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Raus "Wuppertaler Jungs" erzählen: Johannes Raus "Bodyguards"

Raus "Wuppertaler Jungs" erzählen : Johannes Raus "Bodyguards"

"Wuppertaler Jungs" wollte Johannes Rau um sich haben, als er 1978 zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Warum? "Mit Wuppertalern fühlte er sich einfach wohler", sagt Michael Homberg. 14 Jahre lang stand er als Personenschützer an Raus Seite.

Wenn Michael Homberg und Uwe Schoch aufeinander treffen, dann kichern die mittlerweile 74-Jährigen wie junge Männer. Schnell schwelgen die Kollegen in Erinnerungen, an Skatrunden mit Johannes Rau in den Karpathen und an Urlaube mit dem Ministerpräsidenten auf der Nordseeinsel Spiekeroog.

Michael Homberg und Uwe Schoch - mit fast 74 Jahren nun in zivil, aber immer noch befreundet. Foto: Bahrmann

Ein "feiner Kerl" sei Rau gewesen, "menschlich" und ein "Christ durch und durch". Viel erlebt haben Schoch und Homberg mit ihm. Einiges davon ist im Gedächtnis geblieben, wie der Besuch bei der WAZ in Essen. "Rau ist rein, wir blieben vor der Tür und gingen dann schnell einen Kaffee trinken." Doch das Gespräch mit den Journalisten dauerte nicht lang. Rau kam nach kurzer Zeit wieder heraus und saß ohne Personenschutz schon im Auto, als Schoch und Homberg vom Kaffee-Päuschen kamen. "Da beschwerte er sich natürlich. Aber nur ein einziges Mal. Nachtragend war er nämlich nie." Ein, zwei Fauxpas sind Raus "Kriminellen", wie er seine Personenschützer nannte, sicher unterlaufen. Zur Familie gehörten sie aber trotzdem. Und so spielten die "Kriminellen" im Urlaub mit den Kindern am Strand, oder Michael Homberg ging mit Ehefrau Christina reiten.

Obwohl Rau unter "Gefährdungsstufe eins" lief, wurde es eigentlich nie brenzlig mit ihm. "Ein, zwei Situationen hat es schon gegeben", sagt Homberg. "Aber das sind Interna, darüber dürfen wir auch heute nicht sprechen."

Worüber er stattdessen sprechen darf, ist ein Ausflug mit Rau zur Messe in Köln. Am dienstfreien Sonntag kam der Anruf: "Herr Homberg, haben Sie heute Zeit für mich? Heute ist Herrenmodemesse, da würd' ich gerne hin. Aber erzählen Sie davon niemandem."

Auch beim Radeln immer im Blick. Michael Homberg rechts direkt neben Johannes Rau mit dem Fahrrad auf Spiekeroog. Foto: privat

Auf der Messe wurde Rau dann allerdings schnell erkannt. Die Veranstalter drängten ihn, ein Grußwort zu halten. "Halb zog es ihn, halb schob man ihn zum Reden in die Bütt", erinnert sich Homberg. Und dann legte Rau los und sprach eine Stunde lang über Mode, "fing in der Bibel an und ging bis heute". Denn reden, das konnte der Ministerpräsident. "Auch wenn er den Abend mit uns vorher Bier und Wodka-Feige trank." Am nächsten Tag sprach er fehlerfrei.

Für einen Spaß zu haben war er auch, der NRW-Ministerpräsident. Als Uwe Schoch im Kosakenkostüm zum Dienst antrat, lachte er und fragte: "Na Schoch, haben Sie gleich wieder einen Auftritt?" Denn als Teil des Duos "Joscha und Uwe" geht Schoch noch heute mit russischer Folklore auf Kreuzfahrten, singt in Wuppertal und im ganzen Land. Davon abgesehen legte Rau jedoch Wert auf Hemd und Krawatte. "Picobello hatten wir auszusehen", erinnert sich Homberg. Trug der Personenschützer Lederjacke, fragte Rau: "Haben Sie heute frei?"

Und "frei" hatten Schoch und Homburg selten. 1.378 Überstunden zählte Uwe Schoch am Ende seiner Dienstzeit. 80 Überstunden im Monat gehörten fast schon dazu. Als Ausgleich reisten die Wuppertaler Polizisten in der ganzen Welt herum, übernachteten im Hotel Kempinski und trafen Prominente wie die schwedische Königin.

Als Rau nach Berlin zog, blieb Homberg in Wuppertal. Uwe Schoch war da schon nicht mehr im Personenschutz-Dienst. Zum Abschied schrieb der Ministerpräsident seinen "Bodyguards" eine persönliche Urkunde. Die hängt noch heute neben unzähligen Fotos an einer Wand in Hombergs Keller.