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Rundschau-Kommentar zur Situation der Wuppertaler CDU​

Kommentar zur Wuppertaler CDU : Er ist wieder da

Dass sich in der Wuppertaler CDU etwas verändern muss, dürfte kein einziges lokales Parteimitglied bestreiten. Viel zu traurig ist das Bild, das die Christdemokraten in den letzten Jahren abgaben. Spricht man mit alten CDU-Größen, schütteln die hinter vorgehaltener Hand nur noch mit dem Kopf über das, was aus ihrer Truppe geworden ist ...

Ein kurzer Blick zurück: Spätestens seit dem Gerangel um Uwe Schneidewind als gemeinsamer Oberbürgermeister-Kandidat des damaligen schwarz-grünen Bündnisses im Rat geht ein tiefer Riss durch die Partei. Erstmals seit der britischen Besatzungszeit sollte die CDU nicht mit einem eigenen Mitglied in den OB-Wahlkampf ziehen? Stattdessen ein Grüner als CDU-Kandidat, der nach späteren Erkenntnissen auch noch von zwei CDU-Funktionsträgern ohne Abstimmung mit der Partei „erfunden“ worden sein soll?

Diese Kröte wollte der Kreisvorstand um den seinerzeit amtierenden Vorsitzenden Matthias Nocke am Ende trotz guter Erfolgsaussichten doch nicht schlucken und sagte Schneidewind im Herbst 2019 ab. Schneidewinds Positionen seien nicht mit denen der CDU vereinbar, ließ man die Mitglieder wissen.

Damit aber löste man eine Art Revolution aus, an deren Spitze die Junge Union stand, der sich aber auch ehemals führende CDU-Köpfe wie Peter Jung oder Hermann Josef Richter anschlossen. Ergebnis: Schneidewind wurde nach einer Mitgliederbefragung doch gemeinsamer Kandidat und dann OB. Die Partei kam aber nie mehr auf einen Nenner. Nocke trat im Januar 2020 nach weiteren internen Attacken und einer Datenschutzaffäre zurück, mit Rolf Köster übernahm dann bezeichnenderweise Wuppertals früherer FDP-Chef den Job als Interims-Kreisvorsitzender – für immerhin anderthalb (Corona-)Jahre.

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Sein Nachfolger Gregor Ahlmann blieb bei den folgenden Turbulenzen vorsichtig gesagt überwiegend in Deckung: der Bruch des Kernbündnisses mit den Grünen, eine peinliche Rolle beim Dezernentenwahl-Super-GAU samt Aus für die Fraktions-Doppelspitze und weit und breit keine Führungsfigur in Sicht, hinter der sich die Partei versammeln könnte. Das ist der Stand heute.

Und die Situation, in der Wuppertals graue CDU-Eminenz plötzlich wieder auftaucht: Johannes Slawig, vor einem Jahr als Stadtkämmerer ziemlich unfreiwillig in Pension gegangen, meldet sich aus dem Ruhestand mit dem Angebot, bei den Wahlen im November den Kreisvorsitz zu übernehmen. Natürlich nicht als Gegenkandidat, sondern nur, wenn Ahlmann nicht mehr will.

Und selbiger kündigt dann nur einen Tag später an, aus beruflichen Gründen tatsächlich nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Eine politische Inszenierung wie aus dem Bilderbuch, mit der Slawig einmal mehr seinen Ruf als versierter Strippenzieher hinter den Kulissen untermauert.

Dass der CDU ein politischer Könner an der Spitze guttun würde, steht außer Frage. Allerdings hat Slawig nicht nur als allmächtiger Stadtdirektor polarisiert, sondern auch in seiner Partei. Dass er darüber hinaus der prominenteste Gegner der inzwischen vertraglich festgezurrten BUGA 2031 in Wuppertal war und sich in dieser Frage komplett mit Oberbürgermeister Schneidewind überwarf, macht seinen Vorstoß jetzt doppelt pikant. Man darf Slawig abnehmen, dass er mit 68 Jahren keine Ambitionen hat, selbst OB zu werden. Aber man darf ihm auch zutrauen, schon einen geeigneten Kandidaten im Schlepptau zu haben.

Ob es für ihn und seine möglichen Pläne in der Partei eine Mehrheit gibt, ist die nächste spannende Frage in der Geschichte der Wuppertaler CDU. Der Widerstand von Mitgliedern, die sich lieber frischen Wind wünschen, formiert sich jedenfalls bereits ...