1. Corona Virus

Wuppertal: Ladenbesitzer können Schließungen nicht nachvollziehen

Corona-Pandemie : „Die Schließung ist sehr belastend“

Schließen. Öffnen. Wieder schließen. Kurz öffnen. Und nun wieder auf unbestimmte Zeit schließen. Nagelstudio-Betreiberin Barbara Melchior kann das Corona-Hin-und-Her nicht mehr verstehen: „Das ist mein dritter Lockdown. Ich weiß nicht, ob mein Laden ihn überleben wird!“

Bereits im April 2020 berichteten wir über die Selbstständige aus Wichlinghausen. Ihre ernüchternde Bilanz nach einem Jahr Corona: Keine Lösung für Kleinbetriebe in Sicht. Eine Schutzwand, die die Tröpfchenverteilung verhindern soll, eine FFP2-Maske, Einweg-Gummihandschuhe, ein Raumluftreiniger, für jeden Kunden ein eigenes Feilenset, Einlass nur einzeln und mit einem Negativ-Test – Nagelstudio-Betreiberin Barbara Melchior musste trotz ihrer hohen Hygiene-Vorsorge ihr Nagelstudio an der Oststraße in Wichlinghausen wieder schließen.

Der dritte Lockdown hat zugeschlagen. Aber nicht bei allen. Während Geschäfte des täglichen Bedarfs (Supermärkte, Drogerien, Blumen- oder Buchläden, Tankstellen), Dienstleister mit medizinisch notwendigen, körpernahen Angeboten wie Physiotherapiepraxen, Friseurbetriebe und reine Fußpflege-Praxen weiterhin Kundschaft unter Auflagen empfangen dürfen, schauen Barbara Melchior und ihre Kollegen mal wieder in die Röhre. „Wir und unsere Kunden können die Schließung und die Unterscheidung nicht nachvollziehen. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich Corona als eine sehr große Gefahr sehe, und dass es in jedem Fall Maßnahmen geben muss, um Menschen zu schützen. Es sollten aber nachvollziehbare Maßnahmen sein. Ich arbeite mit einem sehr hohen Hygienestandard, schon vor der Corona-Pandemie. Meine Kollegen im ganzen Stadtgebiet sicherlich auch. Warum erlaubt die Verordnung der Stadt uns keine Öffnung? Selbstverständlich gönne ich Friseuren und Fußpflegepraxen die Öffnung, frage mich aber, warum wir Nagelstudios dabei nicht berücksichtigt werden“, so Barbara Melchior.

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In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Uwe Schneidewind, Krisenstabs-Leiter Johannes Slawig und die lokalen Parteien bittet die Unternehmerin um eine Erklärung und lädt dazu ein, sich die Gegebenheiten vor Ort anzuschauen und die Schließung zu überdenken. Sie schreibt, dass eine Maniküre „nicht immer nur rein optische beziehungsweise kosmetische Gründe“ habe. Ihr Studio würden ebenso viele ältere Menschen aufsuchen, die selbst eine Pflege ihrer Nägel nicht mehr bewerkstelligen könnten. Ferner würden auch Naturnagelverstärkungen genutzt, um sehr schmerzhafte Nägel zu schützen. „Auch trägt natürlich der optische Eindruck für viele Menschen zum Wohlbefinden bei. So wie das für Haare gilt, gilt dies auch für gepflegte Hände. Für viele ist das jetzt gerade auch für das psychische Wohlbefinden wichtig.“

Eine Gleichbehandlung mit den Friseuren, das wünscht sich Barbara Melchior für ihr Studio, ihre Kollegen und ähnliche Betriebe. Ihr Fazit nach einem Jahr Corona: „Wenn ich bald nicht wieder öffnen darf, bleibt der Laden für immer geschlossen. Ich möchte doch einfach nur arbeiten. Die Lage ist existenzbedrohend und psychisch sehr belastend. Kredite bringen nichts, wie soll ich sie denn zurückzahlen? Und auch die Corona-Soforthilfe greift nicht für jeden. Ich spreche für die gesamte Branche und auch unser Viertel. Wenn die kleinen, alteingesessenen Läden nun alle pleite gehen, geht damit auch das Flair des Stadtteils verloren“, sagt sie.