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Meinung: Ein fader Beigeschmack bleibt

Meinung : Ein fader Beigeschmack bleibt

Ein Kommentar zum ausfallenden verkaufsoffenen Sonntag (aktualisiert am 3. November).

Was für ein Paukenschlag: Die verkaufsoffenen Sonntage sind via Eilentscheid gecancelt. Bei der Stadt ging man bereits vorab davon aus, dass das Verwaltungsgericht Düsseldorf die beiden geplanten verkaufsoffenen Tage im November und Dezember untersagen wird. Gestern Abend kam dann die Entscheidung.

Dass die verkaufsoffenen Tage nicht stattfinden, ist schade für die, die gerne am arbeitsfreien Sonntag durch die Geschäfte bummeln wollen. Und schade für die durch das Internet eh gebeutelten Einzelhändler, die sich mit sonntäglichen "Eventshopping" Marktanteile zurück erobern möchten. Schön ist diese Entscheidung für die Verkäufer, denen "ver.di" das ausgiebige Sonntagsfrühstück und den Familienausflug rettet. Und schön für die, die meinen, der Sonntag sei als Ruhetag unantastbar.

Man mag der einen oder anderen Fraktion nahe stehen, es wird ein fader Beigeschmack bleiben. Denn der kurzfristige Paukenschlag hat das Verhältnis zwischen Gewerkschaft und Einzelhandel schwer erschüttert. Und das ist das eigentliche Dilemma. Anstatt gemeinsam und vernünftig zwischen den unterschiedlichen Interessen abzuwägen, hat die Holzhammermethode zugeschlagen. Und das ist schlecht für Wuppertal.

  • ver.di-Klage : Verwaltungsgericht entscheidet gegen verkaufsoffenen Sonntag
  • Leser : Fader Beigeschmack
  • Symbolfoto.
    Einzel-, Groß- und Außenhandel : ver.di fordert in Wuppertal zum Streik auf

Die verkaufsoffenen Sonntage 2016 waren von allen Beteiligten, auch von ver.di, bereits im Sommer 2015 abgestimmt worden. Mit zugegebenermaßen belanglosen Motti — die eigentliche Attraktion war meist, dass die Läden eben geöffnet waren. Das war gesetzlich so nicht vorgesehen, ging aber in den Vorjahren ohne großes Murren über die Bühne.

Für 2017 hatten Einzelhändler und Stadt zwar eine Abkehr von dieser Praxis angekündigt, doch das reichte dem streitlustigen Wuppertaler ver.di-Chef Kolle nicht. Er nutzt die sich kurzfristig ergebende Chance, Handel und Shopper auszubremsen. Anders übrigens als seine Kollegin in Remscheid, wo der kommende Sonntag verkaufsoffen ist und bleibt. Eine klare Linie ist da nicht erkennbar.

Es bleibt eine dringende Bitte: Zurück an den Verhandlungstisch! Wuppertal braucht einen möglichst gesunden Einzelhandel und eine wirklich attraktive Erlebnisqualität für seine Innenstädte. Und das brauchen beide Fraktionen! Ach übrigens: Im Internet ist sieben Mal die Woche 24 Stunden lang verkaufsoffen...