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Spektakulär und poetisch

Spektakulär und poetisch

Zwei Stunden Höchstleistungen: 1.300 Zuschauer feierten im voll besetzten Zelt auf dem Carnaper Platz in Wuppertal-Barmen die Premiere des Circus "Flic Flac" mit stehenden Ovationen.

Schwachstellen oder Durchatmen sind im Jubiläumsprogramm "25 Jahre Höchststrafe" Fremdworte, das natürlich auch mit dem "Flic Flac"-Markenzeichen aufwartet: Den todesmutigen Motorradfahrern aus Kolumbien, Argentinien, Brasilien und Polen in der Wahnsinns-Stahlkugel mit nur 6,50 Metern Durchmesser. Sie dient beim Finale auch als Kulisse für die "Mad Flying Bikes", deren Piloten mit voller Geschwindigkeit von der zehn Meter lange Rampe (am Block 1, links) aus abheben und 20 Meter durch die Luft segeln. Nach Drehmanövern, Rückwärtssalti und Handständen im Flug landen sie dann scheinbar mühelos wieder auf der anderen Seite des Zeltes. Extremsport ist dafür noch eine harmlose Bezeichnung.

Es sind aber nicht nur die spektakulären "Luftnummern", die beeindrucken: Eher leise ging es bei der Diabolo-Show des 22-jährigen Nicolai Kuntz zu. Die Diabolos katapultierte er bis wenige Zentimeter unter das Dach des Zeltes, um sie dann mühelos wieder aufzufangen. Schon vorher war Kuntz am risikoreichen Schwungtrapez zu sehen. Ein kleines Wunder, denn am 22. September 2013 verunglückte Kuntz auf dem berühmten "Flic Flac"-Todesrad (diesmal nicht im Programm) und brach sich bei dem Absturz einige Rückenwirbel.

Der gebürtige Ungar Steve Eleky gehört mit seiner Comedy-Jonglage und den Magic-Darbietungen zum "Flic Flac"-Inventar. Es ist das Banale (sparsam-witzig-schottisch) und die Selbstironie, die das Publikum begeistert.

Wenn der Thüringer Hubertus Wawra in seiner Rolle als "Master of Hellfire" in den Umbaupausen auftritt, dann wird die Toleranzgrenze des Publikums einem schweren Test unterzogen: Das Premierenpublikum dieser Stadt konnte mit seinen verbalen Bomben gut umgehen. Wuppertal eben. Zum Lachen war das aber nicht immer, eher grenzwertig und ziemlich unerwartet an einem solchen Abend. Immerhin bewies der "Berufs-Ossi" ein feines Auge bei der Auswahl der jungen Dame aus dem Publikum für die "heiße Nummer" mit ihm. Ihr Auftritt wirkte allerdings wie bestellt oder zumindest abgesprochen...

Nicht nur das Finale bot Nervenkitzel in Reinkultur. Es ging schon spektakulär los. Als der Vorhang nach dem Hofgang aller Insassen die imposante Zellenkulisse freigab, waren die Häftlinge Musiker der Live-Band von Samuel Beck. Und es lohnt wirklich, die rockige Stimme der Sängerin Caro Kunde (agiert nicht nur stimmlich eindrucksvoll in der Zelle oben links) bei ihrer ersten "Flic Flac"-Tournee zu genießen.

"Flic Flac" hält sich für etwas Besonderes. "Flic Flac" ist etwas Besonderes. Auch 2015 auf dem kultigen Carnaper Platz in Barmen, um den Bürger dieser Stadt so sehr gekämpft haben. Bezirksbürgermeister Hans-Hermann Lücke konnte und wollte es sich nach der Premiere nicht verkneifen, das deutlich zu betonen und zu ergänzen: "Ich sehe hier gar keinen Schotter. Nur einen roten Teppich", ironisierte er in Gedanken an die Bemerkungen von Kämmerer Johannes Slawig über den Zustand des Platzes. Was auffiel, waren außerdem viele auswärtige Kennzeichen (nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung) an den Autos der Besucher...

(Rundschau Verlagsgesellschaft)