"Jung und politisch": Linksjugend: Immer offen für Gespräche

"Jung und politisch" : Linksjugend: Immer offen für Gespräche

Unsere Serie "Jung und politisch" geht weiter: In Wuppertal stehen die Menschen zusammen — so sieht es Till Sörensen. Deswegen engagiert er sich politisch bei der Linksjugend für seine Stadt.Zusammen steht Till Sörensen auch mit seiner Mitstreiterin Meike Schotten, und zwar vor den Türen des Café Ada in Elberfeld.

Den Ort haben sie ausgewählt für das Treffen mit der Rundschau. Warum? Weil sich vor zwei Jahren, also 2016, die Linksjugend genau an dem Tisch, an dem das Foto von Till und Meike entstand, gegründet hat.

Jung ist die Parteiorganisation und dementsprechend sind auch ihre Mitglieder noch etwas wackelig unterwegs auf politischem Terrain. Das wird deutlich, als die Rundschau sie nach ihrer Meinung zur Auflösung der Großen Koalition fragt, und nach ihren Wünschen für Wuppertals politische Zukunft. "Auf jeden Fall mehr von uns", sagt Meike, 26 Jahre alt, Lehramtsstudentin. Und dann: "Eigentlich bin ich da nicht so im Thema." Till kann ihr auch nicht helfen. "Ich war gestern leider nicht bei der Vorstandssitzung", erklärt der 21 Jahre alte Pflegeassistent fast schon entschuldigend. "Aber ich hoffe, dass sich Grüne und SPD mehr auf soziale Standards einigen", ergänzt er.

Nun gut. Lieber mal runter vom Glatteis und zurück auf festen Boden: Der Motivation für Meikes und Tills politisches Engagement. Bei Meike Schotten entstammt sie ganz klar dem Wahlergebnis der AfD. "Da dachte ich mir, jetzt muss ich etwas machen."
Bei Till war es ein schleichender Prozess. Schon in der Schulzeit keimte ihn im der Wunsch, sich für etwas einzusetzen. Irgendwie hat er es aber nie geschafft, ein Parteiprogramm zu lesen, erzählt er. Das Programm der Linken hat der 21-Jährige zwar auch nicht gelesen, die Erzählungen des Parteivorsitzenden reichten aber aus, um ihn zu überzeugen. Neben den Linken kamen für Till sonst sowieso nur noch die Grünen in Frage. "Aber ich wusste, die würden wieder alles über Bord schmeißen, sobald sie in die Position kommen, zu regieren", kommentiert er.

20 Mitglieder zählt die Linksjugend aktuell, davon zehn Aktive. "Eine 50-Prozent-Quote. Eigentlich nicht schlecht", findet der junge Politiker. Bei der Frage, wofür die Mitglieder sich aktiv in Wuppertal einsetzen, reagieren Meike und Till wieder etwas verunsichert. "Wir haben uns für die Bushäuschen an der Morianstraße stark gemacht", fällt Meike dann ein. "Und wir wollen eine Hochschulgruppe gründen."

Viel zu sehen und zu hören ist von der jungen Parteiorganisation noch nicht, aber zumindest an Engagement mangelt es ihnen nicht. Auf ihrer Facebook-Seite ruft die Linksjugend zur Teilnahme an diversen Demonstrationen auf. Wenn sie sich treffen, diskutieren sie über Aufreger-Themen wie den Döppersberg, die Seilbahn und natürlich über soziale Gerechtigkeit.

"Wer sich insbesondere für soziale Gerechtigkeit interessiert, der ist genau richtig bei uns. Wir sind immer offen für Gespräche", so die 26-jährige Meike. Viele von ihren Freunden, das weiß Meike, haben einen falschen Eindruck von den Linken. "Sie ordnen uns oft etwas radikal ein. Das ist aber nicht so."
Tills Freunde wissen besser, womit er sich in seiner Freizeit beschäftigt. Der Linksjugend beitreten wollen sie aber trotzdem nicht. "Sie kommen mit den Parteistrukturen nicht zurecht", sagt Till. Lieber laufen seine Freunde bei Demonstrationen mit, als in Sitzungen des Schulausschusses zu diskutieren.

"Kennst du das Motto, das man bei Instagram überall liest? 'Lebe so, dass die AfD sich darüber ärgern würde‘. So leben meine Freunde und so lebe ich", sagt Till. Ob diese Lebenseinstellung in Tills Zukunft mit der Politik als Beruf vereinbar sein wird, das weiß der 21-Jährige noch nicht. "Alles kann, nichts muss", antwortet er auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen.
Meike hingegen weiß schon jetzt, dass sie nach ihrem Studium Lehrerin, und nicht Politikerin werden möchte. "Aber wenn es hier den Bach runtergeht, dann schwenke ich um auf die Politik.".
Zum Abschluss haben wir Meike Schotten und Till Sörensen gebeten, für uns den Satz zu beenden "Wuppertal hat Zukunft, weil ..." Das Ergebnis sehen Sie im Video:

In unserer Reihe "Jung und politisch" fragen wir junge Wuppertaler, was sie in die Politik gebracht hat und was sie denken — über die politische Zukunft unserer Stadt.

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