Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium Wuppertal: Schülerfirma wird Genossenschaft

Schülerfirma „OIDR“ : Schüler, die Geschäfte machen

Am 14. Juni gründet sich aus Wuppertals erster Schülerfirma eine Genossenschaft. Klingt außergewöhnlich, ist es auch. Marina Wereschaev erklärt, wie sie als Schülerin zur Unternehmerin wurde und was sich hinter „OIDR“ für ein Angebot verbirgt.

„Wir sind ein Marktforschungsinstitut“, sagt die 16-jährige Marina Wereschaev. Ab diesem Zeitpunkt rückt das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium, in dem das Gespräch stattfindet, in den Hintergrund – und das Zimmer direkt neben der Mensa wird zum Konferenzraum eines wettbewerbsfähigen, jungen Konzerns.

Wir, das sind die Elftklässlerin und ihre elf Kollegen. Der Jüngste besucht am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium die neunte Klasse, der Älteste unterstützt die Firma aus Heidelberg, wo er nach seinem Abitur nun studiert.

Die Geschichte des Unternehmens begann sehr schulnah. Der ehemalige Rektor hatte die Idee, den unternehmerischen Geist in der Schülerschaft zu fördern, und rief eine Schülerfirma ins Leben, die in der Pause Schreibwaren verkaufte. Doch der Geschäftssinn der jungen Unternehmer wuchs schnell über den eigenen Schulhof hinaus.

Aber was können Schüler anbieten, was auch größere Kunden anziehen würde? „Unsere Meinung“, nennt Marina den zündenden Gedanken hinter der Firma „OIDR“ (Opinion Institute de Recherche). Denn für andere Marktforschungsinstitute stellen Schüler einer der begehrtesten, aber am schwierigsten zu erreichenden Gruppe dar. Für die Schülerfirma hingegen ist es kein Problem, den Schulhof für Umfragen zu nutzen. Die Vision war da, der erste Auftrag folgte bald: Für die Cronenberger Bürgervereine konzipierte die Schülerfirma einen Umfragebogen, den 1.200 Jugendliche ausfüllten.

„Das Ergebnis unserer Untersuchung für die Bürgervereine war, dass tatsächlich 60 Prozent der Schüler Interesse an einem Engagement in einem Bürgerverein hätten“, bilanziert Marina Wereschaev die Essenz ihres ersten Auftrags, „sie aber schlechthin nichts von deren Existenz wissen.“ Die fehlende Werbung sei das Problem, erklärt die 16-Jährige. Nun sei es an den Bürgervereinen, zu diesem Ergebnis eine Strategie zu entwickeln. Auftrag abgeschlossen, der Gewinn wird wieder direkt in das Unternehmen investiert. Ein Scanner muss her, der die Bögen einliest.

Schneller, effizienter – die Schüler wollen sich weiterentwickeln, um noch mehr Aufträge an Land zu ziehen. Weitere potenzielle Kunden sind bereits vorstellig geworden. Wer Interesse an der Expertise der Schüler hat, kann seine Wünsche äußern und bekommt einen individuellen Kostenvoranschlag ins Haus.

Die Mitarbeiter des „OIDR“ sind übrigens in der Erstellung sowie Durchführung durchaus kompetent: Geschult von einem externen Experten, haben sie das Wissen sowie zielgruppenzugehörig die eigene Intuition, um genau die richtigen Fragen zu formulieren.

Um die Schülerfirma auch in ihrem Grundsatz zukunftssicher aufzustellen, folgt nun aber erst einmal der Schritt zur Genossenschaft als offizielle Rechtsform, bei dem der Genossenschaftsverband sowie die Stadtsparkasse Wuppertal die Schüler als Unternehmenspaten hilfreich unterstützen.

Zu der Gründungsveranstaltung sind alle Wuppertaler willkommen. Und herzlich dazu eingeladen, den Erfolg mitzugestalten. Für 10 Euro kann ein Anteilschein erworben werden. So wird der Teilnehmer zum Gründungsmitglied, und das Startkapital der Genossenschaft wächst.

Ganz schön geschäftstüchtig, die Schüler-Unternehmer. „Genau darum geht es ja“ , sagt Marina Wereschaev . „Unternehmerisches Denken bereits jetzt zu stärken und junge Wuppertaler für die Wirtschaft fit zu machen.“

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