Uni-Rektorin Prof. Dr. Birgitta Wolff „Wuppertal hat mir das Ankommen leicht gemacht“

Wuppertal · Seit dem 1. September 2022 ist Prof. Dr. Birgitta Wolff neue Rektorin der Bergischen Universität Wuppertal. Der richtige Moment für eine erste Bilanz im Rundschau-Interview mit Redakteurin Nina Bossy und Redaktionsleiter Roderich Trapp.

  Professor Dr. Birgitta Wolff dirigiert seit zehn Monaten das Geschehen an der Bergischen Universität Wuppertal.

Professor Dr. Birgitta Wolff dirigiert seit zehn Monaten das Geschehen an der Bergischen Universität Wuppertal.

Foto: Simone Bahrmann

Rundschau: Frau Wolff, knapp zehn Monate Wuppertal. Wie ist es Ihnen ergangen?

Wolff: „Sehr gut. Wuppertal hat mir das Ankommen wirklich leicht gemacht, genauso Solingen und Remscheid. Das Schöne ist: Ich bin nicht in einem Katastrophengebiet angekommen, im Gegenteil. Die Bergische Uni ist in einem sehr guten Zustand. Diesen guten Schwung heißt es nun fortzuführen.“

Rundschau: Welche inhaltlichen Themen möchten Sie prägen?

Wolff: „Ein Thema, das mir wirklich am Herzen liegt, ist die Intensivierung von Netzwerken. Wuppertal kann als Forschungsstandort noch erfolgreicher werden, wenn wir innerhalb der und über Uni-Grenzen hinaus noch stärker zusammenarbeiten. Intern müssen wir fakultätsübergreifend enger zusammenwachsen, um zum Beispiel noch mehr Forschungs- und Fördergelder zu generieren. Der Drittmittel-Anteil einer Universität gilt als Indikator für den Erfolg in der Forschung – da haben wir bisher keine schlechte Arbeit geleistet; der Trend stimmt, aber wir haben Nachholbedarf.

Wenn wir uns intern besser kennen, können sich überraschende neue, fachübergreifende Forschungsvorhaben ergeben, und wir können von den Erfahrungen aller besser profitieren. Dann verlieren zum Beispiel auch Formalitäten rund um einen EU-Förderantrag an Schrecken. Auch eine Vernetzung nach außen in die Forschungsgemeinschaft kann eine mittelgroße Uni wie Wuppertal gut voranbringen. Mitgliedschaft in internationalen Verbänden und Kooperationsverträge mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind Win-Win-Szenarien, von denen wir in Forschung und Lehre profitieren.“

Rundschau: Die Uni hat mit Ihnen eine neue Rektorin bekommen – nun kommt auch eine neue Kanzlerin. Welche Richtung möchten Sie mit Ihrer neuen Kollegin Dr. Ursula Löffler einschlagen – und wie wird dieser gemeinsame Weg besprochen und gefunden?

Wolff: „Die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Kanzler Roland Kischkel ist wirklich sehr gut. Und ich bin überzeugt, dass Ursula Löffler und ich genauso gut zusammenfinden werden. Sie bringt enorm viel Fachwissen und Erfahrung für alle Herausforderungen des Verwaltungsalltags mit, war hier ja auch schon sechs Jahre Leiterin des Finanzdezernats und kennt die Uni. Wir haben genug Vorbereitungszeit für einen nahtlosen Übergang. Ich freue mich darauf, mich mit ihr bald zusammenzusetzen oder einfach einmal einen Spaziergang zu machen, um die Zusammenarbeit zu besprechen.“

Rundschau: Wenn Sie an diesen Spaziergang denken, welche Themen liegen da oben auf?

Wolff: „Ich denke, eine riesige Zukunftsaufgabe ist es, unsere Verwaltung weiter zu digitalisieren und auch eine noch professionellere Personalentwicklung zu etablieren, um dem Fachkräftemangel auch bei uns vorbereitet begegnen zu können.“

Rundschau: Stichwort Fachkräftemangel. Gegen einen der Notstände in der Gesellschaft kann die Uni aktiv einen Beitrag leisten: Welche Antwort gibt die Bergische Uni auf den dramatischen Lehrermangel?

