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Barmen: Stress mit Jugendbanden

Barmen : Stress mit Jugendbanden

In der Schuchardstraße in der Barmer City vertreiben sich Jugendliche mit dem so genannten "Postleitzahl-Spiel" die Zeit und verprügeln dabei zufällig vorbeilaufende Altersgenossen. Das Jugendcafé "jim" ist deswegen schon seit den Herbstferien geschlossen.

"jim" stand 2015 bei der Eröffnungdes Jugendcafés für "Jugend im Mittelpunkt". Unter diesem Motto wollte der Wuppertaler Bezirksjugendrat hier im ehemaligen Café Köppel dienstags bis freitags einen zwanglosen Anlaufpunkt für Gleichaltrige schaffen. Jetzt wird nur für einzelne Workshops geöffnet. Grund: "Einige Jugendliche haben das ,jim' nicht besucht und die Angebote genutzt, sondern sich vor dem Café auf der Straße getroffen. Da wurde es dann auch mal laut", erklärt Christine Roddewig-Oudnia, Leiterin des Wuppertaler Jugendamts.

Endgültiger Auslöser für die Schließung im Herbst war ein Übergriff auf einen Anwohner, an den sich auch der Barmer Bezirksbürgermeister Hans Hermann Lücke erinnert. "Das Café wurde geschlossen, nachdem ein Anwohner grundlos krankenhausreif geschlagen wurde", bestätigt er.

Doch mit der Schließung des Jugendcafés ist das Problem noch nicht behoben. "Im Bereich der Schuchardstraße tummeln sich noch immer viele Jugendliche, pöbeln Passanten an oder beschädigen die umliegenden Geschäfte", erläutert Lücke die aktuelle Lage. Von Anwohnern habe er von dem so genannten "Postleitzahl-Spiel" erfahren, bei dem vorbeilaufende Jugendliche nach ihrer Postleitzahl gefragt werden. Falls sie nicht zufällig die vorab getippte Zahl nennen, drohen ihnen Schläge.

"Am Anfang lief es gut mit dem ,jim'", erinnert sich Hans Hermann Lücke an die Zeit, als das Jugendcafé von Mitgliedern des Jugendrates und dem Ressort Jugend und Freizeit eröffnet wurde. Die Jugendlichen konnten sich beim Dart oder in der Multimedia-Ecke die Zeit vertreiben. Problematisch wurden auch nicht die Besucher des Cafés selbst, sondern lediglich die Jugendlichen, die den "jim"-Vorplatz als regelmäßigen Treffpunkt nutzten.

Fest steht, dass gerade für diese Jugendlichen in Barmen Mitte ein Anlaufpunkt fehlt. "Das Haus der Jugend ist eher ein Veranstaltungsort und hat nicht so den Jugendtreff-Charakter, und das CVJM Adlerbrücke zählt ja schon fast zu Unterbarmen", erklärt Christine Roddewig-Oudnia. "Die Jugendlichen brauchen einen Treff direkt um die Ecke, und solange der fehlt, lungern sie weiter im Bereich der Schuchardstraße und in anliegenden Hinterhöfen herum."

Im November hatte es Gespräche im "jim" mit Vertretern des Ressort Jugend und Freizeit, der Polizei, dem Ordnungsamt und Anwohnern gegeben. Das nächste Treffen ist für Ende Februar angesetzt. "Bis dahin haben wir ein neues Konzept ausgearbeitet", ist die Leiterin des Jugendamts zuversichtlich. Ob das "jim" an seinem Standort in der Schuchardstraße als Jugendcafé erneut geöffnet wird, ist für sie allerdings noch fraglich.