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Quarantäne und Gesundheitsamt: Gibt es keinen Leitfaden?

Quarantäne und Gesundheitsamt : Gibt es keinen Leitfaden?

Betr.: Quarantäne und Gesundheitsamt

Am 23. Dezember wurden wir, das Team einer Wuppertaler Kita, darüber informiert, dass eine Kollegin am 21. Dezember positiv auf das Corona-Virus getestet wurde. Eine Quarantäne wurde erstmal nicht angeordnet. Erst sollte eine Kontaktnachverfolgung erfolgen. Um uns vor den Feiertagen ein bisschen zu beruhigen, wurden wir alle, vom Arbeitgeber finanziert, umgehend am gleichen Tag getestet. Am 24. Dezember hatten wir die Gewissheit: alle negativ!

Es wurde weiterhin keine Quarantäne angeordnet. Erst am 28. Dezember, sieben Tage nach dem positiven Test der Kollegin, wurde für alle eine Quarantäne veranlasst. Ab sofort bis zum 4. Januar. Außerdem würde am 30. Dezember eine unumgängliche Massen-Testung in der Kita stattfinden. Das Ergebnis dieser Testung kam am 31. Dezember: alle negativ! Eine Verkürzung der Quarantäne könne ausgesprochen werden, wenn das Testergebnis per Mail an das Gesundheitsamt gesendet würde. Man bedenke: Das Gesundheitsamt hat am 31. Dezember nur noch sehr eingeschränkt, am 1. Januar gar nicht gearbeitet, weshalb eine Bestätigung der Quarantäneverkürzung ausblieb.

Am 2. Januar habe ich beim Gesundheitsamt angerufen und mich über den Stand der Dinge erkundigt. Ich wurde darüber informiert, dass die Testung leider einen Tag zu früh stattgefunden hat und deshalb eine Verkürzung der Quarantäne nicht möglich sei. Eine Testung hätte am 31. Dezember stattfinden müssen, also zehn Tage nach dem positiven Ergebnis der Kollegin. 21+10= 31!

Es entsteht der Eindruck, dass das Gesundheitsamt vor dem Jahreswechsel einmal mehr sagen möchte, dass alles Notwendige getan wurde (wann, ist hier scheinbar egal), also wird einfach an Tag 9 getestet. Was mich sehr verärgert hat, ist, dass das Gesundheitsamt diese Testung veranlasst hat und mehr als deutlich gesagt hat, dass diese unumgänglich sei. Wir hatten keine Wahl. Wir sind wie Marionetten, das Gesundheitsamt hatte unsere Fäden in der Hand.

An jedem Faden wurde willkürlich mal gezogen – mal stärker, mal ganz leicht. Der Herr, mit dem ich sprach, lachte und sagte, dass ich zwei weitere Tage in Quarantäne wohl verkraften könne.

Unter diesen Bedingungen kann eine Pandemie nicht in den Griff bekommen werden. Ich verstehe durchaus, dass gerade das Gesundheitsamt in den letzten Monaten sehr an seine Grenzen kommt, überlastet ist. Das darf aber nicht an Einzelnen ausgelassen werden. Denn wir alle sind durch diese Pandemie an unsere Grenzen gestoßen.

Aber scheinbar hat das Gesundheitsamt in den letzten Wochen/Monaten kein Regelwerk erarbeitet, wie es im Umgang mit Menschen handelt, die, in welcher Form auch immer, unter dem Corona-Virus leiden. Stattdessen hat alles weder Hand noch Fuß. Es muss doch einen Leitfaden geben, nach dem das Gesundheitsamt arbeitet?

Ich fühle mich tatsächlich auf den Arm genommen und habe Angst, wenn ich sehe, wie die Maßnahmen umgesetzt werden.

Hanna Banzer