Heckinghausen Jugendcafé „Coming Home“: Musik gegen stille Not

Wuppertal · Psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu – und die Betroffenen werden nach Beobachtung der Wuppertaler „Krawatte“ immer jünger. In Heckinghausen soll deshalb ein neuer Ort entstehen, an dem Jugendliche reden können, Gemeinschaft erleben und Unterstützung finden: Am 17. September 2026 startet im CVJM Heckinghausen das Jugendcafé „Coming Home“.

Gemeinsam für „Coming Home“: Krawatte-Leiterin Dorothee van den Boree, Bezirksbürgermeister Stefan Kühn, CVJM-Jugendleiterin Julia Eigen und SAX-FOR-FUN-Leiter Thomas Voigt (v.l.).

Foto: Vanessa Ambrosius

Das Angebot richtet sich an 12- bis 17-Jährige und soll zunächst ein Jahr lang alle zwei Wochen donnerstags von 15 bis 20 Uhr öffnen. „Coming Home“ versteht sich ausdrücklich nicht als Therapieangebot. Vielmehr sollen Jugendliche hier unkompliziert vorbeikommen können – zum Reden, Spielen, Kaffee trinken oder Kreativsein. Wer weitergehende Hilfe benötigt, kann an professionelle Angebote vermittelt werden.

Wie groß der Bedarf ist, erleben die Verantwortlichen nach eigenen Angaben längst in ihrer täglichen Arbeit. Rund ein Fünftel aller Jugendlichen gilt als gefährdet, psychische Auffälligkeiten zu entwickeln. „Wir beobachten, dass die Betroffenen immer jünger werden“, berichtet Krawatte-Leiterin Dorothee van den Boree.

Im Café sollen deshalb Ehrenamtliche gemeinsam mit einer psychologischen Fachkraft für die Jugendlichen da sein. Die Ehrenamtlichen erhalten zunächst eine Grundschulung, anschließend vierteljährliche Auffrischungen und die Möglichkeit zu Reflexionsgesprächen. Unterstützt wird das Angebot zudem von einer Künstlerin mit kunsttherapeutischer Ausbildung, denn manchmal lassen sich Gefühle eben leichter mit Farbe ausdrücken als mit Worten.

Neben Gesprächen sind deshalb zahlreiche praktische und kreative Angebote geplant: vom Bau von Vogelhäusern über Armbänder und Kerzengießen bis zu Kleidertausch-Aktionen. Auch Jugendliche selbst sollen Angebote für Gleichaltrige entwickeln. Das soll Gemeinschaft schaffen und zugleich das Gefühl stärken, selbst etwas bewirken zu können.

Eine Rolle spielen dabei auch die Familien. Psychische Erkrankungen der Eltern, Armut, Ausgrenzung oder unsichere Lebensverhältnisse können das Risiko für Kinder erhöhen. Gerade entlang der Talachse träfen solche Belastungen häufiger zusammen, erläuterten die Verantwortlichen. Gleichzeitig belastet die Erkrankung eines Kindes häufig die gesamte Familie. Deshalb sollen künftig auch Eltern Unterstützung und Austauschmöglichkeiten erhalten.

Für das Projekt kooperiert die Krawatte unter anderem mit dem CVJM Heckinghausen, Soulspace und der Junior Uni. Gefördert wird „Coming Home“ durch den Verfügungsfonds Heckinghausen. Weitere ehren- und hauptamtliche Mitstreiter werden noch gesucht. Langfristig sollen die Angebote von CVJM und Krawatte Teil einer „Achse der psychischen Gesundheit“ werden, die gemeinsam mit weiteren Trägern auch auf andere Stadtteile ausgeweitet werden soll.

Und dann wären da noch die „Schokostreusel“: Stefan Kühn, Bezirksbürgermeister und beim Krawattentalk aktiv, beschreibt die Arbeit der Krawatte mit seinem „Cappuccino-Prinzip“: Der Kaffee sei die Grundlage, die aufgeschäumte Milch das Ehrenamt – und besondere Unterstützer seien die Schokostreusel obendrauf.

Für ebendiese sorgt am Sonntag (13. September) das Wuppertaler Saxophonorchester „Sax for fun“. Gemeinsam mit der niederländischen „River Aa Big Band“ spielt das Ensemble ab 17 Uhr in der Gemarker Kirche an der Zwinglistraße 5 ein Benefizkonzert zugunsten der Krawatte. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Die Erlöse des Konzerts und weitere Spenden werden nach Angaben der Veranstalter von einem Förderer verdoppelt. „Sax for fun“ verbindet seine Auftritte immer wieder mit Benefizaktionen.

Vier Tage später öffnet dann „Coming Home“ erstmals seine Türen – mit dem Ziel, psychische Probleme ein Stück weit aus der Tabuzone zu holen und Jugendlichen einen Ort zu geben, an dem zunächst einmal jemand zuhört.