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Bergische Uni Wuppertal: Von Lügen und „Fake News“

Bergische Uni : Von Lügen und „Fake News“

Anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums lud das Zentrum für Erzählforschung (ZEF) der Bergischen Universität Wuppertal 2018 zu der Tagung „Postfaktisches Erzählen? Post-Truth – Fake News – Narration“ ein. Nun erschien der dazugehörige Sammelband, herausgegeben von sechs Mitgliedern des ZEF.

Seine Beiträge haben in Zeiten von florierenden Verschwörungserzählungen und Klimawandelleugnung sowie der nicht akzeptierten Wahlniederlage Donald Trumps an Aktualität nichts eingebüßt. „Der strategische Einsatz bewusster Falschaussagen – ‚Fake News‘ – wird in manchen Kontexten explizit und offensiv in Kauf genommen, der Wahrheitswert oder die Nachprüfbarkeit medial vermittelter Fakten insgesamt in Frage gestellt“, heißt es in der Einleitung zum Sammelband und dient zugleich einer Beschreibung dessen, was in öffentlichen Diskursen häufig als „postfaktisches Zeitalter“ benannt wird. Die Flut von Falschaussagen und die Verbreitung von Verschwörungserzählungen in der Coronapandemie sind dafür ebenso Beispiele, wie das Leugnen wissenschaftlich nachweisbarer Phänomene wie des Klimawandels oder Donald Trumps Lügen.

Im Mittelpunkt des Sammelbands steht ein in diesem Zusammenhang wichtiges Merkmal: das Erzählen. Die Autorinnen und Autoren streben einen Beitrag zur wissenschaftlichen Bestimmung der postfaktischen Epoche an und fragen, welche Rolle das Erzählen und Erzählungen in ihr einnehmen: „Wie wird erzählt? Was wird erzählt? Welche Funktionen erfüllen Erzählungen in unterschiedlichen Zusammenhängen? Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft, Kulturwissenschaft und Philosophie bringen einen eigenen Blick auf das Verhältnis von Erzählen und Erzählungen zum Postfaktischen mit sich“, so die Herausgeberinnen und Herausgeber.

  • Medienprojekt-Mitarbeiter Daniel Hermann bei Dreharbeiten mit
    Medienprojekt Wuppertal auf „Medienradar“ : 40 Filminterviews von Wuppertaler Schülerinnen und Schülern
  • Symbolbild.
    Bergische Uni : EU-Projekt: Ausweg aus „vergifteter Atmosphäre“
  • Michael Kozinowski, Inhaber der Buchhandlung Klaus
    Wie verändert Corona unseren Alltag? - Wuppertaler erzählen : „Wir karren jeden Tag ein bis zwei Säcke Bücher zur Post“

Unter Rückgriff auf Theorien, Erkenntnisse und Methoden der Erzählforschung wird in den Beiträgen außerdem eine Bestimmung der Kernbegriffe der Debatte wie „post-faktisch“ und „post-truth“, „Wirklichkeit“ und „Wahrheit“, „Ereignisse“ und „Geschehen“ sowie „Erzählungen“, „Geschichten“ und „Narrative“ angestrebt.

Weixler, Antonius / Chihaia, Matei / Martínez, Matías / Rennhak, Katharina / Scheffel, Michael / Sommer, Roy (Hrsg.): Postfaktisches Erzählen? Post-Truth − Fake News − Narration (spectrum Literaturwissenschaft / spectrum Literature, 71). Berlin: De Gruyter, 2021, 331 Seiten; 99,95 Euro.