Von der Heydt-Museum Wuppertal Carl Grossberg: „Er kann und war viel mehr“

Wuppertal · Das Von der Heydt-Museum setzt erneut ein starkes (Kunst-)Zeichen: Die Ausstellung „Carl Grossberg. Sachlich – magisch – visionär“ holt einen Maler ins Blickfeld, den Museumsdirektor Roland Mönig „weltberühmt und weithin unbekannt“ nennt.

Ein eindringliches Gesicht der „Neuen Sachlichkeit“ mit beinahe magnetischem Blick: Carl Grossbergs „Selbstbildnis“ von 1928.

Foto: bildarbeit Henning Krause

Es geht um insgesamt 190 Arbeiten des am 6. September 1894 in Elberfeld geborenen und am 19. Oktober 1940 durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Malers, Zeichners und Architekten Carl Grossberg. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“ der 20er und 30er Jahre. 52 seiner Bilder kann das Von der Heydt-Museum jetzt zeigen – dazu 100 Arbeiten auf Papier plus 40 Fotos.

Das Spektrum der auf acht (!) Räume verteilten Präsentation zeigt einen Prolog und einen Epilog voller Grossberg-Zeitgenossen (alle aus der museumseigenen Sammlung) sowie die erstaunliche Bandbreite des eigenwilligen und höchst peniblen Künstlers, der eben nicht nur Industrie, Technik, Städte und Maschinen (die allerdings wie kaum ein anderer) gemalt hat.

Seit 30 Jahren gab es keine Grossberg-Retrospektive mehr. Und auch diese bisher letzte zeigte das Von der Heydt-Museum. Sehr besonders jetzt: Ein eigener Raum für Grossbergs „Traumbilder“. Diese Arbeiten, die parallel zu seinem übrigen Werk entstanden, zeigen höchst ungewöhnliche, kryptische „Seelen-Landschaften“. Fesselnd und den Betrachter in sich hineinziehend. Ganz anders als „Normal“-Grossbergs. Der Eindruck drängt sich auf, es habe der vom Ersten Weltkrieg traumatisierte und mit dem aufkommenden Nationalsozialismus hadernde Künstler ein (mindestens) janusköpfiges Innenleben gehabt.

Museumsdirektor Mönig sagt über die intensive Arbeit an der Ausstellung: „Durch den Zugang zum seit 30 Jahren verschlossenen Nachlass, viele Briefe und manches mehr haben wir Carl Grossberg ganz neu kennengelernt. Für mich steht fest: Er kann und war viel mehr.“

Mönig nennt Grossberg – schon allein wegen des fehlenden Werkverzeichnisses und der häufigen Kleinformatigkeit seiner Bilder – den „Vermeer der Neuen Sachlichkeit“. 60 bis 70 Bilder nur gibt es überhaupt. Entstanden sind sie während einer vergleichsweise kurzen Schaffensphase von 20 Jahren. Und gebraucht habe Grossberg pro Bild „aufgrund seiner großen Akribie stets mehrere Monate“.

Die starke Verwandtschaft zur Fotografie beziehungsweise das Sich-gegenseitig-Befruchten zeigt „Sachlich – magisch – visionär“ geradezu ins Auge springend. Grossbergs Arbeiten wirken – fast ausnahmslos – ungeheurer gegenwärtig. Eine sehr individuelle Anziehungskraft geht aus von dieser Ausstellung: Vom ersten bis zum letzten Raum, wenn sich der 20er-30er-Jahre-Kreis sozusagen schließt.

Damit diese Anziehungskraft sich auf gleich mehreren Ebenen erschließt, gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Sowie, Museums-Co-Direktorin Anna Sturm weist intensiv darauf hin, einen aufwendig gestalteten Audio-Guide. Der übrigens diesmal auch eine besondere Version für Kinder zu bieten hat.