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OB-Wahl 2015 in Wuppertal: Marc Schulz (Grüne): Der Kandidat, der keiner sein wollte

OB-Wahl 2015 in Wuppertal: Marc Schulz (Grüne) : Der Kandidat, der keiner sein wollte

Wäre alles nach Wunsch gelaufen, dann stünde Marc Schulz jetzt nicht auf der Liste der OB-Kandidaten. Tut er aber — und findet das inzwischen auch gut so. In seiner Rolle als stichelnder Dritter, der das Duell zwischen Peter Jung (CDU) und Andreas Mucke (SPD) stört, scheint er sich sichtlich wohl zu fühlen.

"Wenn es eine echte Alternative zu Peter Jung gibt, dann bin ich das", sagt der OB-Anwärter der Grünen selbstbewusst.

Vieles in seinem Leben hat Marc Schulz der SPD zu verdanken. Nicht nur den Einstieg in die Politik fand er bei den Sozialdemokraten, auch seine Frau. Beides Verbindungen, die bis heute halten. Nur die zur SPD endete 2002 nach drei Jahren — und öffnete schließlich die Tür zu den Grünen. Die wählten ihren Fraktionsvorsitzenden im Juni zu ihrem OB-Kandidaten, nachdem das Experiment "Wuppertal 3.0" schmerzhaft gescheitert war. Ein Alibi-Kandidat sei er dadurch aber nicht, betont der 36-Jährige in meine Richtung. Ich nicke. Ja, das hatte ich nach der Kandidaten-Pleite von "3.0" geschrieben. Direkte Konfrontation also, ich bin gespannt.

Wir sitzen im leeren Stadion am Zoo, denn Schulz ist bekennender Fußballfan. "Eigentlich Hertha-Fan", sagt er. "Aber zwangsläufig ist man ja auch Anhänger des Heimat-Vereins." Hertha und WSV? "Ja", sagt er wissend, "ich bin leidensfähig." Die Beziehung zum WSV begann in der Kindheit, als ihn der Vater mit ins Stadion genommen hat. Das war Anfang der 1990er, als der WSV um den Aufstieg in die 2. Liga spielte. "Ich war total im Fieber", erinnert er sich. Die 2. Liga hat der WSV bekanntlich längst hinter sich gelassen, zu den Spielen geht der dreifache Vater, der selbst eine Weile bei Viktoria Rott im Tor stand ("Etwas anderes war nicht möglich") und einen Trainerschein besitzt, aber heute noch regelmäßig.

Gibt es eigentlich Parallelen zwischen Fußball und Politik, frage ich und lasse meinen Blick über die leeren Ränge gleiten. Schulz überlegt nur kurz, dann sagt er: "Ich sehe zumindest Parallelen zwischen dem WSV und Wuppertal. Beide wurden lange Zeit von einem Patriarchen an der Spitze regiert — und das ziemlich intransparent. Wenn das weg bricht, braucht es wohl seine Zeit, bis neue Strukturen wachsen können. Aber es ist trotzdem richtig so." Nicht schlecht. Also entweder ist der Mann bestens vorbereitet oder einfach sehr schnell im Kopf.

Zeit für Veränderungen also? Na ja, klar. Die kann es aber, so Schulz, politisch in der Stadt nur jenseits der Großen Kooperation von SPD und CDU geben. Und da sieht er seine Chancen gar nicht so schlecht. "Wenn es eine Stichwahl gibt, ist alles möglich." Und genau diese Stichwahl ermögliche den Wuppertalern, im ersten Wahlgang nicht taktisch abstimmen zu müssen. Punkt für ihn? Entscheidend sei ja erst mal, dass Peter Jung nicht die absolute Mehrheit der Stimmen bekomme. "Wenn Jung das doch gelingen sollte, dann wäre es der Situation nicht angemessen", stellt er klar, während ein paar Meter entfernt ein Mann lautstark mit einem Laubbläser für Ordnung sorgt. Wie bei seinen Konkurrenten, ist auch seine größte Sorge, dass nur sehr wenige Bürger zur Wahl gehen. "Das wäre das schlechteste Ergebnis für die Stadt", konstatiert Schulz, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Landtagsfraktion seiner Partei arbeitet und bereits bei Professor Lietzmann in der Forschungsstelle für Bürgerbeteiligung an der Uni Wuppertal mitgewirkt hat.

Die drei Monate Wahlkampf nutzt der Mann vom Rott eher gezielt, statt sich inflationär zu präsentieren. "Die Leute können mich bei den Podiumsdiskussionen kennen lernen." Fachlich. Sachlich. Da fühlt er sich wohl. Und spart nicht an Seitenhieben gegen die Kandidaten Jung und Mucke. Schulz lässt keinen Zweifel daran, dass die Große Kooperation das große Übel für die Stadt ist. Bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr hatte es kurz so ausgesehen, als würde es einen Wechsel hin zu Rot-Grün geben. Die Enttäuschung darüber, dass die SPD diesen Weg letztlich doch nicht gehen wollte, ist noch immer spürbar. Und sie erklärt, warum auch der SPD-Kandidat und frühere Genosse Andreas Mucke von Schulz nicht verschont wird. "Vieles, worauf Mucke jetzt schimpft, hat seine Partei schließlich mit zu verantworten."

Aber was, wenn Jung und Mucke in die Stichwahl kommen? "Dann laden wir beide zu uns ein und stimmen anschließend ab, für wen wir eine Wahlempfehlung abgeben." Und wer weiß, vielleicht klingt der Ton ja dann etwas versöhnlicher ...