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Wuppertal: Sicherheitsdienst nach Messerangriff gekündigt

Messerangriff im Haus der Integration : Stadt wechselt den Sicherheitsdienst

Nach dem Messerangriff auf eine Mitarbeiterin des Hauses der Integration hat die Stadt dem dort bisher tätigen Sicherheitsdienst gekündigt. Das teilte Kämmerer Johannes Slawig am Donnerstag (18. August 2022) mit. Das Opfer ist inzwischen wieder zu Hause, leidet aber körperlich und psychisch noch unter den Folgen der Attacke.

Die 25-jährige Mitarbeiterin war am vorigen Donnerstag ns Krankenhaus gebracht worden, nachdem der mutmaßliche Täter, ein 20-jähriger Mann aus Syrien, sie durch Stiche mit einem Küchenmesser in die Schulter schwer verletzt hatte.

Laut Sozialdezernent Stefan Kühn kam die Frau zunächst auf die Intensivstation, wurde am Fretag auf die Normalstation verlegt und sei inzwischen wieder zu Hause. „Es geht ihr aber körperlich und seelisch nicht gut“, so Kühn. Auch die anderen Beschäftigten hätten psychisch intensiv mit dem Vorfall zu kämpfen: „So ein Ereignis vergisst man nicht mal so eben.“

Das machen auch 25 Krankmeldungen von Beschäftigten deutlich, die dazu führen, dass das Ausländeramt aktuell laut Ressortleiter Jürgen Lemmer nur zu etwa 50 Prozent besetzt ist. Allen Betroffenen habe die Stadt laut Kühn Gesprächsangebote gemacht und werde auch darüber hinaus für dauerhafte professionelle Hilfe sorgen.

Als erste Konsequenz aus dem Angriff hat die Stadt dem im Haus der Integration bisher tätigen Sicherheitsdienst gekündigt. Slawig zur Begründung: „Wir sind mit dem Auftreten des Sicherheitsdienstes in dieser Gefahrensituation nicht zufrieden.“ Ersetzt wird er durch ein Security-Unternehmen, mit dem die Stadt bereits in einem der schwierigsten Übergangsheime gute Erfahrungen gemacht hat. Es habe aber bei der Ausschreibung für die Aufgabe im Haus der Integration nicht den Zuschlag bekommen. Jetzt ist es dort doch im Einsatz – und soll mit acht statt den bisher vorgesehenen vier Kräften für Sicherheit sorgen.

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  • Das „Haus der Intergration“.
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Oberbürgermeister Uwe Schneidewind kündigte außerdem an, mit einem ganzen Maßnahmenpaket gegen die strukturellen Probleme im Haus der Integration anzugehen. Dazu gehören eine deutliche Vergrößerung der Eingangszone und die Aufstockung des Personals im Eingangsbereich. Schon vor dem Angriff hatte die Stadt den Stellenplan der Ausländerbehörde auf 100 Personen angehoben. „88 davon sind derzeit besetzt, fünf weitere Kräfte kommen am 1. Oktober dazu, weitere Positionen sind ausgeschrieben“, so Slawig. Wobei die schrittweise Einarbeitung der Neuen in die komplizierte Materie dauern wird.

Deshalb hat die Stadt den Bedarf jetzt nicht nur noch einmal auf 110 Stellen erhöht, sondern will sich auch darum bemühen, die weiter bestehende Personallücke auf neuen Wegen zu schließen. Slawig: „Wir haben mehrere an anderer Stelle in der Verwaltung tätige Kräfte mit Erfahrung aus dem Ausländeramt gefragt, ob sie vorübergehend auf freiwilliger Basis zurückkommen könnten. Außerdem sprechen wir Ruheständler aus dem Ressort darauf an, ob sie in Teil- oder Vollzeit helfen möchten.“

Zudem wolle man Zeitarbeitskräfte dauerhaft einstellen und bei den weiteren Stellenausschreibungen in Abstimmung mit dem Personalrat auf den üblichen Weg verzichten, die Positionen zunächst intern und erst danach extern anzubieten, um das Verfahren zu beschleunigen.

Das Ausländerressort betreut in Wuppertal rund 85.000 Kunden, die regelmäßig in langen Schlangen vor der Tür des Hauses der Integration an der Friedrich-Engels-Allee warten. Jürgen Lemmer erklärt das nicht nur mit der bekannten Flüchtlingsproblematik, sondern auch mit der Tatsache, dass wegen der komplizierter gewordenen gesetzlichen Regelungen immer mehr Menschen immer öfter vorsprechen müssen, um ihre Aufenthaltsgenehmigung erneuern zu lassen. Die Zahl der Menschen mit nur zwischen drei Monaten und drei Jahren gültigen Aufenthaltstiteln sei in den letzten Jahren erheblich gestiegen.