Barmer Theologische Erklärung 90 Jahre BTE: „Wichtige Leitplanke unseres Tuns“

Wuppertal · Mit einem Gottesdienst und einer Tagung wird am Freitag (31. Mai 2024) das Jubiläum der Barmer Theologischen Erklärung gefeiert. Kirchliche Hochschule (KiHo), Kirchenkreis und Gemeinde gaben einen Überblick über das Festprogramm.

Von li.: Professorin Nicole Kuropka, Superintendentin Ilka Federschmidt und Pfarrer Frank Schulte.

Von li.: Professorin Nicole Kuropka, Superintendentin Ilka Federschmidt und Pfarrer Frank Schulte.

Foto: Anna Schwartz

Am 31. Mai 2024 jährt sich die Veröffentlichung der Barmer Theologischen Erklärung (BTE) zum 90. Mal. Aus diesem Anlass laden der Kirchenkreis Wuppertal und die Kirchliche Hochschule Wuppertal zu einem Festgottesdienst und zu einer zweitätigen Fachtagung mit dem Titel „Was Erinnern macht – Macht der Erinnerung“ ein. Erwartet werden rund 200 Interessierte für die Tagung und noch einige Gäste mehr für den Gottesdienst. Er findet am Freitagabend (18:15 Uhr) in der Gemarker Kirche statt, an dem Ort, an dem einst 129 Synodale zusammenkamen, um die BTE zu verabschieden.

Vor der Veranstaltung betonten Kirchenkreis, KiHo und die Gemeinde Gemarke Wupperfeld jetzt noch einmal die Bedeutung der Barmer Theologischen Erklärung, ohne diese zu verklären. Die BTE sei allein eine theologische Erklärung zur Lage in der Evangelischen Kirche in Deutschland und keine Widerstandserklärung gewesen. „Es ging den Verfasserinnen und Verfassern um Theologie und um die Unabhängigkeit der Kirche – nicht darum, politischen Widerstand zu leisten“, so Nicole Kuropka, Professorin für Kirchengeschichte an der KiHo Wuppertal. Dennoch sei die Verabschiedung der Thesen ein mutiger Akt mit politischer Wirkung gewesen.

Außerdem sei die Kirchliche Hochschule als konsequente Reaktion auf die BTE entstanden. „Die Pfarrerinnen und Pfarrer sollten im Geist der Erklärung ausgebildet werden. Ohne die Barmer Theologische Erklärung wäre es nie zur Gründung der Hochschule gekommen“, so Nicole Kuropka.

Frank Schulte, Pfarrer in der Gemeinde Gemarke Wupperfeld, betonte die große Leistung der damaligen Gemeinde Barmen für die „Barmer Theologische Erklärung“. Es sei kein Zufall gewesen, dass die BTE in genau dieser Gemeinde mit vielen Bekennende Christen und einer „widerständigen Haltung" entstanden sei. Wichtig sei es, dass aus der Schrift der Barmer Erklärung auch konkretes Handeln entstehe. „Die Bekenntnis darf nicht allein auf der akademischen Ebene bleiben, sondern muss ins Tun kommen.“

„Die Barmer Theologische Erklärung ist eine wichtige Leitplanke unseres Tuns“, sagte Superintendentin Ilka Federschmidt. „Sie ruft uns und unsere Kirche zurück in unsere Mitte“, so die Pfarrerin. „All unser Handeln hat seinen Grund und seine Orientierung in Jesus Christus und im Gebot Gottes. Diese innere Kraft dürfen wir nicht verloren geben; aus ihr lebt auch der Einsatz gegen Unrecht und Unfrieden.“ Für Federschmidt trifft die Barmer Theologische Erklärung daher auch heute den Nerv kirchlicher Existenz.

Der Verantwortung gerecht werden

Beispielsweise beim Thema Kirchenasyl spiele die BTE eine wichtige Rolle. Mit einem sehr verantwortlich praktizierten Kirchenasyl erinnere die Kirche den Staat im Sinne der Gerechtigkeit Gottes daran, beim Schicksal eines geflüchteten Menschen genau hinzusehen und somit seiner eigenen Verantwortung gerecht zu werden.

„Außerdem nimmt uns die BTE in die Pflicht, gegen jeden Antisemitismus einzutreten und dabei auch den Antisemitismus in den eigenen Reihen ernst nehmen“, so Federschmidt. Die Bekenntnissynode habe darin versagt, so fehle jede These im Blick auf die Verfolgung der Juden.

Eintreten gegen jeden Antisemitismus

Aber die Betonung der BTE, dass Jesus Christus das eine Wort Gottes ist, gebiete ein Eintreten gegen den Antisemitismus, denn Jesus Christus verkörpere die Treue Gottes zu seinem Volk Israel. Und zeigt sich dankbar dafür, dass 2002 neben der Gemarker Kirche die Neue Synagoge errichtet werden konnte.

Die Fachtagung „Was Erinnern macht – Macht der Erinnerung“ beginnt am Freitag (31. Mai) um 14 Uhr im Audimax der Kirchlichen Hochschule an der Missionsstraße. Am Abend um 18:15 Uhr laden Kirchenkreis und KiHo zu einem Festgottesdienst in der Gemarker Kirche (Zwinglistraße) in Wuppertal-Barmen ein. Die Predigt hält Dr. Beate Hofman, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

KiHo und Kirchenkreis: Enge Zusammenarbeit

Kirchenkreis und KiHo Wuppertal arbeiten in Fragen rund um die BTE seit vielen Jahren eng zusammen. Bereits 2014 wurde die Ausstellung „Gelebte Reformation. Die Barmer Theologische Erklärung“ in der Gemarker Kirche in Wuppertal-Barmen eröffnet. Weitere Informationen zu beiden Veranstaltungen finden sich unter kiho-wuppertal.de/barmen24.

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