Ev. Gemeinde Cronenberg Pfarrer Niklas Schier: Brückenbauer in die digitale Welt

Wuppertal · Als Gamer bringt Niklas Schier die digitale Welt in die Gemeinde. Am Sonntag (20. August 2023) wird er ins Pfarramt in der Reformierten Kirche (Solinger Straße 2) in Cronenberg eingeführt.

 Pfarrer Niklas Schier.

Pfarrer Niklas Schier.

Foto: Nikola Dünow

Ein Schreibtisch mit Computer und Headsets, Gaming Mikrofon, Maus und Tastatur hoch über den Dächern der Elberfelder City: Das war für ein Jahr der Arbeitsplatz von Niklas Schier. Gesehen haben ihn die Mitarbeitenden des Verwaltungsamtes der evangelischen Kirche in Wuppertal aber selten. Der 33-jährige Theologe hat gearbeitet, wenn andere Feierabend machten – und sich dafür an ihren Computer setzten.

„Ich bin leidenschaftlicher Gamer“, erzählt Niklas Schier. „Und dass ich das Projekt ‚Zocken für Jesus‘ im Kirchenkreis machen konnte, war toll.“ Eine Gaming-Community mit rund 300 Spielern im Alter zwischen 14 bis 40 Jahren hat der Theologe in seinem ungewöhnlichen Projekt, das von der rheinischen Landeskirche als „Erprobungsraum“ gefördert wurde, aufgebaut.

„Dabei streame ich Computerspiele über eine Internetplattform, während die Leute im Chat mit mir interagieren – auch über Themen wie die sieben Todsünden, Gottesbilder und die Frage, was uns zum Menschen macht.“ Viele kirchenferne bis kirchenfeindliche Menschen habe er so erreicht, mit denen er sonst nie in Kontakt gekommen wäre und intensive, oft seelsorgerliche Gespräche mit ihnen geführt, berichtet Niklas Schier.

Das „Zocken“ wird wieder zum Hobby

Nun hat er seinen Schreibtisch im Elberfelder Verwaltungsgebäude geräumt und ist mitsamt seiner Gaming- Ausstattung in die evangelische Kirchengemeinde Cronenberg umgezogen. Als neuer Gemeindepfarrer will er mit seiner Gaming-Community weiter in Kontakt bleiben, aber das „Zocken“ wieder zum Hobby machen und langfristig ein ehrenamtliches Team aufbauen, das ihn dabei unterstützt.

Gaming und Bibel – das schließt sich für Niklas Schier nicht aus.

Gaming und Bibel – das schließt sich für Niklas Schier nicht aus.

Foto: Niklas Schier

Am Sonntag wird Niklas Schier in sein neues Amt eingeführt. Dort – wie überhaupt in der Kirche – möchte er eine Brücke von der digitalen in die reale Welt schlagen – und umgekehrt. „Wir müssen uns Gedanken darüber machen, was es bedeutet Gemeinde zu sein und wie Gemeinschaft auch digital gelebt werden kann.“

Wichtig ist dem Theologen dabei, mit vielen verschiedenen Menschen ins Gespräch zu kommen und mit ihnen über das zu diskutieren, was sie bewegt. „Ich habe Spaß daran, Predigten zu halten, die auf positive Weise provozieren und berühren“, sagt er. So bemüht er auch durchaus mal Künstliche Intelligenz für eine Predigt und fragt danach, was einen Menschen ausmacht.

Engagement für eine lebenswerte Erde

Die Bewahrung der Schöpfung ist ein anderes großes Thema, das Niklas Schier bewegt. „Es ist unsere Verantwortung, nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Erde zu hinterlassen und das beginnt bei mir persönlich.“ Er selbst verzichtet aufs Auto und lebt vegan. Es sei für ihn erschreckend gewesen, die Auswirkungen des Klimawandels ganz unmittelbar in der Flutkatastrophe vor zwei Jahren in Wuppertal erlebt zu haben, erzählt er.

Bis heute begleitet er Menschen, die unmittelbar von der Flut betroffen waren. Ihnen zur Seite zu stehen, wie überhaupt für Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen da zu sein und ihnen Gottes Wort zuzusprechen, ist für Niklas Schier Kern seiner Arbeit als Pfarrer. „Das bleibt gleich, egal, ob ich in der digitalen oder realen Welt unterwegs bin“, sagt er.

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