„Sie hat Generationen von Schülerinnen und Schülern am Gymnasium am Kothen in Englisch und Französisch unterrichtet, war treues Mitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, gebildet, neugierig, reiselustig und belesen: Sigrid Hanni Wolf, geboren am 6. November 1932 am Oberwall 65, heiratete nie und nutzte die Freiheiten, die ihr die Berufstätigkeit und ihre familiäre Ungebundenheit bot. Nun ist sie hochbetagt am 26. März 2026 im Pflegeheim St. Remigius gestorben.
Sigrid Wolfs jüdischer Großvater, Georg Caro, der 1871 noch in Berlin geboren worden war und nach seiner Zeit als Kaufmann im ,Residenz-Kaufhaus‘ (Reka) in Dresden 1932 zur Geburt der Enkelin mit seiner Frau Johanna nach Wuppertal zog, stammte aus einer der berühmtesten Gelehrtenfamilien der jüdischen Geschichte: Der Rabbiner und Kabbalist Josef Karo verfasste im 16. Jahrhundert die auch heute noch maßgeblichen religiösen Vorschriften, wie sie im so genannten „Schulchan Aruch“ gesammelt sind. Auch dieser faszinierenden Familiengeschichte spürte Sigrid Wolf auf ihren Reisen in Spanien und Israel nach.
Ihr jüdischer Großvater Georg Caro starb am 14. Dezember 1944 als Opfer der letzten Deportation von Jüdinnen und Juden aus Wuppertal in Berlin. Sigrid Wolf teilte ihre Lebensgeschichte und die ihrer Vorfahren mit der Begegnungsstätte Alte Synagoge und war darum eine wichtige Zeitzeugin.
Die Begegnungsstätte Alte Synagoge und ihre Mitarbeitenden werden Sigrid Wolf in ehrendem Andenken bewahren.