Kommentar zur Diskussion über Sonntagsöffnung der Bibliotheken Ein Relikt mit sehr viel Sinn

Wuppertal · Eigentlich hört sich der Vorschlag gut an: Die Zentralbibliothek in Elberfeld, aber auch die in den Stadtteilen sollen künftig sonntags zumindest stundenweise öffnen und damit auch Kinder und Jugendliche animieren, Bücher, Zeitungen, CDs und DVDs auszuleihen oder vor Ort zu nutzen. Der Personalrat der Stadt ist dagegen. Und das ist nachvollziehbar.

 Der Sonntag ist der Tag der Ruhe und Muße.

Der Sonntag ist der Tag der Ruhe und Muße.

Foto: Wuppertaler Rundschau

„Bei anderen Kultureinrichtungen, Museen, Theatern und Kinos ist dies längst üblich. Das neue NRW-Bibliotheksförderungsgesetz hat dazu den Weg freigemacht. Angefangen in den Stadtteilbibliotheken, würde es gerade jungen Familien möglich machen, das vielfältige Angebot niederschwellig kennen zu lernen und zu nutzen“, sagte Ingrid Pfeiffer, die kulturpolitische Sprecherin der FDP, im Januar bei einem Besuch in der Zentralbibliothek. Was grundsätzlich natürlich zu begrüßen ist.

Nicht minder schwer wiegt aber das, was Salvador Oberhaus von den Linken entgegnet: „Für uns ist die Sonntagsruhe ein hohes, vom Grundgesetz geschütztes Recht.“ Menschen bräuchten „mehr gemeinsame Zeit für ihre Familien, für soziales Zusammenleben und nicht immer mehr Stress und mehr Arbeit“. Dies gelte auch für die Beschäftigten der Bibliothek: „Die Linke verteidigt die Sonntagsruhe und verurteilt die ständigen Versuche, diese zu untergraben. Die Ausleihzeiten der Bibliothek sind schon heute so gestaltet, dass eine Sonntagsöffnung nicht erforderlich ist.“

Keine Frage, es gibt viele Menschen, die am Sonntag arbeiten (müssen) und dies dankenswerterweise für die Gemeinschaft tun – Polizei, Feuerwehr, Klinikpersonal, Pflegedienste, um nur einige zu nennen. Immer öfter wird der Versuch gestartet, andere Branchen einzubeziehen. Eines der Argumente: Nur so etwa könne der stationäre Handel etwas gegen die Internetriesen ausrichten.

Das ist, gelinde gesagt, Quatsch. Die Weichen wurden von Anfang an in die falsche Richtung gestellt. Nun kann es nur noch darum gehen, dass die „global Player“ endlich für ihre satten Gewinne (die ihnen nicht genommen werden sollen, sie hatten schließlich das passende Geschäftsmodell) die entsprechenden Steuern (für die Allgemeinheit) zahlen und nicht nur den nun vereinbarten europäischen Mindestsatz, um den dann wieder runterzurechnen. Und eine „temporäre Sonntagsöffnung“? Einmal eingeführt, lässt sich das Rad kaum noch zurückdrehen (was wohl auch so gewollt wäre).

Nein, in einer immer hektischer werdenden Zeit mag der beschauliche Sonntag zwar als Relikt aus vergangener Zeit erscheinen, doch erfüllt er mehr denn je wichtige Aufgabe. Er „entschleunigt“ in jeder Hinsicht. Dass die Bibliotheken geschlossen bleiben, ist dabei zu verkraften.

(Anmerkung: Ich selber arbeite an jedem Sonntag.)