Vor- und Nachteile von Ethereum gegenüber Bitcoin

Kryptowährung : Vor- und Nachteile von Ethereum gegenüber Bitcoin

Ethereum ist schon seit Längerem das nach Marktkapitalisierung zweitgrößte Kryptowährungssystem überhaupt. Dennoch steht der Ether, so der Name der systemeigenen Währung, von jeher im Schatten des großen Bruders Bitcoin. Zu Recht?

Seit wann gibt es Ethereum?

Die Ethereum-Blockchain wurde im Juli 2015, nach mehreren Jahren Entwicklung, in Betrieb genommen. Zu diesem Zeitpunkt war Bitcoin bereits sechs Jahre alt und hatte die ersten Hype-Zyklen längst hinter sich. Mehr oder weniger erfolgreiche Bitcoin-Klone und Weiterentwicklungen wie Litecoin, Namecoin und der berühmt-berüchtigte Dogecoin waren längst auf die Bildfläche getreten und hatten für Furore gesorgt.

Funktionen von Ethereum

Warum also Ethereum? Ethereum unterscheidet sich von Bitcoin in einigen, sowohl ökonomischen wie technischen, Punkten. Der entscheidendste Unterschied besteht dabei wohl im Zweck des Systems. Während das Bitcoinsystem die eigene Blockchain in allererster Linie dazu nutzt, die eigenen Transaktionen zu speichern und zu validieren, ist Ethereum größer gedacht. So ist die Ethereum-Blockchain zum Beispiel in der Lage eine Vielzahl von Kryptowährungen zu verwalten und vor allem sogenannte Smart Contracts zu speichern und auszuführen. Reger Gebrauch ist davon in der Vergangenheit bereits gemacht worden, um Crowd Fundings (vor allem im Kryptobereich) durchzuführen und auf diese Weise Startups abseits der sonst üblichen Investmentkanäle zu finanzieren. Ein weiteres sehr populäres Beispiel für die Möglichkeiten der Ethereum-Blockchain sind virtuelle Sammelkartenspiele, wie zum Beispiel „Crypto Kitties“. Bei diesen Spielen stellen Smart Contracts und die Ethereum-Blockchain sicher, dass die gesammelten „Karten“ der Spieler als digitale Originale gespeichert werden. „Crypto Kitties“ und ähnliche Spiele stellen für viele Interessierte zugleich eine einfache, spielerische Möglichkeit dar, mit ersten Smart Contracts zu experimentieren und ein tieferes Verständnis der Funktionen der Blockchain zu erlangen.

Ether - Die Ethereum-Währung

So wie es im Bitcoin-System den Bitcoin als virtuelle Währung gibt, verfügt auch das Ethereum-Netzwerk über eine vom System genutzte Währung, den sogenannten Ether. Wie Bitcoins werden Ether an die sogenannten Miner ausgeschüttet. Spezialisierte Netzwerkteilnehmer, die die Integrität der Blockchain sicherstellen und für ihre Verteilung an die teilnehmenden Knoten sorgen. Während Bitcoins ihren Wert dabei ausschließlich aus ihrer Knappheit ziehen und abgesehen davon keinen direkten Wert repräsentieren, werden Ether im Ethereum-Netzwerk gebraucht, um Transaktionen durchzuführen und Smart Contracts aller Art zu nutzen. Gerade der in Bezug auf Bitcoin häufig kritisierte hohe Energieverbrauch wird im Ethereum-Netzwerk damit zumindest etwas sinnvolleren Funktionen zugeführt. Darüber hinaus sind die Entwicklerinnen und Entwickler momentan dabei, das System zumindest versuchsweise vom sogenannten Proof of Work auf Proof of Stake umzustellen. Während das Proof-of-Work-Verfahren zur Validierung der Blockchain die Aufwendung von Arbeit (und insofern Energie und Ressourcen) verlangt, basiert Proof of Stake auf der Annahme, dass die Investition in schon vorhandene Krypto-Token ebenso als Ressourcen-Aufwand gewertet werden kann. Eine zumindest teilweise Umstellung des Ethereum-Netzwerks auf dieses Prinzip könnte die Wirtschaftlichkeit des Systems gegenüber dem des Bitcoins weiter erhöhen und damit auch dem Ether zu Wertzuwachs verhelfen. Denn, je weniger Energieaufwand betrieben werden muss, um Transaktionen zu verifizieren, desto günstiger und attraktiver werden diese. Während der letzten Bitcoin-Hochphase im Winter 2017/2018 kosteten Bitcoin-Transaktionen zeitweilig bis zu 20 Euro. Zugleich würde das Proof-of-Stake-Verfahren durch die Verzinsung von Ether-Guthaben für eine größere Nachfrage nach den Token und damit einen höheren Preis sorgen.

