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Neuanfang in Wuppertal: Das Aleppo der Hoffnung

Neuanfang in Wuppertal : Das Aleppo der Hoffnung

Während die Großstadt in Syrien für Zerstörung und Perspektivlosigkeit steht, liegt in Wuppertal ein Aleppo der Hoffnung. Die Familie Hamed arbeitet in ihrem gleichnamigen Restaurant täglich für eine Zukunft in Deutschland.

"Papa, das ist nicht dein Ernst", hat Hasan Hamed immer wieder gesagt, aber Hazem Hamed, Vater von fünf Kindern und studierter Rechtsanwalt, ist stolz und stur geblieben. Das Angebot war da, und er musste zuschlagen. Hazem Hamed kaufte seinem Freund die gesamte Inneneinrichtung und Ausstattung des Restaurants Aleppo am Hofkamp ab. "Er hat das von einem Tag auf den anderen entschieden", sagt sein Sohn. "Er sah sie endlich, die große Chance." Seit Juli steht das syrische Ehepaar, der Jurist und die Mathelehrerin in der Küche, sie bereiten Tabuleh und Fattusch zu. Und für die ganze Familie bedeutet Aleppo nun: Arbeiten, wagen, hoffen.

Seit mittlerweile sechs Monaten sind die Hameds nun Gastronomen. Hasan, der 16-jährige Sohn, der in anderthalb Jahren sein Abitur machen wird, blickt auf eine bewegte Zeit zurück. Seine Hausaufgaben erledigt er an einem der Tische im Restaurant. Und wenn viel los ist, springt er mit ein — freudig. "Weil, dann läuft es ja."

Mit dem "gut laufen" ist es im Aleppo derzeit noch so eine Sache. Angestellte können sich die Hamed noch nicht leisten. Deshalb ist das Aleppo noch ein wahrer Familienbetrieb. Auch die Küche schmeißen die Eltern immer noch selbst und servieren ihren Gästen eine Mischung aus traditionell-syrischer Küche und Imbiss-Snacks. Ihre Gäste stammen aus verschiedenen Ländern, nur Syrer selbst kommen wenig, denn die wohnen nicht in dieser Ecke von Wuppertal. So sitzen meist Deutsche an den Tischen, lauschen beim Essen der arabischen Musik und erleben, wie Hasan versichert, ein Stück "original syrisches Leben".

Genau dieses syrische Leben vermisst der Gymnasiast täglich. Vor vier Jahren wurden er und seine Geschwister nach Wuppertal nachgeholt. Jetzt ist er 16 und sagt, die prägendsten Jahre habe er in Wuppertal erlebt. Aber da sind doch die Kindheitserinnerungen, die ihn mit Heimweh erfüllen. Das Klima, die Landschaft.

Zumindest schmeckt er Syrien jetzt in dem Restaurant seiner Eltern und dazu lädt er auch oft seine deutschen Freunde ein. Im März muss er das nächste Mal zur Ausländerbehörde. Seine Zukunft? Ungewiss. Wenn Hasan in seinem Aleppo sitzt, träumt er von einer unbeschränkten Aufenthaltsgenehmigung und hofft auf eine Zukunft, in der im Wuppertaler Aleppo das Leben brummt, im fernen Aleppo Frieden herrscht und von einer Welt, die es ihm als erwachsenem Mann mit Abitur in der Tasche erlaubt, einmal frei zu wählen, in welchem Aleppo er sich gerade aufhalten möchte.