„Die Ja-Sager und die Nein-Sager“ Die Realschule Leimbach und das Denkmal

Wuppertal · Wie lässt sich ein historisches Denkmal umgestalten, damit auch Jugendliche die Botschaft richtig verstehen? Dieser Frage gingen Schülerinnen und Schüler der Realschule Leimbach am Beispiel des Denkmals „Die Ja-Sager und die Nein-Sager“ intensiv nach. Nun präsentierten sie ihre Ergebnisse.

 Wie lässt sich ein historisches Denkmal umgestalten, damit auch Jugendliche die Botschaft richtig verstehen? Schülerinnen und Schüler der achten Klasse der Realschule Leimbach präsentierten dazu ihre Ideen.

Wie lässt sich ein historisches Denkmal umgestalten, damit auch Jugendliche die Botschaft richtig verstehen? Schülerinnen und Schüler der achten Klasse der Realschule Leimbach präsentierten dazu ihre Ideen.

Foto: Barbara Herfurth-Schlömer

Joel will das Denkmal besser beleuchten und damit sichtbarer machen. Angelina hingegen will es bunter und damit moderner gestalten. Manosha wiederum will das Denkmal besser erklären, indem sie es mit mehr Informationen für Jugendliche ergänzt. Was alle drei eint: Sie sind Schülerinnen und Schüler der achten Klasse der Realschule Leimbach in Wuppertal-Barmen.

Sie haben sich im Rahmen ihres Religionsunterrichtes intensiv mit den Stärken und Schwächen des Denkmals „Die Ja-Sager und die Nein-Sager“ beschäftigt und sibd stolz, ihre Ergebnisse in aller Öffentlichkeit zu präsentieren. Dafür hat die Schulleitung die letzte Schulstunde frei geben. Auch Freunde und Eltern waren zahlreich in die Mensa der Schule gekommen.

 Das Denkmal in der Barmer City.

Das Denkmal in der Barmer City.

Foto: Kirchliche Hochschule Wuppertal

Religionsunterricht – konfessionsübergreifend und vor Ort

Das Denkmal „Die Ja-Sager und die Nein-Sager“ erinnert an die Barmer Theologische Erklärung von 1934. Damals sprachen sich 139 Mitglieder der Bekennenden Kirche gegen die vom Nationalsozialismus beeinflusste Theologie und Kirchenpolitik der „Deutschen Christen“ aus. Als „Deutsche Christen“ bezeichneten sich damals die evangelischen Christen in Deutschland, die die Diktatur der Nationalsozialisten und damit auch ihren Rassismus und ihren Antisemitismus befürworteten.

Im Denkmal sind das die „Ja-Sager“, diejenigen, die die Hand zum Hitlergruß heben. Auf der anderen Seite sehen wir die „Nein-Sager“, das sind die Christen der Bekennenden Kirche, die sich von den „Ja-Sagern“ abwenden und ihren Glauben an Gott nicht verraten. Die Kirchliche Hochschule und der Evangelische Kirchenkreis Wuppertal arbeiten eng zusammen, um die Erinnerung an die Barmer Theologische Erklärung lebendig zu halten.

Das Denkmal, das 1984 mitten in der Fußgängerzone von Wuppertal-Barmen nur wenige hundert Meter von der Realschule Leimbach entfernt aufgestellt wurde, hat eine klare Botschaft: gegen Hass und für den Mut, Nein zu sagen, auch wenn man damit nicht in der Mehrheit ist. Das Problem: Diese Botschaft kommt vor allem bei jungen Menschen häufig nicht mehr an, weil sie den historischen Kontext nicht kennen.

„Warum steht Ihr vor einem Denkmal, wo die den Hitlergruß zeigen?“ Diese Frage wurde Konstanze Kemnitzer (Professorin für praktische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal) gestellt, als sie vor zwei Jahren zusammen mit Studentinnen und Studenten sowie Mitgliedern des Kirchenkreises eine Befragung zur Zukunft des Denkmals durchführte. „Damals drängte sich die Frage auf, wie sich diesem Missverständnis vorbeugen lässt“, erinnerte sie an diese Erfahrung. Ihre Antwort: „Am besten, indem man die Jugendlichen selbst befragt“. Damit war die Idee für das Schulprojekt ““enkmal nach. Mach mal selbst.“ geboren.

Zeit, die es im normalen Unterricht nicht gibt

Die Schülerinnen und Schüler der Realschule machten mit – unter der Leitung von Mona Salem und Magdalena Zienczyk. Salem unterrichtet evangelische, Zienczyk katholische Religion. Spontan entschieden sie sich, ihren Unterricht für fast ein halbes Jahr zusammenzulegen. Warum? „Weil wir mit projektorientiertem Unterricht gute Erfahrungen gemacht haben“, erklärte Salem. „Zudem ist das Denkmal nur einen Katzensprung von unserer Schule entfernt ist, wodurch wir einen direkten Bezug dazu haben“. Zienczyk ergänzt: „Wir haben den Schülerinnen und Schülern mit dem Projekt Zeit gegeben, sich intensiv mit einem Thema zu beschäftigen. Im normalen Schulunterricht ist es schwierig, ein solches Großprojekt zu veranstalten.“

Die rund 25 Schülerinnen und Schüler teilten sich in fünf Gruppen auf, in denen sie jeweils Ideen für die Modernisierung des Denkmals entwickelten. Sie bastelten Figuren, entwarfen Collagen und Plakate, bauten Modelle und schrieben Texte, um die Sichtbarkeit und die Verständlichkeit des Denkmals zu verbessern Manche reizte der künstlerische Aspekt der Aufgabe, andere der handwerkliche. Alle aber beschäftigten sich intensiv mit dem Rassismus der Nazi-Diktatur, mit der Frage von Gott und Glaube und mit den Folgen, die die Spaltung einer Gesellschaft für das Leben der Menschen mit sich bringt.

„Das Denkmal erinnert uns Christinnen und Christen daran, wie wichtig es ist, sich für Menschenrechte einsetzen“, betonte Ilka Federschmidt (Superintendentin des Ev. Kirchenkreises Wuppertal) und lobte das Engagement der Schülerinnen und Schüler. „Mit Euren Ideen zum Denkmal leistet Ihr einen enorm wichtigen Beitrag dafür, dass auch junge Menschen diese Botschaft besser verstehen.“

Junge Ideen für den neuen „Kulturteppich“?

Auch Thomas Helbig (Geschäftsführer der ISG Werth) zeigte sich beeindruckt von den Präsentationen. „Der Platz in der Fußgängerzone ist zwar begrenzt“, sagte er. „Der Raum für Engagement aber ist unendlich.“ Seinen Informationen zufolge soll der lang angekündigte Umbau der Barmer Fußgängerzone zu einem „Kulturteppich“ im Frühjahr 2025 starten. Nicht auszuschließen, dass sich die Ideen der Schülerinnen und Schüler der Realschule Leimbach dann an der einen oder anderen Stelle niederschlagen.