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Interview: Funktioniert die Hilfe zur Selbsthilfe in der Region Tschernobyl?: "Der Erfolg spornt uns an"

Interview: Funktioniert die Hilfe zur Selbsthilfe in der Region Tschernobyl? : "Der Erfolg spornt uns an"

Auch in diesem Sommer haben Kinder aus Tschernobyl im Tal einen Erholungsaufenthalt genossen. Jetzt ist der nächste Hilfskonvoi in Vorbereitung. Rundschau-Redakteurin Sabina Bartholomä sprach mit Angela Dicke, Vorsitzende des Vereins "Hilfe für die Kinder von Tschernobyl".

Rundschau: Wie haben Sie die Situation vor Ort Ostern dieses Jahres erlebt?

Angela Dicke: Sehr angespannt, der weisrussische Rubel ist an den russischen gekoppelt, verliert immer mehr an Wert. Lebensmittel sind teuer, außer den Grundnahrungsmitteln Mehl, Nudeln und Kartoffeln ist kaum etwas zu bekommen.

Rundschau: Welche Auswirkung hat der Krieg in der Ukraine?

Angela Dicke: In Weißrussland gibt es für die Flüchtlinge aus der Ukraine keine Willkommenskultur. Wer nicht bei Verwandten unterkommt, muss sich durchschlagen. Ein soziales Netz existiert nicht. Die Stimmung schlägt jetzt um, da die Einheimischen selber nicht genug haben.

Rundschau: Wie hat Ihr Verein darauf reagiert?

Angela Dicke: Wir haben die Lebensmittel aufgestockt, warme Kleidung für den Winter mitgenommen. Viele Flüchtlinge sind nur mit Sommersachen über die Grenze gegangen.

Rundschau: Mit Ihrem Konzept war von Anfang an geplant, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Funktioniert das?

Angela Dicke: Unser Erfolg ist der Motor, natürlich gab es auch Rückschläge, daraus lernt man. Man muss sich auf die Gegebenheiten vor Ort einstellen. Nähstuben und Tischlerwerkstatt sind ein Riesenerfolg. Die Produkte verkaufen sich gut, Jugendliche können hier eine Ausbildung machen. Das Material, wie Stoffe und Werkzeuge, liefern wir aus Deutschland. Stadolitschy konnte wir aus unserem Hilfsprojekt entlassen, Prybalawitchy ist auf sehr gutem Weg. Schule und Kindergarten gelten als Vorzeigeeinrichtungen der Region. Gut läuft es auch in Tonesch, wo die Kirche nun fertig ist. Dafür haben wir das Waisenhaus in Markowskoja und das Krankenhaus in Gluschkowitchy neu dazu genommen.

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Rundschau: Wie sieht es mit der ärztlichen Versorgung außerhalb der Krankenhäuser aus?

Angela Dicke: Auch da sind wir erfolgreich tätig. Vier Praxen haben wir bisher eingerichtet, die dort arbeitenden Mediziner werden zum Teil von uns bezahlt, im Moment ist die allgemeinärztliche Praxis unbesetzt. Die medizinischen Geräte haben wir angeliefert, Medikamente dürfen wir nicht mehr einführen. Die werden von uns vor Ort bezahlt.

Rundschau: Haben die Menschen den Wunsch, ihre eigene Situation zu verbessern, aktiv zu werden?

Angela Dicke: Ja, besonders die Frauen, und eben jene Kinder, die hier in Wuppertal waren, gesehen haben, dass es auch anders geht. Viele Gastfamilien haben ihre Pflegekinder gefördert, sie durch Ausbildung und Studium begleitet. Mit dem letzten Kindertransport kam eine junge Dolmetscherin, die zu unseren ersten Gästen nach der Katastrophe gehörte. Solche Erfolge machen uns glücklich.

Rundschau: Wann startet der nächste Hilfstransport?

Angela Dicke: An Ostern 2016, das Lager ist schon gut gefüllt. Kurz bevor er los geht, sammeln wir wieder Lebensmittelspenden. Und im Sommer 2016 kommt wieder eine Kindergruppe nach Wuppertal. Unsere sehr engagierten Pflegeeltern freuen sich schon darauf.