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Der Fluss wird immer naturnaher: Die Wupper wieder zurückerobern

Der Fluss wird immer naturnaher : Die Wupper wieder zurückerobern

Während sich die rheinischen Metropolen mit ihrem Strom schmücken, hat Wuppertal mit seiner Wupper eher ein Imageproblem. Das soll — Stichwort Renaturierung — nicht mehr lange so bleiben.

Noch heute erleben Touristen aus der Schwebebahn eher nur die Kehrseite der Stadt. Dagegen setzt die Stadt mit ihrem Strategiepapier "Wuppertal 2025" den "Perspektivwechsel Wupper" — 15 Kilometer naturnahe Entwicklung.

Die "Lebensader Wupper" wurde erstmals 1987 propagiert und das Jahrhundertprojekt aufs Handlungsgleis gesetzt. Damals war den Initiatoren klar, dass Verbesserungen nur etappenweise gelingen können, denn vielfach gehört das Wupperufer privaten Eigentümern. Es zeigte sich jedoch, dass sich immer wieder Umgestaltungsmöglichkeiten ergeben, die genutzt wurden. Gegenwärtig wird die Wupper rekultiviert, um die Fließgeschwindigkeit zu reduzieren und bessere Bedingungen für Fische zu schaffen. Der Wupperverband arbeitet im Auftrag der Stadt und investiert in diesem Rahmen 400.000 Euro.

Zur Projektgruppe gehören das Stadt-Ressort Umwelt, Grünflächen und Forsten, Fischerei-Genossenschaft, Wasser- und Landschaftsbehörde, Land, Eigentümer sowie ein Planungsbüro. Zuerst wurde der 2,5 Kilometer lange Abschnitt Laaken-Heckinghausen renaturiert, der Bereich Pfälzer Steg/Alter Markt ist in Arbeit. 2017 folgt der Döppersberg und 2018 der Bereich Bayer. Neun Kilometer sind das Ziel.

Die Halbzeit wurde mit Landesumweltminister Johannes Remmel am neuen Wupperzugang im Rauental gefeiert. Nachdem Oberbürgermeister Andreas Mucke das Engagement vieler Bürger beim Wupperputz und als Wupperpaten gelobt hatte, versprach er: "Wir wollen Verbesserungen und schaffen das!" Minister Remmel betonte die große Aufgabe, dass gegenwärtig 80 Millionen Euro ("Geld der Bürger") für die Renaturierung von Flüssen ausgegeben werden — und dass es bis 2027 insgesamt 2,1 Milliarden sein sollen. Remmel: "Es ist wichtig, dass Wuppertal sich zur Wupper bekennt, sich ihr zuwendet, seinen Fluss zurückerobert und der Artenvielfalt eine Chance bietet."

Georg Wulf, Chef des Wupperverbandes, sagte die Fortsetzung der Renaturierungsarbeiten zu und zeigt sich gemeinsam mit Dezernent Frank Meyer einig, die Vermüllung zu reduzieren, durch Wasserwirtschaft die Wasserqualität zu verbessern und mehr "Naturerlebnisse" zu ermöglichen. Beim Ortstermin waren Fischreiher und eine Entenfamilie ganz in der Nähe unterwegs …

In den vergangenen zehn Jahren wurden neue Zugänge und Erlebnis-orte geschaffen. Ein neuer, ursprünglicher Betriebszugang im Rauental soll zu einem kleinen "Rauentaler Mühlenpark" entwickelt werden. An der Rosenau in Oberbarmen wurde der beliebte "Wupperstrand" ausgebaut. Der Spielplatz am Matagalpa-Ufer erlaubt einen schönen Blick. An der Junior-Uni ist ein neuer Zugang entstanden, der sogar Unterrichtszwecken dient. Westlich des Robert-Daum-Platzes hat die Firmengruppe Küpper als Investor den Fluss umgestaltet und einen Wupperweg angelegt. Im Abschnitt Rutenbeck gibt es vier Zugänge und Parkbänke mit Blickbeziehung zur Wupper.

Mit Geld aus der "Regionale 2006" wurden schon vor Jahren am Beer-Sheva-Ufer, South-Tyneside-Ufer, Arbeitsamt Hünefeldstraße, Helene-Stöcker-Ufer und Islandufer Zugänge und Balkone angelegt. Für sein Ressort Umweltschutz zeigt sich Reinhard Gierse stolz: "Mit dem Einsatz von Wupperverband, Stadt und Land sind schöne Erlebnisorte entstanden, obwohl die finanziellen Mittel begrenzt sind."

Dass sich seit zwei Jahren der Verein "Neue Ufer Wuppertal" um seine Vorsitzende Dajana Meier mit dem Jahrhundertwerk beschäftigt, sieht die Stadt nicht als Wettbewerb: Vielmehr wünscht und praktiziert man ausdrücklich eine intensive Partnerschaft. Dajana Meier mobilisiert Partner, die Ufergeländer streichen, Bruthäuser bauen und das Flutufer neu gestalten halfen. Nach dem Motto "Lasst uns an den Fluss gehen" empfindet sie sich mit ihrem Verein als Lokomotive für den Stadtfluss der Zukunft: Nähe, Anfassen, Sichtbarkeit — und viel Aufenthaltsqualität.