Wuppertaler Stadtrat Breite Mehrheit für neuen Kämmerer Christian Wolf

Wuppertal · Christian Wolf wird neuer Kämmerer der Stadt Wuppertal. Der Rat wählte den 49-jährigen SPD-Mann am Montag (7. September 2026) mit großer Mehrheit – nur die fünf Mitglieder der Linksfraktion enthielten sich. Damit endet eine Personalsuche, die einen zweiten Anlauf gebraucht hat.

Der neugewählte Kämmerer Christian Wolf und Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (beide SPD).

Foto: Wuppertaler Rundschau/Tomas Cabanis

Wolf übernimmt eines der einflussreichsten Ämter im Rathaus: Als Stadtkämmerer verantwortet er den städtischen Haushalt, die Finanzplanung und den Jahresabschluss – und damit die Frage, was sich Wuppertal leisten kann und was nicht.

Der 49-Jährige nahm die Wahl dankend an. In seiner Antrittsrede sagte er: „Politik beginnt erst richtig, wenn die Kasse leer ist.“ Dass vom Kämmerer erwartet werde, auf das Geld zu achten, sei ihm bewusst – „und genau das werde ich tun“. Und trotzdem: Mit dem sprichwörtlichen Igel in der Tasche herumzulaufen und einfach weniger auszugeben, greife zu kurz, denn: „Wir alle wollen und müssen ja auch weiterhin die Stadt gemeinsam lebenswert erhalten und gestalten.“ Investitionen müsse es weiterhin geben. Als „mein Spielfeld“ beschrieb Wolf den Balanceakt zwischen den Vorgaben des Haushaltssicherungskonzepts und dem Erhalt der eigenen Gestaltungsfähigkeit.

Sieben auf einen Streich: Die Stadtspitze Wuppertals ist wieder komplett.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Tomas Cabanis

Vor den Aufgaben schrecke er nicht zurück, sagte er. Er gehe sie „mit großem Respekt, aber auch großem Optimismus“ an. Er freue sich darauf, seiner Heimatstadt und ihren Bürgern dienen zu können. Sein Schlusssatz: „Es gibt viel zu tun in Wuppertal – ich packe ab jetzt mit an.“

Leicht wird das nicht: Die Stadt steckt in der Haushaltssicherung, und schon der Doppelhaushalt 2026/27 ging nur unter Mühen durch – nötig waren langwierige Verhandlungen und am Ende eine Sondersitzung. Inzwischen liegt die Genehmigung vor. Bis der Etat wieder ausgeglichen ist, sieht das Haushaltssicherungskonzept einen Zeitraum von zehn Jahren vor. Parallel dazu warten Vorhaben, die erhebliche Summen binden: der Erwerb des Kaufhof-Gebäudes, das Pina-Bausch-Zentrum, dessen Kosten mittlerweile auf 161,2 Millionen Euro taxiert werden, und die Bundesgartenschau 2031.

Ulrich T. Christenn (Grüne, rechts auf dem Foto) übergibt Christian Wolf einen Tuffi-Elefanten als Willkommensgeschenk.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Tomas Cabanis

Als Wunschdatum für seinen Amtsantritt nannte Wolf gegenüber der Rundschau den 1. November. Offiziell steht der Termin noch nicht fest. Bis zu seinem Amtsantritt bleibt die Kämmerei in den Händen von Baudezernent Gunnar Ohrndorf, der sie seit Juli kommissarisch leitet.

Frei geworden war der Posten durch den Wechsel des bisherigen Kämmerers Thorsten Bunte, der Anfang Juli eine Aufgabe in Dortmund übernahm. Die Findungskommission präsentierte daraufhin Gerno Böll, Sozialdezernent in Brühl. Zu seiner Wahl kam es jedoch nicht: Anfang Juli erklärte er seinen Rückzug und verwies auf „persönliche Gründe“. Zuvor war bemängelt worden, dass ihm Erfahrung in einer Kämmerei fehle. Auch die Bezirksregierung soll als Aufsichtsbehörde Vorbehalte signalisiert haben.

Geboren wurde Christian Wolf 1976 in Barmen, das Abitur legte er an der Gesamtschule Vohwinkel ab. Heute lebt er mit seiner Frau und zwei Söhnen in Wülfrath. Beruflich ist Wolf bislang vor allem im Wissenschaftsbetrieb zu Hause. Seit 2017 verantwortet er die Finanzen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und ist zugleich Information Officer der Verwaltung; zuvor war er in der Wissenschaftsverwaltung und der IT-Beratung tätig. Der Sozialwissenschaftler studierte ebenfalls an der HHU und engagiert sich ehrenamtlich im Rheinischen Führungskolleg sowie bei den Wülfrather Ideen Räumen.