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Verloren im Wuppertaler Schul-Dschungel?

Qual der Wahl : Verloren im Schul-Dschungel?

Auf welche weiterführende Schule soll mein Kind gehen? Diese Frage beschäftigt Eltern von Viertklässlern schon in normalen Zeiten. Doch dieses Jahr gleicht die Entscheidungsfindung einem Recherchemarathon. Es gibt es keine Besichtigungstermine, Tage der offenen Tür oder Elternabende. Der berühmte „erste Eindruck“ und das Gefühl des Kindes fallen damit als weiche Kriterien weg. Wie also können Eltern nun eine Entscheidung treffen?

Christine Du ist Mutter eines Viertklässlers. Sie hat sich viele Gedanken zur passenden Schulform und Schule gemacht. Letztlich lief alles auf die Meinung ihres Sohnes und zwei harte Kriterien hinaus. „Mir ist wichtig, dass die Schule in der Nähe unseres Wohnortes ist und dass mein Kind eine gute Chance hat, aufgenommen zu werden“, erzählt sie. Alleine diese Eingrenzung bedarf guter Orts- und Vorkenntnisse, weiß Schuldezernent Stefan Kühn: „Sich im Dschungel unseres Schulsystems mit den unterschiedlichen Schulformen zurechtzufinden, ist gar nicht so einfach.“ Die Stadt hat deshalb die Broschüre „Bildungswege in Wuppertal“ herausgegeben, in der sich alle weiterführenden Schulen vorstellen. Darin findet man auch Internetadressen.

Ob und welche Informationen die Schulen veröffentlichen, entscheiden sie in eigener Zuständigkeit, heißt es vom Schuldezernenten. Das erklärt, warum der Informationsgehalt der Homepages sehr unterschiedlich ist. Einige Schulen laden Kinder und Eltern zu virtuellen Rundgängen oder Online-Treffen ein. „Damit fühlen wir uns ziemlich gut informiert und mein Sohn hat sogar ein Gefühl für die Schulen bekommen“, lobt Petra Tischer, deren Kind die vierte Klasse besucht. Ein guter Imagefilm, so hat sie es empfunden, biete alles Wichtige in wenigen Minuten. Solch eine Außendarstellung gibt es aber nicht überall. Manche Schulen teilen im Internet lediglich mit, dass derzeit keine Veranstaltungen möglich seien, und auch die Beschreibungen zur Schule selbst sind dünn. In solchen Fällen sollten sich die Eltern mit ihren Fragen am besten per Telefon oder E-Mail an die Schule wenden, rät Richard Voß von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Leider sind nicht alle Schulen medial und personell so gut aufgestellt, dass sie sich um eine schöne Homepage kümmern können.“ Er weist darauf hin, dass es für die einzelnen Schulformen Flyer gibt, die an die Grundschulen verschickt wurden.

Damit die Eltern – zumindest bei der Wahl der Schulform – einen Anhaltspunkt haben, gibt es mit den Halbjahreszeugnissen vom vierten Schuljahr eine Schulform-Empfehlung. Welche das sein wird, erfahren Eltern bei den Sprechtagen, die im November stattfinden. Hauptschule, Realschule und Gymnasium sowie Mischformen wie „Hauptschul- mit eingeschränkter Realschulempfehlung“ stehen zur Auswahl. Die Gesamtschule wird nicht eigens ausgewiesen.

Neben den schulischen Leistungen geht es bei der Empfehlung auch um das Sozial- und Arbeitsverhalten der Schüler. Christine Du bewertet die Einschätzung der Klassenlehrerin als wichtig und hilfreich: „Die Lehrer haben noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Kinder. Sie sehen, wie sie sich im Unterricht verhalten.“ Denn nicht jede Schule einer Schulform ist für jedes Kind gleich gut geeignet. Mag das Kind lieber Naturwissenschaften oder Sprachen? Soll es den ganzen Tag betreut werden oder mittags nach Hause kommen? Arbeitet es gern in Gruppen? Gibt es Förderbedarf? Solche Fragen sollten bei der Wahl der neuen Schule ebenfalls berücksichtigt werden.

Außerdem sollten Eltern einen Plan B entwickeln, falls das Kind an der Wunschschule nicht angenommen wird. Gerade die Wuppertaler Gesamtschulen verzeichnen einen so großen Andrang, dass sie jedes Jahr Hunderte Kinder ablehnen müssen. Aber auch einzelne Gymnasien und Realschulen müssen eine Auswahl treffen. Die Stadt veröffentlicht die Zahlen der Anmeldungen und Neuaufnahmen im Ratsinformationssystem als Vorlage für den Schulausschuss.

Für Christine Du war der Überhang an Anmeldungen ein Grund, doch eine andere Schule als Favorit zu nehmen. Petra Tischer fasst die Schulwahl so zusammen: „Die Eltern müssen sich selbst um die Informationen kümmern und dann anhand der Informationslage eine Entscheidung treffen.“