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Café Cosa: Aufgeheizte Stimmung am Kirchplatz

Café Cosa : Aufgeheizte Stimmung am Kirchplatz

Wegen der Renovierungsarbeiten am Köbo-Haus muss das Café Cosa umziehen, die evangelische Kirche gewährt dem sozialen Kontaktcafé für Drogensüchtige am Kirchplatz Herberge. Ein Teil der Nachbarschaft ist entsetzt.

"Ich bin sozial eingestellt, aber das geht an die Existenz", sagt Dusko Loncar im "Calvin 7" hinter seinem Tresen. Die Gäste kommen zu ihm, weil sie gerne für sich sind und ihre Ruhe wollen. Falls sich die "Platte" an den so beschaulichen Kirchplatz verlagere, würden sie lieber daheim bleiben und er müsse schließen. "Eine Katastrophe", sagt der Wirt.

Die Stimmung am Kirchplatz ist in diesen Tagen aufgeheizt. Ab Januar 2018 wird das Café Cosa, in dem sich der Freundes- und Förderkreis Suchtkrankenhilfe um Drogenabhängige kümmert, für zwölf Monate in Räume der evangelischen Kirche an die Calvinstraße ziehen. Viele Einzelhändler glauben, dass sich die Drogenszene vor ihre Haustür verlagert und an einen wirtschaftlichen Schaden, der ihre Existenz aufs Spiel setzt. Viele möchten sich nicht in der Öffentlichkeit äußern. Fragt man nach dem neuen Nachbarn, steigt manchem die Zornesröte ins Gesicht. Es ist von "sich wehren" die Rede.

Jürgen Spillmann möchte Stellung nehmen. "Wir können nicht mehr. Hier wird es Schließungen geben", prognostiziert der Obstladen-Betreiber. Die ersten Auswirkungen seien bereits spürbar. Ein potenzieller Mieter, der sich für leere Räume am Kirchplatz interessiert habe, sei abgesprungen. "Durch die Baustellen um die Innenstadt leiden wir seit Jahren", sagt Spillmann. Dass das Café samt seines Klientels an den beschaulichen Platz ziehe, würde die ertragbaren Strapazen des gepeinigten Platzes übersteigen. Als er die Einladung zum Info-Abend vor zwei Wochen von Kirche und Stadt erhalten habe, hätte er sich zunächst gefreut. "Ich dachte, man erzählt uns, dass endlich in den Platz investiert wird. Stattdessen kommt die nächste Hiobsbotschaft."

Dass ein Großteil der Einzelhändler so kritisch reagieren wird, war Pfarrer Werner Jacken und Sozialdezernent Stefan Kühn nicht bewusst. Beide sagen, sie seien mit einem guten Gefühl aus dem Info-Abend mit den Nachbarn gegangen. "Natürlich wurden kritische Fragen gestellt, aber wir hatten Antworten dabei", sagt Jacken. Ihm mache diese Hysterie Sorge, "aber dass das Café nicht auf große Gegenliebe treffen wird, war uns bewusst." Dennoch möchte die Kirche weiter auf Dialog setzen. "Wir werden mit den Kirchplatz-Nachbarn im Gespräch bleiben, um Sorgen zu nehmen."

Und auch gemäßigte Worte sind dann doch noch aus der Riege der Anwohner zu hören: "Klar, findet das keiner klasse", sagt Imke Fleischhauer, Betreiberin von "Milia's Coffee". "Aber wir werden abwarten, wie sich die Sache entwickelt und auf die Mitarbeiter des Cafés setzen, ihr Klientel im Griff zu halten."