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Amtsgericht urteilt pro Mieter: Schimmel: "Der reinste Horror"

Amtsgericht urteilt pro Mieter : Schimmel: "Der reinste Horror"

Noch mehr Schimmel in der Wohnung, keine Heizung und immer noch Baustelle — seit März 2014 lebt Familie Bauer in unzumutbaren Zuständen. Jetzt hat das Amtsgericht ein Urteil gesprochen.

Es hat sich etwas getan im Mehrfamilienhaus Nr. 74 an der Engelshöhe. Die Eingangstür ist neu, das Treppenhaus renoviert, allerdings macht der Blick in die offen stehenden Wohnungen links und rechts stutzig: Heizkörper stehen unmontiert auf dem Boden, in den Bädern fehlen hin und wieder WCs, die frischen Tapeten sind beschädigt. "Vor etwa drei Monaten sind die Handwerker spontan abgerückt", berichtet Hans Bauer. So wie er sie verstanden hat, weil der Lohn für ihre Arbeit ausgeblieben sei. Als "Dank" hätten sie beim Abzug Tapeten zerkratzt und einige Sanitärutensilien mitgenommen.

Mit Ehefrau und Tochter lebt Bauer seit 2003 im Haus. Bis März 2014 angenehm, dann übernahm die Altro Mondo Immobiliengesellschaft aus Hannover das Gebäude und begann mit einer Kernsanierung. Nicht ohne Folgen: Das Dach wurde undicht, Feuchtigkeit zog in die Wände und sorgte in der Wohnung von Bauers für massive Schimmelbildung (die Rundschau berichtete).

"Es ist der reinste Horror", beschrieb seinerzeit Bauer die Zustände. Und die haben sich verschlimmert: Ob Schlafzimmer, Flur oder Küche, die Schimmelflecken sind, auch weil die Heizung nicht funktioniert, größer geworden. Dass konkret das Dach und ihre darunter liegende Wohnung nicht einmal ansatzweise saniert wurden, ist für Bauer Indiz, dass die Altro Mondo ihn aus dem Haus haben will. "Nach und nach sind alle Mietparteien gegangen, aber wir wollen hier nicht weg", sagt Bauer und erklärt, dass die Vermieter-Firma lange Zeit weder auf die Mietkürzung noch auf Schreiben seines Anwaltes reagiert habe. Bis vor einigen Wochen eine Räumungsklage kam ...

Bauers Anwalt Marcus Birker fasst die Geschehnisse danach zusammen: Die Klage sei vom Amtsgericht ebenso abgewiesen worden wie die Forderung von 10.000 Euro Miete, die Bauer einbehalten hatte. Im Gegenzug hat das Gericht die Immobiliengesellschaft dazu verurteilt, die Mängel in der Wohnung umgehend zu beheben. Jetzt ist Familie Bauer gespannt darauf, ob das erfolgt ...