Auto-Schätze und viel mehr

Top Wuppertal: Malocher mit Privatmuseum

Alfred Thun ist Computer-Unternehmer der ersten Stunde, leidenschaftlicher Amateurfußballer und immer schon technikbegeistert. Jetzt hat er sich einen ganz besonderen Traum erfüllt - mit dem Aufbau eines privaten Oldtimer-Museums, in dem nicht nur ganz besondere Autos stehen.

Auf zwei Etagen eines ehemaligen Geschäftshauses im Wuppertaler Osten hat der 70-Jährige mit viel Liebe eine schier unfassbare Sammlung von Technik-Schätzen aus allen möglichen Bereichen zusammengetragen. Darunter auch viele historische Wuppertal-Objekte und ganz persönliche Erinnerungsstücke an ein Leben, das immer noch von außergewöhnlicher Tatkraft geprägt ist.

Hinter der von einem Schlosser individuell geschmiedeten Eingangstür zu Alfred Thuns "Schatzkammern" liegt tatsächlich eine ganz eigene Welt. Was gibt es hier nicht alles zu entdecken: Für Autofans zum Beispiel mehrere MG-Roadster aus den 1950ern und einen Opel P4, der gleich neben einem BMW 501 von 1955 steht. Betagte Krimi-Fans werden den "Barockengel" noch als Streifenwagen aus der historischen TV-Serie "Isar 12" kennen.

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Nicht ganz so betagt, aber trotzdem das Lieblingsauto der drei Enkel von Alfred Thun ist die 31 Jahre alte, für ihre weichen Stoßdämpfer berühmte Ente mit originaler "Charleston"-Lackierung. "Die steigen dann immer ein und rufen' Oppa, komm schaukeln!‘", lacht der Großvater über die Freude des Nachwuchses, wenn er kräftig an der Karosse rüttelt.

Wie alles in Alfred Thuns kleiner Technik-Welt sind auch die Oldtimer funktionstüchtig. Und woran hat er den meisten Spaß, wenn er sich selbst hinters Steuer setzt? Nein, nicht am rassigen Triumph TR3 von 1958, sondern am feuerroten Porsche Super Expert von 1963. Das ist allerdings kein Sportwagen, sondern ein Traktor. "Eine absolute Granate", sagt Thun, "den hier hat Ferdinand Porsche auch mal selbst gefahren." Wenn er damit einmal im Jahr zum Trecker-Treffen nach Hiddinghausen donnert, dann ist der rote Blitz einer der großen Hingucker und Alfred Thun in seinem Element.

Genau wie an den vielen, vielen Tagen, in denen er seit drei Jahren in seinem Privatmuseum herumwirbelt. Denn ihm geht es weniger ums Besitzen, als um die immer neue Beschäftigung mit kleiner und großer Technik und ihrer Einbettung in die bunte Ausstellungsvielfalt: "Mir macht es einfach Spaß, das alles zu gestalten." So hängen an dem Elektrofahrrad der Deutschen Post aus Berlin von 1955 noch Originalrechnung und Garantiekarte.

Auf dem Kofferhalter eines der historischen Roadster liegt Thuns Bundeswehrschlafsack aus der weltpolitisch haarigen Zeit des Prager Frühlings. Und am Lenkrad des Porsche Carrera im Miniformat, in dem einst Sohn Christian herumfuhr, sitzt ein beachtlicher Teddybär.

Christian Thun hat mittlerweile die Firmenleitung des väterlichen Betriebs übernommen, der 2019 sein 40-jähriges Bestehen feiert. "Das ist die älteste Computer-Firma im Bergischen Land. Ich habe von der Zeit der Lochkarten an alles mitgemacht", blickt der Gründer auf das für die Branche biblische Alter seines Unternehmens zurück. Vorher hatte er für Computer-Legende Heinz Nixdorf gearbeitet ("Bis heute ein Vorbild für mich, er ist immer ganz auf dem Boden geblieben.") und dann selbst den erfolgreichen Weg bis zum IT Dienstleister im digitalen Zeitalter gestaltet — unter anderem mit einer der ersten Toshiba-Laptop-Vertretungen in Deutschland.

Ein Relikt aus den Kindertagen der tragbaren japanischen Rechner ist ein Urviech mit der Typennummer 3200, das jetzt hier im Museum steht. Knapp neun Kilo Gewicht machen den Laptop-Dino eher unhandlich, aber bis heute läuft darauf das Programm, mit dem Alfred Thun ein weiteres Hobby verwaltete: seine Brieftauben ...

Und es sind noch so viel mehr Dinge zu entdecken im privaten Museum: Grammophone, alte Musikanlagen mit Markennamen wie SABA oder ITT Schaub Lorenz, historische Schreib- und Rechenmaschinen und immer mal wieder ein paar ganz persönliche Dinge. Thun zeigt seinen ersten Rasierapparat von 1965 und das kleinste Feuerzeug der Welt, das er sich als 15-Jähriger gekauft hat. Und holt dann ein anderes altes Schätzchen aus der Vitrine: "Mein erstes Radio. Nordmende Stradella. Habe ich bekommen, als ich zehn war. Da war ich so stolz drauf…"

Eine Tür weiter steht eine überdimensionale Modellbahnlandschaft mit 150 Zügen, die Thun einem Ronsdorfer abgekauft hat: "Die war so groß, dass ich sie zersägen und hier wieder aufbauen musste. Ich weiß nicht, wie viele Krämpfe ich da gekriegt habe." Für ihn kein Problem: "Ich bin ein Malocher und arbeite gerne."

Während er das erzählt, geht es an einer Spielzeug-Dampfmaschinen-Landschaft vorbei zu alten Sitzen und der Original-Steuerung aus dem Kaiserwagen der Schwebebahn. Man könnte noch beliebig weitermachen. Zum Beispiel mit der Music-Box, in der auf Knopfdruck Udo Jürgens "17 Jahr, blondes Haar" singt, den betagten Telefonen oder der langen Reihe mit ausrangierten Schildern alter Eisenbahn-Waggons. Und dabei ist die Sammlung noch lange nicht komplett.

Thun restauriert gerade ein 600er Fiat Cabrio ("mein erstes Auto") und ist noch auf der Suche nach einem Original VW-Bulli T1 und einem Porsche 956 Cabrio. Und auch die Computersammlung hat noch eine Lücke: "Ich möchte unbedingt noch einen alten Commodore 64", sagt Thun.

Vielleicht gibt es ja einen Leser, der einen anzubieten hat. Eine Führung durch das Privatmuseum düfte ihm im Gegenzug sicher sein.

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