Wolff: „Unsere Antwort ist eine entschiedene. Wir haben zusätzlich 120 neue Studienplätze geschaffen, 80 für Grundschullehrer und 40 für Sonderpädagogik. Gleichzeitig intensivieren wir derzeit den Austausch mit den Rektoraten der Schulen in Wuppertal, um über gemeinsame Perspektiven zu sprechen und zu sehen, wie akademische Ausbildung und Berufsalltag noch besser aufeinander abgestimmt werden können. Mit ihrer eigenen Fakultät, der ,School of Education‘, kann unsere Uni sehr stolz auf ihre Lehrerausbildung sein. Das ist mir übrigens auch sehr wichtig – dass Uni gesellschaftliche Themen nicht nur bespricht, sondern auf wissenschaftlicher Ebene auch echte Problemlösungen anbietet.“

Rundschau: Machen wir einen Themen-Switch. Während der Pandemie war es an der Uni seltsam leer. Gleichzeitig gibt es mit der Rathaus Galerie und der Bundesbahndirektion bald gleich zwei zusätzliche Standorte. Wie viel Platz braucht die Uni? Und vor allem wo?

Wolff: „Die Uni wurde ursprünglich einmal für 7.500 Studierende konzipiert. Nun sind es über 22.000. Natürlich sind die Studierendenzahlen viel schneller gestiegen als die Uni räumlich gewachsen ist. Die Vergrößerung ist also eine Anpassung an den eigentlichen Raumbedarf. Mit den Entscheidungen für zwei weitere neue Standorte ist auch die bewusste Entscheidung einhergegangen, noch mehr ins Tal zu gehen und auch die Stadt mehr mitzuprägen. Wir freuen uns über die Bundesbahndirektion, ein wunderschönes Gebäude, direkt am Hauptbahnhof, aus dem auch unsere vielen Pendler-Studierenden strömen. Und in die Rathaus Galerie zieht mit dem Institut für Psychologie nicht nur die Uni ein. Hier entstehen auch konkret zwei Ambulanzen, die eine Antwort auf die langen Wartelisten für Behandlungen in der Psychotherapie für Kinder und Erwachsene geben.“

Rundschau: Forschung und Lehre sind für den Erfolg einer Uni entscheidend, für die Beliebtheit ist aber auch der Campus-Spirit wichtig …

Wolff: „Na klar ist der wichtig! Und den möchten wir weiter fördern. Im Sommer planen wir unter dem Motto „Drei Feste – (D)eine Uni“ mit dem Campus-Sportfest, dann dem ersten Sommerfest von und für Studierende und schließlich dem beliebten Street-Food-Festival für jedermann drei Veranstaltungen, bei denen sich die Studierenden mit ihren Initiativen gegenseitig besser kennenlernen und vor allem miteinander richtig feiern können.“

Rundschau: Apropos Uni-Leben: Wo überschneidet sich Ihr Leben mit dem der Studierenden? Wo kann man Sie in Ihrer Freizeit antreffen?

Wolff: „Außerhalb der Uni mache ich gerne lange Spaziergänge durch die hügelige Landschaft und probiere mich dabei durch die regionale Gastronomie. Ansonsten versuche ich, an der Uni wirklich präsent zu sein. Bei unserem Programm „Meet the Rector“ sitze ich beispielsweise zu einer offiziell bekannt gegebenen Uhrzeit in einer unserer Mensen und freue mich über alle, die sich zu mir gesellen, mir Fragen stellen und ihre Perspektiven teilen.“

Rundschau: Sie waren in den ersten Monaten auch im gesellschaftlichen Leben und auf Veranstaltungen enorm präsent. Wie viele Wochenstunden hat eine Uni-Rektorin zu meistern?

Wolff: „Eine 60-Stunden-Woche bin ich gewöhnt, und Überstunden gehören gewissermaßen zur Arbeitsplatzbeschreibung. Die Übergänge von Arbeit und Freizeit sind oft fließend. Ich nehme gern abends noch an Veranstaltungen für die Uni teil; das fühlt sich nicht wie Dienst an. Und wenn ich in meinem Urlaub meine Mails checke, müsste ich das sicherlich nicht. Aber ich bin nun einmal sehr neugierig …“