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Situation von Schulen und Familien während des Lockdowns: Drastisch verschlechterte Bildungschancen

Situation von Schulen und Familien während des Lockdowns : Drastisch verschlechterte Bildungschancen

Betr.: Situation von Schulen und Familien während des Lockdowns / offener Brief an Sozial- und Schuldezernent Stefan Kühn und Oberbürgermeister Uwe Schneidewind

Der Arbeitskreis Nordstadt (AKN) / Stadtteilkonferenz ist seit über 30 Jahren in der Elberfelder Nordstadt aktiv und besteht aus etwa 100 passiven und rund 40 aktiven Teilnehmer*innen. Der Kreis der Teilnehmenden kommt aus Institutionen und Einrichtungen wie Offene Kinder- und Jugendeinrichtungen, Schulen, Kitas, Jugendamt, Polizei, Jobcenter sowie interessierten und engagierten Bürger*innen aus Politik, Vereinen und Unternehmen.

Unser Stadtteil

Die Elberfelder Nordstadt ist sehr eng mit mehrstöckigen Wohngebäuden bebaut und hat nur wenige Frei- und Grünflächen. Es leben dort circa 17.000 Einwohner*innen (2019), das entspricht einer Bevölkerungsdichte von circa 14.700 Menschen pro Quadratkilometer. Der Anteil der Bewohner*innen mit Migrationshintergrund liegt bei 50,4 Prozent. In der Nordstadt leben circa 3.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, davon sind im Schnitt 43 Prozent im SGB II-Bezug. Der Bedarf an erzieherischen Hilfen und ambulanten Angeboten ist überdurchschnittlich hoch. In der Nordstadt befinden sich sieben Schulen auf 1,18 Quadratkilometern. Die vier weiterführenden Schulen, darunter eine Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung, haben ein großes Einzugsgebiet aus dem Westen der Stadt. Weitere Informationen über den Stadtteil findet man unter www.nord-stadt.de und www.quartier-mirke.de.

  • Die App zum Laurentiusweg.
    Führung über Laurentiusweg : Die Geschichte und das Gesicht Elberfelds
  • Jana Ihle
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  • Dr. Heike Ernsting, Pfarrerin der Evangelischen
    „Demenzfreundlichkeit“ in Langerfeld : Gesichter auf Plakaten und Postkarten im Stadtteil

Unser Anliegen

Wir betrachten mit großer Sorge die Situation an den Schulen und in den Familien seit dem ersten Lockdown im letzten Jahr und finden, dass es Zeit ist, öffentlich dazu Stellung zu nehmen. Wir stellen fest, dass sich durch die Pandemie die Bildungschancen vieler Kinder und Jugendlicher in unserem Viertel drastisch verschlechtert haben. Begründet ist dies unter anderem durch die fehlende technische Ausstattung in den Familien, den Umstand, dass Eltern ihre Kinder nicht adäquat unterstützen können, zurzeit eingeschränkte Betreuungsangebote der Einrichtungen, zum Beispiel dem Offenen Ganztag, der Alten Feuerwache oder dem Knicklicht, das komplette Fehlen des sozialen Miteinanders (soziales Lernen) des Präsenzunterrichtes.

Diese Defizite verstärken dramatisch die schulische Situation der Kinder und Jugendlichen und führen damit zu großen Problemen bei der Bewältigung des Lernstoffs. Ein zentraler Knackpunkt ist die mangelnde digitale Infrastruktur in Schulen und Familien. Die eingeführte Kommunikationssoftware ist nur eingeschränkt (besonders im Grundschulbereich) zum Austausch tauglich und nicht anwendungsfreundlich für Schüler*innen gestaltet. Wir wünschen uns eine einfache und einheitliche Hard- und Software an allen Schulen.

Hardwareseitig ist klar festzustellen, dass Smartphones zu klein und keine Alternative für digitalen Unterricht sind. Schulaufgaben können nicht adäquat auf einem Smartphone erledigt werden. Es gilt, schnelle (!!!) Lösungen herbeizuführen und bürokratische Hürden zu überwinden. Kosten dürfen keine Rolle spielen! Das Beispiel Selbstständigenhilfe in 2020 hat gezeigt, dass es möglich ist.

Alle Schüler*innen sind sofort mit einem digitalen Zugang (Hardware und Software) auszustatten. Ein digitaler Zugang muss unabhängig von der aktuellen Situation unter Corona geschehen. Das Lernen verändert sich in den letzten Jahren auch ohne Distanzunterricht, da das Internet als wichtigstes Bildungsmedium existiert. Eine Ausstattung seitens Institutionen wie dem Jobcenter darf nicht abhängig davon sein, ob Endgeräte von der Schule verliehen werden oder eine Schulleitung einen entsprechenden Bedarf in der Familie attestiert. Ein digitaler Zugang für alle Schüler*innen gehört zur Grundversorgung, um an Bildungsprozessen angemessen teilnehmen zu können.

Mit dem digitalen Zugang für alle Schüler*innen geht zudem die Förderung der Medienkompetenz der Eltern Hand in Hand. Es ist unerlässlich, dass die Stadt Wuppertal auch Menschen mit keinen oder geringen Deutschkenntnissen, zum Beispiel in Form einer „Taskforce“, in der Einführung der Geräte und der Software unterstützt.

Zum Arbeiten brauchen die Schüler*innen ebenfalls freien Internetzugang. Wir fordern von der Stadt Wuppertal, dass sie freie WLAN-Zugänge in allen öffentlichen Einrichtungen anbietet. Das könnte beispielsweise über die Einrichtung von https://freifunk-wuppertal.net/ erfolgen.

Wir erwarten eine zeitnahe Antwort, wie die oben genannten Probleme von der Stadt gelöst werden. Die Pandemie und die Lockdowns dürfen keine Verlierer*innen hinterlassen!

Förderverein der Elberfelder Nordstadt e.V. und Arbeitskreis Nordstadt / Stadtteilkonferenz, Thomas Weyland (für den AK Nordstadt/Stadtteilkonferenz)