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Razzia: Polizei startet Großeinsatz gegen Islamisten

Razzia : Polizei startet Großeinsatz gegen Islamisten

Unter dem Deckmantel einer harmlos klingenden Koran-Verteilung soll die salafistische Vereinigung "Die wahre Religion" Kämpfer für den Dschihad rekrutiert haben. Am Dienstagmorgen (15. November 2016) wurden bundesweit Razzien durchgeführt.

"Auch in Wuppertal finden Maßnahmen statt", bestätigt eine Polizeisprecherin auf Rundschau-Nachfrage.

Symbolfoto. Foto: Bundespolizei

Nach Informationen der Wuppertaler Rundschau sind von den Ermittlungen auch mehre Angeklagte aus den Reihen der sogenannten Scharia-Polizei betroffen. Die Männer müssen sich wegen eines mutmaßlich uniformierten Auftritts in Elberfeld derzeit vor dem Landgericht verantworten. Sie sollen zusätzlich seit 2015 mehrfach an Koran-Verteilständen im Stadtgebiet beteiligt gewesen sein.

Es ist eine der größten Razzien, die Deutschland je erlebt hat: In zehn Bundesländern und an über 200 Orten schlägt die Polizei an diesem Dienstag Morgen seit 6.30 Uhr gleichzeitig zu. Die Beamten durchsuchen Wohnungen und Büros, Lager und auch Moscheen, um Material sicherzustellen und letzte Beweise für die Verfassungsfeindlichkeit jenes Vereins zu dokumentieren, der auf Verfügung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gleichzeitig verboten worden ist.

Dem Verfassungsschutz zufolge waren die Ermittler unter anderem in Düsseldorf, Neuss, Dortmund, Essen, Bochum, Wuppertal, Pulheim, Gelsenkirchen, Hagen, Bonn und Recklinghausen aktiv. Zudem gab es Durchsuchungen in Aachen, Düren und Eschweiler, so der Pressesprecher der Polizei Aachen, Werner Schneider. In diesen Städten und in Mönchengladbach wurde ein Vereinsverbot ausgesprochen.

An dem verfassungsfeindlichen Charakter der Vereinigung besteht nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz kein Zweifel. "Sie vertritt eine Ideologie, die die verfassungsmäßige Ordnung ersatzlos verdrängt, befürwortet den bewaffneten Dschihad und stellt ein bundesweit einzigartiges Rekrutierungs- und Sammelbecken für dschihadistische Islamisten sowie für solche Personen dar, die aus dschihadistisch-islamistischen Motivationen nach Syrien beziehungsweise in den Irak ausreisen wollen", heißt es in einer Einschätzung des Kölner Bundesamtes.

140 Dschihadisten gehen aus der Vereinigung hervor

DWR und die von ihr organisierte Koran-Verteilungsaktion "Lies!" sind nach den Ermittlungen der Sicherheitsbehörden allein für den Einstieg von mindestens 140 Personen in den Dschihad verantwortlich — also brandgefährlich auch für die Sicherheit in Deutschland. Das Werben für den Koran in der verteilten deutschen Übersetzung sei "nur die Fassade". Das wird von den Sicherheitsbehörden auch nicht beanstandet. Problematisch sei hingegen der damit verbundene Anspruch, bei dieser extremistischen Auslegung des Korans handele es sich um die einzig wahre und von Allah vorgegebene Interpretation.

"Es geht bei ,Lies!‘ eben nicht darum, den Koran zu verteilen. Jeder fünfte Salafist, der aus NRW in die Gebiete des sogenannten IS ausgereist ist, um sich dort Terrorgruppen anzuschließen, hatte zuvor Kontakt zu ,Lies!‘. Das zeigt: Dahinter stecken fanatische Extremisten, die gezielt radikalisieren und rekrutieren wollen. Mit dem bundesweiten Verbot haben wir jetzt endlich eine zuverlässige rechtliche Handhabe, damit die Stände aus unseren Fußgängerzonen verschwinden."