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Weihnachtsgrüße von Ilka Federschmidt und Stadtdechant Dr. Bruno Kurth

Superintendentin Ilka Federschmidt und Stadtdechant Dr. Bruno Kurth : Herz-liche Weihnachtsgrüße

Ein dickes rotes Herz in der Mitte. Ringsum Paare und Eltern und Kinder, die einander umarmen. Über dem dicken roten Herzen sieht man in großen Buchstaben: „Familie“. Berufsschülerinnen und Berufsschüler haben im Religionsunterricht ein Video aufgenommen, mit eigenen Zeichnungen. Verschiedene Stimmen verraten zu den Bildern: „Was ist mir an Weihnachten wichtig?“

Die einhellige Antwort: Meine Familie. Zusammen sein. „Familie und Freunde und das alles“, sagt einer. „Liebe deine Familie“, sagt eine Schülerin, „sie sind dein Geschenk Gottes.“

Es kommt cool rüber, und zugleich sehr berührend.

Weihnachten.

Jeder Mensch sehnt sich nach Geborgenheit, nach einem Zuhause, nach Heimat. Die Schülerinnen und Schüler malen in ihrem Video auf ihre Weise vor Augen, wie tief die Sehnsucht nach Willkommen-Sein ist. Vorbehaltlos angenommen, umarmt zu sein: Hier bist du richtig! Familie – nach Hause kommen.

Oft ist es nicht so. Das wissen wir.

Familien sind getrennt. Das Zusammensein wird ersehnt – und ist dann doch schwer auszuhalten. Es gibt Kränkungen. Enttäuschte Liebe. Zu-kurz-gekommen-Sein. Trauer. Auch Gewalt.

Weihnachten.

Der Blick wandert zu den Bildern vom Stall und von der Krippe. Maria, Josef, das Kind –Heilige Familie? Nichts war damals in Ordnung! Ein uneheliches Kind. Maria die Mutter. Josef nicht der Vater. Weit weg von ihrem Zuhause, unterwegs im Gedränge einer gewaltsam verordneten Volkszählung des römischen Kaisers. Eine improvisierte Notunterkunft.

Ungefragt kommen Hirten dazu, mit der Botschaft: Dies ist Gottes Kind.

Weise Gelehrte aus dem Nahen Osten ergänzen mit ihren Gaben für das Kind die seltsame Gesellschaft. In der Mitte das Jesus-Kind. Darüber müsste man das große, dicke rote Herz malen. Weihnachten, das heißt: In diesem Kind schlägt Gottes Herz für alle, die sich sehnen, die weinen, deren Welt nicht in Ordnung ist. In Jesus schlägt Gottes Herz für die zerrissene Menschheitsfamilie.

Weihnachten. Das ist die Einladung, das tolle Video der Schülerinnen und Schüler selber weiter zu drehen. Ein dickes rotes Herz Gottes mitten in die Familien, in das Zusammensein. In die Liebe – und in das, was schwer oder gar nicht auszuhalten ist. Da dürfen Geschenke ausgepackt werden, aber auch ganz ehrlich alles das, was nicht in Ordnung ist, was weh tut, enttäuscht. Weil: Da ist ja noch einer dabei. Unsichtbar. Sein Herz schlägt für uns, bei ihm sind wir vorbehaltlos willkommen.

Und das hat Wirkung: Josef, der geprellte Verlobte der Maria, reagiert nicht wie ein Macho – er entscheidet sich für die Liebe und wird Beschützer des Kindes. Maria schließt sich viel später dem Weg ihres Sohnes an, Gottes Liebe weit über die eigene Familie hinaus weiter zu geben.

Die Tagelöhner-Hirten werden auf einmal Prediger. Und die Weisen verweigern dem gewalttätigen König Herodes den Gehorsam. Menschen werden Boten für andere, damit sie Heimat finden und Gerechtigkeit.

Hätten sie alle nicht von sich gedacht. Wir denken an unsere Stadt. An die Menschenfamilie, durch die auch hier Risse gehen, Ängste und Befürchtungen vor der Zukunft lähmen. Sorgen vor den Anderen, den Fremden, sind oft noch größer als der Mut, sich zu begegnen und kennenzulernen.

Was könnte da wohl mit uns passieren, mit diesem großen, dicken roten Herzen Gottes, wenn wir es in die Mitte unserer Stadt zeichnen?Weihnachten, das ist die Einladung: Versuchen wir’s!

In diesem Sinn: Gesegnete Weihnachten Ihnen allen, Ihre Superintendentin Ilka Federschmidt, Ihr Stadtdechant Dr. Bruno Kurth!