreifen. Größer als alles so Endgültige. Das ist die Botschaft von Ostern. Er ist auferstanden. Und mit ihm die Hoffnung. Sie lebt. Wir müssen sie nicht begraben.

"Was sucht ihr den lebenden Jesus bei den Toten?"

Weil er lebt, ja gerade deswegen, suchen wir ihn in diesen Tagen auch bei den Toten. Weil er lebt, glauben wir, dass er bei den Opfern des Absturzes war. Dass er bei denen ist, die durch Gewalt und Not umkommen. Wir wollen glauben, dass kein Tod sie aus seiner Hand reißen darf. Weil er lebt, hoffen wir beharrlich, dass die Leidtragenden getröstet werden. Dass es Sinn macht, die Trauernden zu begleiten. Wir trauen darauf, dass es Macht hat, für sie zu beten. Weil er lebt, ist es nicht vergeblich, für eine andere Welt einzutreten. Weil er lebt, ist es geboten, unter uns die Menschen willkommen zu heißen, die vor Not und Tod auf der Flucht sind. Weil er lebt, glauben wir an die Macht der Versöhnung, gegen den Augenschein. Nein, wir erretten und erlösen nicht die Welt.

Aber weil Jesus Christus lebt, können wir Zeichen der Hoffnung setzen: Diese Welt gehört nicht dem Tod. Kein Mensch. Wir gehören dem, der selbst das Leben ist. Dass die Hoffnung lebt, diese Zuversicht wünschen wir Ihnen allen an diesem Osterfest!

(Rundschau Verlagsgesellschaft)