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Philatelistische Bibliothek: Ein Kult-Ort für Liebhaber

Philatelistische Bibliothek Wuppertal : Kult-Ort für Liebhaber

Ziemlich versteckt liegt sie, die Philatelistische Bibliothek Wuppertal, auf dem ehemaligen Happich-Gelände. Wer sie besuchen will, sollte sich am besten direkt am Eingang des riesigen Areals an der Konsumstraße von deren Mitbegründer Hans-Jürgen Dobiat abholen lassen.

Gut 20.000 Bücher, Kataloge und Zeitschriften rund ums Thema Briefmarkensammeln hat die Bibliothek zu bieten. Ihre Gründung ist eigentlich Dobiats Tochter zu verdanken. Denn für die heute 26-Jährige musste der Wuppertaler nach ihrer Geburt sein „Briefmarkenzimmer“ räumen. „Sie brauchte ja auch Platz“, sagt er und lacht. Seine Bücher mussten also „ausziehen“ – und Dobiats eigener Bestand von damals 613 Büchern bildete den Grundstock der heutigen Bibliothek.

Der Standort an der Konsumstraße 45 ist mittlerweile schon der dritte seit 1998. Zuerst gab es Räume in einer Stadtteilbibliothek, später in der ehemaligen Sagan-Kaserne an der Lise-Meitner-Straße. Doch dort wurde es zu eng, zudem war Dobiat buchstäblich fast von einem Regal voller Bücher erschlagen worden, als es zusammenbrach. „Gerade, als ich neues Material einsortieren wollte.“ Der Wink mit dem Zaunpfahl, „dass wir was Neues brauchten“, blickt er schmunzelnd zurück.

Auf 190 Quadratmetern hat die Bibliothek jetzt seit 2019 ihre Heimat dort, wo früher die Konsumgenossenschaft „Vorwärts-Befreiung“ ihren Sitz hatte. 1978 übernahm Happich die insgesamt gut 200.000 Quadratmeter, die durch die Clausenstraße geteilt werden, ehe seit 2009 schließlich die Geba-Gruppe das Gelände Stück für Stück erwarb und einen Gewerbepark entwickelte. Mehr als 40 Mieter sind dort mittlerweile untergebracht. Unter anderem ließ die Geba erst 2020/21 ein neues Druck- und Verteilzentrum für die Barmer Ersatzkasse bauen.

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„Wir haben allerdings auch ein Herz für die Kleinen“, sagt Geba-Geschäftsführer Michael Hagenkötter – wie eben die Philatelisten. Auch Wuppertals Kulturdezernent Matthias Nocke lobt die Bibliothek. „Das ist ein Stück Kulturgut, und ich freue mich, dass Wuppertal so etwas bieten kann.“

Das Bibliotheksangebot kann sich sehen lassen, ist Dobiat stolz. Etliche Regalmeter sind mit Katalogen zugestellt. Das älteste Werk aus dem Bibliotheksbestand stammt sogar vom Ende des 18. Jahrhunderts. Und wer es exotisch mag, der kann auch Literatur auf Koreanisch ausleihen. An Nachschub mangelt es nicht, wie Dobiat erzählt. Kartonweise komme der, etwa aus Nachlässen.

Und wer nicht lesen, sondern gucken will, für den hat Mitarbeiter Thomas Prüß liebevoll einen antiken preußischen Briefkasten restauriert. Zudem erinnert der Verein an Wuppertals reiche Historie, als Briefmarken & Co. noch die Massen anlockten. Etwa zur Naposta, die Nationale Postwertzeichen-, also Briefmarken-Ausstellung, die 1951, 1976 und 2001 im Tal der Wupper stattfand – jeweils im Jubiläumsjahr der Schwebebahn.

Dass die glorreichen Zeiten für das Briefmarkensammeln eher vorbei sind, können Dobiat und seine Mitstreiter nicht verhehlen. Corona habe allerdings, ist Helmut Klamra, der letzte Briefmarkenhändler in Wuppertal und ebenfalls Helfer in der Bibliothek, überzeugt, dem Hobby sogar wieder einen kleinen Auftrieb gegeben. „Die Leute hatten einfach mehr Zeit“, sagt er. Auch die Zahl der Ausleihen in der Bibliothek sei gestiegen, kann Dobiat stolz vermelden.

Seine Tochter hingegen habe mit Briefmarken „gar nichts am Hut“, sagt er. Dafür hat Dobiat aber mittlerweile sein altes Briefmarkenzimmer wieder zurückbekommen ...