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Wuppertal: Neuer Tafel-Vorstand hat viel verändert

Neuer Vorstand hat viel verändert : „Die Tafel ist wieder da!“

Anfang des Jahres stand die Wuppertaler Tafel vor einem Scherbenhaufen. Der im April neu gewählte Vorstand hat damit aufgeräumt - und bittet jetzt um Unterstützung.

Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen leitende Mitarbeiter, massive finanzielle Rückforderungen des Jobcenters wegen mangelhafter Betreuung von Beschäftigten in Fördermaßnahmen, ein in die Kritik geratener und zudem gesundheitlich schwer angeschlagene Gründer, heiße Diskussionen über den Umgang mit Ehrenamtlern und am Ende ein vom Amtsgericht bestellter Notvorstand - bei der Wuppertaler Tafel war einiges zusammengekommen. Entsprechend viele Baustellen hatte der neue Vorstand des Tafelvereins seit seiner Wahl am 22. April zu bearbeiten.

Der Vorsitzende Peter Vorsteher: „Wir sind mit hohem zeitlichem Aufwand dabei, die Tafel wieder flott zu machen.“ Zu den ersten Maßnahmen gehörte vor dem Hintergrund der staatsanwaltlichen Ermittlungen die Trennung von drei Mitarbeitern. Außerdem kümmerte sich Schriftführerin Marianne Krautmacher, bis zu ihrem Ruhestand leitende Mitarbeiterin im Sozialamt, um die für die Tafel existenziell wichtige Kooperation mit dem Jobcenter. Die Behörde hatte der Tafel im Rahmen von Arbeitsintegrationsmaßnahmnen regelmäßig rund 50 Beschäftigte finanziert, deren Betreuung jedoch nicht den Vorgaben entsprochen haben soll. Deshalb stellte das Jobcenter Ende des Jahres die Maßnahmen ein und forderte Gelder zurück.

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„Wir haben eine Einigung darüber erzielt, wie wir den Betrag abarbeiten können“, vermeldete Peter Vorsteher jetzt im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Stadt Wuppertal. Außerdem soll der Verein wieder anerkannter Träger der Beschäftigungsmaßnahmen werden. „Wir sind dem Jobcenter sehr dankbar für die Chance, wieder einsteigen zu dürfen“, so Marianne Krautmacher. Bis zum Herbst hoffe man, die personellen Ressourcen wieder auf das gewohnte Niveau bringen zu können.

Ein „weiter so“ wird es dabei aber nicht geben. Um die Betreuung der Jobcenter-Kräfte auf das erforderliche Level zu heben, sucht man aktuell noch per Stellenausschreibung Sozialpädagogen und Anleiter, außerdem werden die vorhandenen Mitarbeiter fortgebildet und Schulungskonzepte festgelegt. Einen hauptamtlichen Geschäftsführer, der nach Auffassung des Vorstands das Sozialunternehmen professionell leiten soll, wird es aber (noch) nicht geben. „Wir müssen erst mal schauen, dass wir finanziell dazu in der Lage sind“ so Vorsteher.

Entsprechend hoch ist das Arbeitsaufkommen für den neuen ehrenamtlichen Vorstand. Der 2. Vorsitzende Werner Gottschall sei aktuell fünf Tage die Woche vor Ort, um neue Strukturen zu schaffen. „Genau genommen geht es darum, überhaupt welche zu schaffen“, sagt Gottschall selbst. „Am Anfang habe ich zu den Mitarbeitern gesagt ‚Ich habe den Eindruck, hier macht jeder, was er will’. Die Antwort war: ‚Ja, und das seit zehn Jahren’ ...“

Jetzt sind feste Organisationsformen, Abläufe und - mit Blick auf Vorkommnisse in der Vergangenheit - auch ein Verhaltenskodex eingeführt worden. Vorsteher: „Wer sich an Tafeleigentum vergreift, wird abgemahnt und gekündigt. Und Tafelfahrzeuge dürfen nicht mehr privat genutzt werden.“

Um die Tafel, die wöchentlich rund 17.000 kostenlose Mahlzeiten an Wuppertaler verteilt, wieder komplett in die Spur zu bringen, hofft der Vorstand jetzt auf weitere ehrenamtliche Helfer. Aktuell werden dringend Fahrer für Lkw über 7,5 Tonnen, Verkäufer für das Sozialkaufhaus und Schreiner für den Möbelaufbau gesucht.  Gleichzeitig strebt der Vorstand den Schuklterschluss mit Verwaltung und Politik an. So haben sich Oberbürgermeister Uwe Schneidewind, Bürgermeisterin Dagmar Liste-Frinker sowie die Bürgermeister Rainer Spiecker und Heiner Fragemann bereit erklärt, im Tafel-Beirat mitzuwirken. Die früheren Mitglieder dieses Gremiums waren bekanntlich im Zuge der Auseinandersetzungen mit dem inzwischen komplett aus dem operativen Geschäft ausgeschiedenen Tafel-Gründer Wolfgang Nielsen geschlossen zurückgetreten. Jetzt stehen die Zeichen auf Neuanfang. Peter Vorsteher: „DIe Tafel ist wieder da!“