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Corona in Wuppertals Partnerstädten: Matagalpa in Nicaragua

Corona in Wuppertals Partnerstädten : „Von der Regierung läuft da nichts“

Das Thema Corona beherrscht unseren Alltag. Wie sieht es in Wuppertals Partnerstädten aus? Die Rundschau hat sich erkundigt. Heute geht es um das knapp über 200.000 Einwohner zählende nicaraguanische Matagalpa in Zentralamerika.

Während in Honduras, dem Nachbarland Nicaraguas, das Militär mittlerweile Lebensmittel an die Bevölkerung verteilt, stellt sich die Situation in Nicaragua selbst (noch) ganz anders dar: Vor einigen Tagen gab es beispielsweise in der Hauptstadt Managua einen von der regierenden sandinistischen Partei organisierten „Marsch der Liebe“ als Protest gegen das Corona-Virus, an dem mehrere Tausend Parteimitglieder, Staatsbeamte und Schüler teilnahmen beziehungsweise teilnehmen mussten. Ein solcher „Liebes-Marsch“ hat auch in Matagalpa stattgefunden. Angeordnet hatten die landesweiten Kundgebungen Regierungs-Chef Daniel Ortega und seine Ehefrau, die das knapp über sechs Millionen Einwohner zählende Land trotz starker Proteste, die schon im vergangenen Jahr begannen, weiterhin autokratisch regieren.

Wuppertals Partnerstadt Matagalpa (die kommunale Beziehung besteht seit 1987) liegt 132 Kilometer nördlich von Managua. In Matagalpa und in Wuppertal gibt es Städtepartnerschaftsvereine, die in engem Austausch miteinander stehen. Den Wuppertaler Verein leitet Heiner Flötotto, den matagalpinschen Danilo Rivera. Im Gespräch mit der Wuppertaler Rundschau zeichnet Heiner Flötotto ein Bild der Lage, die er mit den Worten „das hört sich alles nicht gut an“ zusammenfasst.

Flötotto: „Die Regierungspartei verschweigt das Thema, offiziell wird von einem bis zwei Toten und einer Handvoll Infizierter gesprochen. Das Thema wird in den Bereich von unglücklicherweise gehäuften Lungenentzündungen geschoben. Es gibt so gut wie keine Corona-Virus-Tests, und wenn es sie gibt, werden die Ergebnisse den Betroffenen nicht mitgeteilt. In ganz Nicaragua existieren nur etwa 100 Intensivbetten und sehr wenige Beatmungsgeräte. Auch die allerdings nur in privaten Krankenhäusern. Eine Behandlung dort können sich nur Wohlhabende leisten.“

Außerdem gilt: Die öffentlichen Schulen sind weiterhin geöffnet, Privatschulen allerdings haben bereits geschlossen. Heiner Flötotto, der sich in mehreren Telefongesprächen sowie per Mail über die Zustände vor Ort aus erster Hand informiert hat: „Wenn Eltern, deren Kinder auf öffentlichen Schulen sind, die Kinder aus Sorge und Vorsicht nicht zur Schule schicken, wird Druck auf sie ausgeübt und es wird ihnen angedroht, dass die Kinder das gesamte Schuljahr verlieren.“

Alles, was es an Präventivmaßnahmen gegen das Corona-Virus gebe, geschehe, so der Vorsitzende des Wuppertaler Städtepartnerschaftsvereins weiter, „auf rein private Initiative hin“: Das Tragen von Schutzmasken, Restaurants, die Essen nur noch ausgeben, aber keine Gäste mehr bewirten, Marktstände, an denen für Abstand zwischen den Kunden gesorgt wird – alles privat und unterfüttert mit Infos aus dem Internet. Flötotto: „Von der Regierung läuft da nichts. Es gibt keine staatliche Prävention.“ Besonders schwierig übrigens ist die Lage außerhalb der Städte, wo es kein Internet gibt und wohin Informationen nur dank privater Radiosender vordringen können.

Heiner Flötotto: „Das Thema Corona verstärkt die soziale und gesundheitliche Krise, in der Nicaragua ohnehin schon steckt, jetzt nochmals. In ein bis zwei Wochen wird die Regierung das Ganze nicht mehr unter den Teppich kehren können.“

Zum Thema Repressalien durch die Regierung gibt es mehrere Facetten. Der Wuppertaler Städtepartnerschaftsverein hat beispielsweise davon gehört, dass die Leiterin eines (staatlichen) Krankenhauses in Managua, die das Corona-Problem offen ansprach, am Tag darauf entlassen wurde. Außerdem dürfen auch private Kliniken offenbar kein medizinisches Material mehr in den USA kaufen, damit sich die gute Ausstattung der Häuser – für den Fall, dass Corona flächendeckend nicht mehr verschwiegen werden kann –, nicht herumsprechen soll.

Zusätzlich hat Wuppertals Oberbürgermeister Andreas Mucke Ende März an Matagalpas (sandinistischen) Bürgermeister Sadrach Zeledón geschrieben: Dabei ging es um den Protest gegen die Bedrohung eines Feuerwehrmannes, der dem Wuppertaler Partnerschaftsverein gut bekannt ist. Die Feuerwehren beider Städte (in Matagalpa gibt es nur eine freiwillige Wehr) arbeiten seit Jahrzehnten eng zusammen. Der betroffene Feuerwehrmann hatte nach einer regierungskritischen Kundgebung verletzte Demonstranten in seinem Wagen nicht der Polizei ausliefern wollen, sondern sie ins Krankenhaus gebracht. Danach wurde das Haus des Feuerwehrmannes mit dem Wort „Plomo“ besprüht. „Plomo“ bedeutet ins Deutsche übersetzt Blei – und steht sinnbildlich für Schusswaffenkugeln.