1. Lokales

Neue Serie: "Auf ein Bier": „Das ist hier ja fast wie eine große Familie“

Neue Serie: "Auf ein Bier" : „Das ist hier ja fast wie eine große Familie“

Downtown Barmer City. So eine kleine Seitenstraße — Werther Hof heißt sie. Glücklicherweise kenne ich mich aus und habe außerdem von ganz früher noch einen Taxischein. Aus dem "Kneipchen" strahlt heimeliges Licht.

Da merkt man sofort: Hier draußen ist es kalt, da drinnen ist es warm. Also rein!

Klassisch rustikal, Holzsäulen, schöner und traditioneller Tresen mit richtigen Kleiderhaken untendrunter auf Kniehöhe. Großartig! Danach muss man anderswo, in Bars & Co., oft lange (und teilweise vergeblich) suchen. Gutes, gedämpftes Licht, Wandgestaltung in angenehmem Grün, viele alte Fotomotive in unterschiedlich großen Rahmen. Bisschen Musik — aber vor allem viel, viel Gespräch, Geplauder, Gelächter in dem kleinen, gemütlichen Raum. 19 Uhr abends an einem Dienstag. Da kennt man ja Läden, wo es um die Zeit vor lauter Leere hohl hallt wie in der Gruft. Hier keineswegs!

Symbolfoto. Foto: Wuppertaler Rundschau

Seit den 70er Jahren gibt's das "Kneipchen" schon — am 20. Dezember 2018 haben Lampros und Ute Kemalis, die heutigen Inhaber, hier ihr Zehnjähriges gefeiert. Und keinen Tag davon bereut: Schon allein, weil sie sich beide im "Kneipchen" kennen gelernt haben! "Das ist hier ja fast wie eine große Familie", sagt Ute Kemalis. Sie und ihr Mann haben im "Kneipchen" genau das Richtige gefunden. Ute Kemalis: "Ich möchte gar nichts anderes machen. Und wenn wir einmal im Jahr für die Ferien drei Wochen lang schließen, bekomme ich nach zwei Wochen schon Sehnsucht nach unserem Lokal."

Und nach den Gästen: 90 Prozent davon sind Stammpublikum — aus Barmen natürlich, aber auch aus Ronsdorf oder Haßlinghausen. Eine 89 Jahre alte Dame kommt sogar regelmäßig aus Schwelm ins "Kneipchen", wo Krombacher Pils, Früh Kölsch und Frankenheim Alt aus den Hähnen strömen — und zwar nicht zu knapp.
Apropos 89 Jahre: Der Altersdurchschnitt beim "Kneipchen"-Klientel ist schon etwas höher als anderswo — na und? Einmal im Monat ist Live-DJ- oder Sänger-Abend mit Schlagern und anderer populärer Musik. Früher, so weiß Wuppertal-Kneipenführer Jürgen Holzhauer, der mich heute Abend begleitet, gab's auch regelmäßig Jazz. Alte Plakate an den Wänden erzählen davon.

Auf ihre Gäste zu achten, auf die Stimmung, die gute Atmosphäre, das ist Ute und Lampros Kemalis sowie ihrer Tochter Katja Meier, die ihnen immer mal hilft, besonders wichtig. "Hier soll man sich in Ruhe entspannen und gut unterhalten können. Und auch jede Frau, die alleine zu uns kommt, soll sich wohlfühlen. So etwas wie Ärger oder Belästigung, das gibt es hier nicht", sagen Lampros und Ute Kemalis mit Überzeugung: "Hier sind einfach alle gut drauf."
Zeit dazu haben die Gäste von morgens um 10 bis etwa 21 oder 22 Uhr am Abend. Montags ist das "Kneipchen" zu. Probleme mit den Nachbarn gibt es keine — das Inhaberehepaar sucht stets den guten Kontakt zu allen in der kleinen Straße. Auch nächtliche Geräusche durchs Rauchen vor der Tür machen sich kaum bemerkbar. Ute Kemalis: "Die wenigsten unserer Gäste sind Raucher." So blieb übrigens auch seinerzeit, als das NRW-Rauchverbot viele kleinere Lokale ins Schlingern brachte, das "Kneipchen" treu auf Kurs.
Gibt's denn auch was zu essen, wenn der Magen mal ganz besonders knurrt? Mettbrötchen, Frikadellen oder Schnittwürstchen — damit kann das "Kneipchen" den Hunger vertreiben.
Einmal muss Schluss sein: Wir sagen "Tschö" — und der 83-jährige Stammgast mit Spitznamen "Schwiegervater" singt ein Lied von Hans Albers. Barmen live!