Garten: 100 Ginkgo-Bäume für Wuppertal

Garten: 100 Ginkgo-Bäume für Wuppertal

Klaus Stiebeling, der 30 Jahre in Japan lebte, hat von seiner letzten Reise ins "Land des Lächelns" 100 Kerne des legendären Ginkgo-Baumes mitgebracht. Die möchte er jetzt an Menschen in Wuppertal verschenken, die sie gern im eigenen Garten einpflanzen wollen.

Diese Samen möchte Stiebeling nun verschenken. Foto: Rundschau

Das berühmte Goethe-Gedicht "Ginkgo biloba” kennt der 78-Jährige natürlich auswendig. In seiner dicken Sammelmappe findet man alte Sonderdrucke — oder auch eine vielsagende Bemerkung des Münchener Botanikers Walter Jung: "Manchen Leuten wird eine ‘Ginkgo-Manie' diagnostiziert, eine Sammelleidenschaft für Ginkgo-Gegenstände, die den erfasst, der sich länger mit dem Phänomen Ginkgo biloba beschäftigt." Stiebeling kann das bestätigen: Er ist — schon seit seiner Zeit in Japan — ein leidenschaftlicher Sammler von "Ginkgonalia", also allem, was es an Texten, Bildern, Schmuck und Dekoration rund um den Ginkgo gibt.

Stiebeling, gelernter Buchhändler, arbeitete in Asien als Verlagsangestellter sowie als Importeur von europäischer Druckgrafik und deutschsprachigen Kunstbüchern. Eine ständige Ausstellung eines Teiles seiner großen Sammlung ist im "Ginkgonalia”-Museum in Velbert-Langenberg zu sehen — außerdem gab es Präsentationsgastspiele an vielen anderen Orten in der Region und darüber hinaus.

Der Ginkgo, den es auf der Erde schon seit etwa 200 Millionen Jahren gibt, wurde in Europa durch den Arzt und Forschungsreisenden Engelbert Kaempfer (1651 bis 1716) bekannt. Eine Legende ist der vor allem wegen seiner ungewöhnlichen Blätterform bekannte Baum beispielsweise, weil nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima ein Ginkgo, der einen Kilometer vom Explosionszentrum entfernt neben einem Tempel stand, das Inferno überlebt hatte.

In Japan, so weiß Klaus Stiebeling zu berichten, sind Ginkgo-Kerne auch eine Delikatesse: "Ihr stinkendes Fruchtfleisch wird entfernt, die Kerne kommen in eine heiße Pfanne, Deckel drauf, und dann muss man warten, bis die Kerne vor Hitze an den Pfannendeckel springen."

So etwas hat Stiebeling mit seinen 100 Ginkgo-Kernen, die aus der aktuellen Ernte im Spätherbst vergangenen Jahres stammen, allerdings nicht vor. Ihm geht es ums Einpflanzen, denn er wünscht sich, dass zu den schon in Wuppertal vorhandenen Ginkgo-Bäumen beispielsweise auf der Hardt, an der Bergischen Universität oder auch vor der Junior Uni noch viele hinzukommen. Was ist zu tun? Klaus Stiebeling: "Zuerst muss man die Kerne mit Nagelfeile oder Schmirgelpapier aufrauen, dann eine Nacht in Wasser legen. Der Kern kommt danach, bedeckt von nur etwa fünf Millimetern Erde, in einen Blumentopf. Dann heißt es warten..."

Klaus Stiebelings Wunsch: Dass Wuppertal zu einer "Ginkgobaum-Stadt” wird. Er lächelt: "Erleben werde ich das zwar nicht mehr, aber mir genügt, wenn nächste Generationen sich an diesem 'lebenden Fossil' erfreuen.

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