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Multimedial unter #talrat: Die Grünen gehen viral

Multimedial unter #talrat : Die Grünen gehen viral

Wuppertaler Kommunalpolitik ist seit kurzem multimedial, zumindest bei der grünen Ratsfraktion. Die Stadträte posten, drehen Videos und initiieren sogar einen Liveticker aus dem Rat. Der Fraktionsvorsitzende Marc Schulz spricht mit der Wuppertaler Rundschau über ein neues Konzept, unendliche Möglichkeiten und einen ewigen Lernprozess.

Am 19. November, in der ersten Ratssitzung nach dem Ende der GroKo, gehen elf Stadtverordnete mit neuen Waffen in die Sitzung — mit ihren Smartphones. Unter dem Hashtag #talrat berichtet die Grünen-Fraktion auf Facebook live, in Kommentaren und Videos.

Die Wuppertaler verfolgen und kommentieren unter den Facebook-Posts. Es geht im Minutentakt um politische Debatten, Entscheidungen, aber auch Umgangsformen. Hat da gerade wirklich jemand "Hat er sie noch alle?" über den OB gesagt? In der Pause zieht Fraktionsvorsitzende Anja Liebert live im Video eine erste Bilanz. Die des Publikums vor den Bildschirmen lautet: "Toller Service!" Aber auch: "Volles Entertainment."

Die Entscheidung der Partei, einen neuen Weg in der Kommunikation zu gehen, war an diesem Tag weder spontan, noch war das Vorgehen intuitiv. "Ja, es gibt ein Konzept", sagt der Fraktionsvorsitzende Marc Schulz. Ihre Botschaften in die Stadtteile, direkt zu den Wählern zu tragen gehört seit vielen Jahren für die Partei zur Fleißarbeit. 20.000 Ausgaben der Zeitschrift "Diese Grünen" schaffen sie halbjährlich in die Wuppertaler Briefkästen. Bis die Frage aufploppte: Erreichen wir so tatsächlich alle? Und welche Wege gibt es noch, die Menschen anzusprechen?

Schulz: "Die Idee, Social Media auszubauen, kam sofort an." An einem Abend und einem ganzen Samstag ließen sich die Grünen professionell von einem externen Experten schulen. Alle haben mitgemacht, betont Schulz. Zwar sei nicht jeder selbst bei Social Media aktiv, die Idee, sich dort als Lokalpartei zu positionieren, werde aber von der ganzen Fraktion getragen.

Seitdem steigt die Reichweite kontinuierlich. Und immer mehr Stadtverordnete zeigen Gesicht. Mit der Selfie-Kamera drehen sie Videos von den Orten des Geschehens. Vom Kleeblatt in Sachen BHC-Arena, vom Spatenstich zur Vierfachsporthalle an der Nevigeser Straße. Kein Hochglanz, manchmal wackelig, immer authentisch. Schulz: "Wir zeigen, dass wir Fachpolitiker haben, die in ihren Themen hochkompetent informiert sind."

Aber, und auch das gehört zu Social Media, es regnet für die neue Mühe nicht immer nur Lob. Unter einem Post der Grünen, der eine angebliche Ideenlosigkeit der SPD bespöttelt, wird heiß diskutiert. "Zukunftsaussichten brauchen wir, nicht Abrechnungen — egal von welcher Seite", schreibt ein Follower. "Ich verstehe die Kritik, aber auch über provozierende Beiträge funktioniert Facebook", sagt Schulz.

Wichtig sei allerdings, dass konstruktive Beiträge überwiegen: "Und das tun sie bei uns tatsächlich." Auch die Sorge, dass Social Media zu einer verkürzten, unvollständigen Zusammenfassung der Kontexte führe, findet er unbegründet. "Ob Zeitungsartikel oder Facebook-Post, wir sind seit jeher in der Pflicht, zusammenzufassen. Aber vielleicht regen wir durch Multimedia dazu an, sich mit den Dingen tiefer zu beschäftigen."

Am Montag (17. Dezember 2018) findet die nächste Ratssitzung statt — und obwohl sie im Rats-TV wie immer live im Netz übertragen wird, suchen die Grünen den direkten Weg zu ihren Followern: #talrat, wie heiß wird es dieses Mal hergehen?

Marc Schulz scheint sich darauf zu freuen — und sicherlich mit ihm die Follower vor ihren Bildschirmen.