Auf dem Abstellgleis?

Auf dem Abstellgleis?

Nach einem Jahr B7-Sperrung verzeichnet das Traditionsgeschäft "Willy Müller & Söhne" in der Luisenstraße 30 Prozent Umsatzverlust. Wenn sich bis Oktober nichts ändert, muss Hartmut Müller das Spielwarengeschäft schließen.

Er fühlt sich mit seinen Sorgen von der Stadt allein gelassen.

Seit 105 Jahren prägt "Willy Müller & Söhne" den Einzelhandel in der Stadt. Den Anfang nahm das Familienunternehmen als Fahrradgeschäft am Haspel. Nach einigen Zwischenstationen konzentriert man sich seit den 50er Jahren in der Luisenstraße immer mehr auf Kinderspielzeug. In dritter Generation bietet "Willy Müller & Söhne" auf mehr als 600 Quadratmetern ein vielfältiges Spielsachensortiment an. Damit könnte bald Schluss sein. Denn dem Traditionsgeschäft droht das Aus.

"Seit der B7-Sperrung", sagt Hartmut Müller, der das Geschäft zusammen mit seinem Bruder Heinz leitet, "verzeichnen wir einen Umsatzrückgang von 30 Prozent." Immer weniger Kunden finden den Weg in die Luisenstraße, selbst einstige Stammkunden kommen nicht mehr in das Geschäft.

"Die haben einfach keine Lust, auf dem Hinweg eine halbe Stunde im Stau zu stehen, und auf dem Rückweg auch wieder", so Hartmut Müller. Aus Barmen oder anderen Stadtteilen komme niemand mehr. Die Kunden wanderten ab — ins Netz oder in andere Städte. Hartmut Müller ist enttäuscht. Von einer Stadt, die ihn mit seinen Sorgen allein lässt — seiner Stadt. "Die haben doch selbst keine Ideen, was sie tun sollen. Es ändert sich einfach nichts. Ich fühle mich aufs Abstellgleis geschoben."

45 Jahre ist der 64-Jährige im Familiengeschäft tätig. "Wenn ich die Zeit Revue passieren lasse, wie sich alles entwickelt hat, das ist schon traurig", sagt er. Viele Faktoren bestimmten dabei das Schicksal des Einzelhandels: "Aber die B7-Sperrung hat noch mal extrem reingehauen." Ein neues Ladenlokal kommt für ihn nicht in Frage. Das sei bei der benötigten Größe nicht bezahlbar. Das Weihnachtsgeschäft wird er nicht mehr mitnehmen, wenn sich bis Ende Oktober nichts verändert. Denn immerhin gibt es eine gute Chance, das Haus zu verkaufen.

Das Fazit fällt dennoch bitter aus: "Ändert sich vorher nichts, müssen wir schließen. Ein trauriges Ende nach mehr als 100 Jahren..."