Gesamtmenge von Bitcoin und Ether

Während die Doppelfunktion der Systemwährung den Wert des Ethers auf Dauer positiv beeinflussen dürfte, gibt es einen anderen Faktor der dem entgegen wirkt. Anders als bei Bitcoin ist die absolute Menge der langfristig im Umlauf befindlichen Tokens nämlich nicht begrenzt. Von den insgesamt 21 Millionen möglichen Bitcoins sind mittlerweile mehr als 17 Millionen im Umlauf und die Anzahl der neu ausgegebenen Coins wird langfristig immer weiter sinken. Dagegen werden im Ethereum-Netzwerk auch auf lange Sicht immer weitere Ether in Umlauf gebracht werden. Da die Menge der neu hinzukommenden Coins allerdings ab einem gewissen Punkt konstant bleiben wird, ist davon auszugehen, dass sich hier langfristig ein Gleichgewicht zwischen verlorenen Coins und neu in Umlauf gebrachten einstellen wird. Das könnte zum Beispiel dazu führen, dass sich der Wert des Ethers wesentlich stabiler entwickeln wird als der des Bitcoins, der aufgrund seines deflationären Charakters stets Ziel wildester Spekulation bleiben dürfte. Verfolgt man Bitcoin und Ethereum Kurs in Echtzeit lässt sich dabei momentan aber vor allem feststellen, dass der Wert des Ethers mit dem der „virtuellen Leitwährung“ Bitcoin schwankt und insofern zumindest momentan derselben spekulativen Volatilität ausgesetzt ist.

Weitere Smart-Contract-Plattformen

Ethereum ist momentan die wohl populärste Plattform für die relativ schnelle und einfache Umsetzung von Smart Contracts. Damit zieht das Netzwerk Investoren und Anleger an, die den Preis der Währung Ether stabilisieren und nach oben treiben. Wichtig ist es dabei aber, im Blick zu behalten, dass viele der Funktionen und Algorithmen, die sich auf Ethereum umsetzen lassen auch über andere Netzwerke, wie zum Beispiel EOS oder Ripple, realisieren lassen. Momentan gehen alle Analysten davon aus, dass der Markt für Smart-Contract-Providernetze weiterwachsen wird und bald zunehmend auch Verträge aus anderen Teilen der Wirtschaft auf diese Weise abgebildet werden sollen. Doch bekanntlich sind solche Prognosen immer auch mit einer gewissen Vorsicht zu genießen und so empfiehlt sich auch im Krypto-Bereich die Anlage in verschiedene Assets parallel, um das Verlustrisiko zu streuen.

Die Zukunft von Ethereum

Ethereum bietet mit der Smart-Contract-Plattform eine turing-vollständige virtuelle Maschine. Denkt man die Prinzipien der Smart-Contracts weiter, könnte sich das Ethereum-Netzwerk damit langfristig zu einer Art von vernetztem Supercomputer weiterentwickeln. Die relativ einfachen Smart-Contracts die zum Beispiel auch im Bitcoin-Netzwerk möglich sind, können da absolut nicht mithalten. Ob allerdings diese Evolution des Ethereum-Netzwerks wirklich realistisch ist, steht momentan noch in den Sternen. Effizienz und Geschwindigkeit des Netzwerks reichen zumindest momentan noch nicht aus, um wirklich komplexe Rechenoperationen in vertretbarer Zeit umzusetzen.

Lohnt die Anlage in Ethereum oder doch eher Bitcoin?

Bitcoin ist als erste und größte Kryptowährung für Anleger weiterhin die attraktivste Anlage im Bereich der virtuellen Währungen. Das Ethereum-Netzwerk verfügt aber über viele Funktionen, die Bitcoin nicht oder nur sehr eingeschränkt bieten kann. Die Möglichkeit Smart Contracts fälschungssicher zu speichern und auszuführen ist dabei sicher die spannendste, aber auch das alternative ökonomische Modell der Netzwerkwährung Ether macht die Währung als Vehikel spannend. Der potenziell stabilere Preis des Ethers verspricht zwar keine so hohen Gewinne wie die Investition in Bitcoin, damit ist aber auch das Risiko große Verluste einzufahren verringert.