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Neue Erzählung von Ernst-Andreas Ziegler: So traurig und so schön

Neue Ziegler-Erzählung : „Ein wunderbarer Hund“: So traurig und so schön

Ernst-Andreas Ziegler, Journalist, „Erfinder“ der Junior Uni und seit August auch offiziell Wuppertaler Ehrenbürger, hat (wieder einmal) zur schriftstellerischen Feder gegriffen.

Geschrieben – und in Alfred Mierschs Wuppertaler Nordpark-Verlag veröffentlicht – hat Ziegler die nur neun Seiten lange Erzählung „Friedrich und die blaue Decke“, die den Untertitel „Eine wahre Geschichte“ trägt. Thema ist eine prägende Kindheitserinnerung, wie sie persönlicher und hautnaher kaum sein kann. Ernst-Andreas Ziegler wählte für das, was er „transportieren“ möchte, die immer wieder literaturwürdige Beziehung zwischen Mensch(en) und Tier.

Friedrich, ein Hund der Rasse Bouvier des Flandres, gehört zur Familie, steckt voller Liebenswürdigkeit – und erlebt die Fluchtgeschichte der Familie Ziegler am Ende des Zweiten Weltkrieges unmittelbar mit. Bis hin zu einer Situation, wo das treue Tier „seine“ Menschen vor dem Angriff eines Jagdflugzeuges rettet. Das Ende dieser kleinen Geschichte ist tieftraurig. Und es hat auch etwas zu tun mit der Hilflosigkeit und Heimatlosigkeit, mit der die deutschen Flüchtlinge damals innerhalb ihres eigenen Landes (und durch ihre eigenen Landsleute) konfrontiert waren.

Ziegler schreibt klar, kurz, prägnant. Er schweift weder ab, noch erspart er seinen Lesern die Schilderung bitterer Ereignisse und Erlebnisse. So etwa den Bombensplittertod seiner Schwester. Der Text erzählt von einer Familie und einem Hund. Tatsächlich aber erzählt er von Liebe, Angst und Verlust. Und – wie oben schon erwähnt – vom Elend, plötzlich Flüchtling geworden zu sein. Die, die heute von rechts (nicht nur) gegen Flüchtlinge hetzen, vergessen gern, wie schnell es damals ging, heimatlos und unerwünscht zu sein. Und dass man daraus lernen könnte – lernen sollte. Weil das immer wieder passiert. Weil das, wenn nur ein paar Vorzeichen anders sind, jedem passieren kann.

Ernst-Andreas Ziegler, der seine kleine Geschichte über einen, wie er selbst sagt, „wunderbaren“ Hund als Zeichen seines lebenslangen Engagements gegen Rechtsextremismus und gegen das Vergessen der Nazi-Verbrechen verstanden wissen möchte, hat noch einen zusätzlichen Schritt gewagt: „Friedrich und die blaue Decke“ ist in die Sprachen übersetzt worden, die in Wuppertals ausländischen Partnerstädten gesprochen werden. Hinter dem deutschen Text folgen die englische, französische, hebräische, slowakische, spanische und polnische Übertragung. Auch das ein Zeichen für Völkerverständigung, die Ziegler als Motor so vieler Wuppertaler Städtepartnerschaften stets (vor-)gelebt hat.

Die Erzählung endet so: „Wir haben bitterlich geweint.“ Trotzdem ist diese traurige eine sehr schöne Geschichte.